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Dienstag, 7. Juli 2026

Haller, Elias – Signalrot

Über den Autor

Elias Haller wurde 1977 geboren. Er lebt, arbeitet und schreibt in Chemnitz. Den Zündstoff für seine packenden Thriller bezieht er aus seiner beruflichen Erfahrung mit Rechtsbrechern und deren Opfern. Seine Leidenschaft fürs Schreiben ermöglicht es ihm, (kaltblütige) Mörder und (tragische) Helden aufeinander loszulassen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. 2015 veröffentlichte er seinen ersten Thriller »Tod und tiefer Fall«. Der Roman erreichte sofort die Spitze der Amazon-Kindle-Charts. Unter dem Pseudonym Nicholas Vega hat er mehrere Fantasy-Bestseller geschrieben.


Signalrot


Autor: Elias Haller
Titel: Signalrot (Tara-Kronberg-Reihe #1) 
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2025
Seitenzahl: 461
Verlag: Edition M Amazon Selfpublishing
Preis: 14,99 € (Taschenbuch); 4,49 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 89/100)

Die Neue im LKA Sachsen

»Signalrot« ist der erste Band einer Trilogie, den Elias Haller veröffentlicht hat. Mit der 37-jährigen Tara Kronberg hat der Autor eine interessante Ermittlerin mit einer schicksalhaften Vergangenheit entwickelt, die mit viel Selbstbewusstsein und Chuzpe ausgestattet ist. Sie ist von Anfang an sympathisch. Tara ist Kriminalhauptkommissarin und soll beim LKA Sachsen die neu eingerichtete Sondereinheit »Signalrot« im Dezernat 47 für Gewaltverbrechen leiten.

Nach der Auszeit

Zwei Jahre ist es her, dass sich Tara Kronberg eine Auszeit genommen hat. Nachdem ihr Vater gestorben war und sie erfahren hat, dass sie keine Kinder bekommen kann, ist ihre Beziehung zerbrochen. Sie stand kurz vor einem Burn-Out. Aus diesen Gründen hat sie die Ruhe und Abgeschiedenheit in einem japanischen Kloster gesucht, um die privaten Schicksalsschläge zu verarbeiten.

Kronberg war vor ihrer Auszeit stellv. Leiterin des Morddezernats K11. Jetzt soll sie die Ermittlungen koordinieren und verbessern mit ihrem Gespür und den richtigen Ansätzen. So soll sie die Kripo bei der Suche nach einem sadistischen Serienmörder unterstützen und wird schnell in einen Sog hineingezogen.

Kein freundlicher Einstieg

Taras Einstieg bei der neu eingerichteten Sondereinheit ist nicht gerade erfreulich. Man legt ihr Steine in den Weg, wo es nur geht. Der ihr zugeteilte Kriminaloberkommissar Gabriel Schneider hat eine befleckte Vergangenheit. Er besteht darauf, nur im Innendienst tätig zu sein. Außerdem hat er ein Verhältnis mit der Vorgesetzten Dr. Kim Rosenstein, die alles andere als erfreut über die neue Mitarbeiterin ist. Als Büro stellt man Tara eine dunkle Kammer zur Verfügung ohne die erforderlichen IT-Ressourcen. Man verwehrt ihr Zugang zu Unterlagen und der aktuelle Stand der Ermittlungen wird ihr ebenfalls vorenthalten.

Tara ist sich nicht sicher, ob sie Schneider trauen kann. Er hat als Personenschützer einem Minister die Nase gebrochen, weil der eine Prostituierte verprügelt hat. Er ist Vater einer fünfjährigen Tochter, die er nicht häufig sieht, da die Mutter den Umgang behindert.

Erinnerungen an ein Märchen

In dem hier beschriebenen Fall geht es um einen psychisch gestörten Täter, der seine Befriedigung im Sadismus findet. Er lässt junge Frauen in roten Schuhen tanzen, bevor er sie tötet und Post Mortem verstümmelt. Der Fall wird schnell persönlich für Tara. Eines der Opfer ist nämlich eine ehemalige Freundin aus gemeinsamen Teenagerzeiten. Die Details hat der Autor in seiner ganzen Brutalität beschrieben. Die Handlung wird aus drei verschiedenen Perspektiven (Tara, Opfer, Täter) im Wechsel erzählt.

In unregelmäßigen Abständen lesen wir aus dem Tagebuch einer Figur, die in Ich-Form über ihre Entwicklung vom Kindesalter bis in die Zeit vierunddreißig Jahre danach erzählt. Was dort steht, ist verstörend und abstoßend gleichermaßen. Die Einträge sind geschickt platziert, um die Spannungskurve zu erhöhen. 

In kurzen Kapiteln erfährt man einiges über die Psyche des Täters. Er liebt das Umwerben, den Tod und die Aufbereitung seiner Opfer, wie er es nennt. Er sehnt den Moment herbei, ab dem eine Frau für immer schweigt. Wie meist in solchen Fällen ist der Ursprung des Handelns in der Kindheit eines Psychopathen zu finden.

Wie krank muss ein Mensch sein

Menschliche Abgründe tun sich auf, wenn man diesen Thriller liest. »Rote Schuhe« und das »Tanzen« haben einen starken Bezug zur Handlung. So gesehen ist das ein innovativer Ansatz von Haller, der diese Attribute schonungslos in seine Handlung mit einbezieht. Es werden falsche Spuren gelegt, um die Aufklärung hinauszuzögern. Die hält dann doch einige Überraschungen parat. Das Motiv des Täters wird dabei nachvollziehbar und es ist klar, dass nur eine gestörte Psyche zu so etwas fähig sein kann.


Fazit

Nach über zwanzig Jahren im Polizeidienst weiß der Autor, wovon er schreibt. Seine Fachkenntnis bezieht er aus seiner Erfahrung mit Mördern und deren Opfern. Der Schreibstil ist prägnant. Der Thriller ist brutal und blutig – nichts für schwache Nerven. Spannung ist bis zum Schluss gegeben.
So wie das Märchen »Die roten Schuhe« von Hans Christian Andersen gibt es eine Reihe von Märchen, die grausam sind und nicht selten mit dem Tod enden. Was haben sich die Kinderbuchautoren nur dabei gedacht – wenn die Inhalte auch deren Fantasie entsprungen sind?
Etwas weniger Fachchinesisch für Laien wäre angebracht gewesen. Beispielsweise hätte man anstelle von daktyloskopischen Spuren den eher bekannten Begriff Fingerabdruckverfahren verwenden können. Das ist für Nicht-Kriminalisten sicher verständlicher.
 
Quellenangaben
Text über den Autor: Homepage von Elias Haller
Rezensionstext: © V. Kaiser; Die Szene aus dem Märchen »Die roten Schuhe« von H.C. Andersen wurde mit KI generiert

Montag, 2. März 2026

McFadden, Freida – Der Freund

Über die Autorin

Freida McFadden wurde am 01. Mai 1980 in New York City geboren und wuchs auch dort auf. Der Name ist ein Pseudonym. Sie ist vor allem für ihre Psychothriller bekannt, darunter der internationale Bestseller »Wenn sie wüsste«. Sie absolvierte ihr Grundstudium an der Harvard University und studierte dann Medizin. Sie praktiziert als Ärztin mit Spezialisierung auf Hirnverletzungen.
Ihre schriftstellerische Laufbahn begann McFadden 2013. Viele ihrer Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt und erreichten Spitzenplätze auf internationalen Bestsellerlisten. 
McFadden lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Boston.


Der Freund


Autorin: Freida McFadden (Pseudonym)
Titel: Der Freund
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2025
Verlag: Heyne Verlag

Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Hohe Naivität

Sydney, Bonnie und Gretchen sind drei Freundinnen, die in ihrem Bestreben auf der Jagd nach dem richtigen Mann unermüdlich sind. Sydney und Bonnie sind ständig darauf aus, einen Mann kennenzulernen und lassen dabei jede Vorsicht außer Acht. Gretchen hat offensichtlich den richtigen Mann bereits gefunden. Alle drei erwecken nicht gerade den intelligentesten Eindruck. Red Flags werden ignoriert oder gar nicht als solche erkannt. Plötzlich ist eine von den drei Freundinnen nicht mehr am Leben.

Partnersuche per Dating-Portal

Sydney sehnt sich schon lange nach einer festen Beziehung. Eine Dating-App soll sie schneller an ihr Ziel bringen. Bonnie wohnt im selben Haus, benutzt die gleiche Dating-App und bezeichnet diese als Lotterie. Mindestens sieben Dates pro Woche nimmt sie wahr. Sie hatte kürzlich eine Verabredung mit einem Arzt und ist hin und weg. Diese Bekanntschaft wird nicht ohne Folgen bleiben.

Sydney lernt einen Mann über die Dating-App kennen und schon bald kommt es zur ersten Kontaktaufnahme mit einem Kevin. Da er laut Foto und Beschreibung genau ihren Vorstellungen entspricht, vereinbaren die beiden ein Treffen in einem Restaurant. Sofort macht sich bei Sydney Enttäuschung breit. Das Foto hat überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Typ, der vor ihr steht. Der versucht alles schön zu reden, benimmt sich merkwürdig, besudelt sich beim Essen und lässt Sydney am Ende die Rechnung bezahlen.

Beim Gehen wird er anzüglich und will Sydney begrapschen. Sie gibt ihm klar zu verstehen, dass sie nicht an weiteren Treffen interessiert ist. Aus dem Dunkeln erscheint ein Mann, der ihr seine Hilfe anbietet. Aber Kevin lässt nicht locker. Er entpuppt sich als Stalker und erscheint immer wieder auf der Bildfläche. Der Unbekannte hingegen erscheint ihr so sympathisch, dass sie ihn gern näher kennenlernen möchte. Sie trifft sich mit ihm, aber irgendetwas scheint mit diesem Tom nicht zu stimmen, und Sydney fühlt sich in seiner Nähe unwohl.

Der Plot wechselt zwischen Gegenwart (Sydney) und Vergangenheit (Tom) mit zwei Zeitebenen. Die Erzählung nimmt Fahrt auf, falsche Fährten werden gelegt. Man hat eine Ahnung davon, dass die beiden Stränge irgendwann zusammenlaufen werden, aber man weiß nicht wie.

Ist Tom ein Soziopath?

In Rückblenden lernen wir Tom in einem separaten Handlungsstrang kennen. Man erfährt, dass er einen gewalttätigen Vater hat, der ständig betrunken ist und seine Frau schlägt. Toms Mutter nimmt dies widerstandslos hin, aber Tom überlegt, wie er dem ein Ende setzen kann.

Tom erzählt aus seiner Sicht, wie Treffen mit Daisy verlaufen. Die beiden kennen sich schon seit der gemeinsamen Schulzeit. Er wirkt schüchtern und weiß zunächst nicht, wie er sich Daisy nähern soll, obwohl die es mit ihrem Verhalten ihm leicht macht. In seiner Fantasie denkt er darüber nach, was er mit Daisy gerne machen möchte, und das sind nicht ausschließlich gute Gedanken.

Freunde seit der Schulzeit

Tom und Slug kennen sich schon seit der gemeinsamen Highschool Zeit. Beide muss man als Außenseiter der Gesellschaft bezeichnen, deren Vorlieben zu extremem Verhalten führen. Der Eine (Tom) sieht gut aus, ist klug und kann sehr charmant sein. Er möchte in der Gesellschaft dazugehören und am Leben teilhaben. Er unternimmt alles Mögliche, um sein Ziel zu erreichen. Er versteht es, das Interesse des weiblichen Geschlechts auf sich zu ziehen.

Der Andere (Slug) steht zu dem, was er ist. Er unternimmt keinerlei Anstrengungen, um sich anzupassen. Ab und zu verspeist er Insekten. Er hätte gerne eine Freundin, hat aber bei Mädchen keine Chance. Mit Slug möchte außer Tom niemand etwas zu tun haben. Als Leser tappt man länger darüber im Dunkeln, was die beiden verbindet.

Die Handlungen und Charaktere der Hauptfiguren sind gut beschrieben. Die Nebenfiguren sind dem Plot dienlich, sind aber nicht in der Tiefe ausgearbeitet. Die Autorin streut bewusst verschiedene Spuren auf mögliche Täter, die dann aber ins Leere laufen. Der Plot ist voller Wendungen, die für Verwirrung sorgen. Spannung ist damit gegeben.

Der Inhalt liest sich leicht und flüssig. Die Kapitel sind angenehm kurz und enden oft mit einem Cliffhanger. Die Handlung ist gespickt mit unvorhersehbaren Plot Twists. Man kann Vermutungen darüber anstellen, wer hier schuldig und wer unschuldig ist. Das Ende hält auf jeden Fall einige Überraschungen parat.


Fazit

Freida McFadden hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen als Thrillerautorin mit leicht verständlichem Inhalt ohne psychologischen Tiefgang gemacht. Ihre Bücher haben einen hohen Unterhaltungs- und Wiedererkennungswert. Da kann man über einen inhaltlichen Fehler auch einmal wissentlich hinwegsehen, der m.E. ohnehin zu Lasten eines Lektorats gehen müsste.  
Die meisten Bücher der Autorin sind Stand Alones. Die Cover sind farbig gestaltet, ebenso der Seitenschnitt. Die Titel sind kurz und einprägsam.
Fans von ihr können sich freuen, da bereits drei weitere Ausgaben für 2026 geplant sind.
 
Quellenangabe
Text über die Autorin: Wikipedia

Donnerstag, 8. Januar 2026

Calden, Saskia – Das geheime Zeichen

Über die Autorin

Saskia Calden wurde 1977 im Berchtesgadener Land geboren. Ihre Leidenschaft für das Schreiben und Erzählen von Geschichten entstand schon in der Kindheit. Seit eine ihrer Kurzgeschichten dem Nachbarsjungen eine schlaflose Nacht bescherte, war ihr Eifer geweckt. Ihr Debüt »Der stille Feind« wurde für den Deutschen Selfpublishingpreis nominiert. Ihr zweiter Psychothriller »Die Rachsüchtige« landete auf Platz 1 der Amazon-Kindle-Bestsellerliste – ebenso wie »Der Puppenwald«, der 2024 erschienene erste Band der Evelyn-Holm-Thrillerserie.


Das geheime Zeichen


Kategorie: Thriller
Ort der Handlung: Freiburg
Erstausgabe: Taschenbuch (07/25; 411 S.)
Schlagworte: Freiheitsberaubung, Misshandlung, Folter, Vergewaltigung
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5


Eine grausige Entdeckung

Ein neuer Fall für Evelyn Holm von der Freiburger Mordkommission. In einem Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt, wird bei Sanierungsarbeiten im Keller eines dreißig Jahre alten Hauses ein Skelett gefunden. Die Person wurde in Zement gegossen, bevor man sie eingemauert hat. Das Skelett hat eine Kette umgehängt.

Was hat es mit dieser Kette und dem Anhänger auf sich? Der Anhänger stellt eine Raute dar, in der sich geschwungene Linien in Form einer abstrakten Blüte kreuzen. Dieses Zeichen zieht sofort die Aufmerksamkeit von Evelyn an. Es treten Erinnerungen von vor dreißig Jahren auf, mit denen sie bis heute nicht abschließen konnte.

Ein paralleler Handlungsstrang führt uns zurück in die Vergangenheit. Dort lernen wir Viola Simon kennen. Sie träumt von einer Karriere als Malerin. Sie hat Talent, wie einige Gemälde von ihr beweisen.

Ein Wiedersehen mit Folgen

Viola begegnet zufällig Anna, mit der sie gemeinsam zur Schule gegangen ist. Anna will ihr behilflich sein, um in einen elitären Club aufgenommen zu werden, in dem Anna selbst Mitglied ist. Sie verspricht Viola, dass in diesem Club ihr Talent gefördert werden kann. Viola gelingt es schließlich, Mitglied in diesem Club zu werden. 

Dieser Eliteclub ähnelt einer Sekte und birgt ein dunkles Geheimnis in sich. Wer eine Mitgliedschaft erreicht, kann zu Erfolg und Ruhm gelangen, wenn derjenige sich an gewisse Regeln hält. Aber man kann auch tief fallen, wenn man gegen die Interessen dieser kriminellen Brutstätte verstößt. Ein Austritt aus diesem Club ist nicht möglich, jedenfalls nicht auf einem normalen Weg.

Ein persönliches Interesse

Evelyn ist getrieben von Ehrgeiz und persönlichem Interesse, diesen Fall zu klären. Schon aus dem Grund, da es eine Verbindung zu dem Doppelmord an ihren Eltern vor dreißig Jahren zu geben scheint. Man will ihr den Fall entziehen, da ihr Vorgesetzter genau aus diesem Grund einen Interessenkonflikt sieht. Evelyn ermittelt trotzdem weiter und begibt sich dadurch in große Gefahr.

Die Spannung zieht spürbar an, nachdem Evelyns Adoptivtochter Jessica von einer Party nicht nach Hause zurückkehrt. Evelyn erhält einen Drohbrief. Sie soll die Ermittlungen einstellen, andernfalls stößt ihrer Tochter etwas zu. Die Ereignisse überschlagen sich. Evelyn verhaftet einen Tatverdächtigen ohne Haftbefehl, ihr droht ein Disziplinarverfahren.

Eine kriminelle Vereinigung treibt Evelyn in die Enge. Sie kann nicht mehr rational denken und handeln. Nach dem Verschwinden von Jessica läuft alles nur noch über die emotionale Schiene ab.

Parallelen ersichtlich

Vom Charakter kommen fast alle Personen mit Ausahme von Evelyn Holm unsympathisch rüber. Teilweise sind sie gefährlich und unberechenbar. Auch mit Evelyns Kollegen ist es nicht einfach. Zusätzlich bereitet ihr ihre Adoptivtochter Jessica Probleme. Jessica haben wir schon in dem Evelyn-Holm-Thriller »Der Puppenwald« als Opfer einer Entführung kennengelernt. Auch jetzt steht wieder eine Person im Mittelpunkt, die gegen ihren Willen festgehalten und von der Außenwelt abgeschirmt wird. Ihre Fluchtversuche bleiben ohne Erfolg. Die Gründe sind hier allerdings anders gelagert.

Die Geschichte ist stimmig und innovativ erzählt. Man erwartet Antworten darauf, wie lange es schon her ist, dass ein Mensch im Keller eines alten Hauses eingemauert wurde und was der Grund dafür war? Gibt es eine Verbindung zu dem »Club« bzw. zu einer seit langem vermissten Person?


Fazit

Der Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar. Die Kapitel sind überwiegend kurzgehalten. Im Verlauf der Handlung nimmt das Pacing merklich zu. Cliffhanger werden an den richtigen Stellen platziert, um den weiteren Verlauf später aufzulösen oder fortzusetzen. Wir begegnen Figuren, die man schon aus den anderen beiden Thrillern kennt. Trotzdem kann man dieses Buch ohne Vorkenntnisse lesen.
Durch häufige Perspektivwechsel bleibt die Geschichte spannend bis zum Schluss, was aber auch der überdurchschnittlich guten Erzählweise der Autorin geschuldet ist. 
Dass Saskia Calden eine Autorin mit Potential ist, hat sie schon in ihren ersten beiden Büchern der Evelyn-Holm-Reihe unter Beweis gestellt. Mit diesem Buch ist ihr ein weiterer Pageturner gelungen. Man darf auf den nächsten Band dieser Reihe gespannt sein (»Ein dunkles Versteck«, 31. März 2026).
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: Innenseite © Saskia Calden, 2025
Buchcover: Edition M, Imprint von Amazon Publishing

Freitag, 2. Januar 2026

Michel, Julia – Schwester- herz

Über die Autorin

Julia Michel wurde in Willingen im hessischen Upland geboren und ist dort tief verwurzelt. Schon früh begann sie zu schreiben und veröffentlichte zunächst unter dem Pseudonym Maggie Jay mehrere regionale Thriller.
Sie ist ein großer Fan von Stephen King, dessen psychologische Tiefe und erzählerische Intensität sie stark beeinflusst haben. Nach einer Zeit in den USA lebt und arbeitet sie inzwischen wieder in Deutschland. Heute schreibt sie unter ihrem eigenen Namen Thriller, in denen familiäre Beziehungen, emotionale Abgründe und zerstörerische Geheimnisse im Mittelpunkt stehen.
Mit Schwesterherz legt sie nun ihren ersten Psychothriller als Julia Michel vor.
Quelle: Amazon


Schwesterherz


Kategorie: Kriminalroman
Ort der Handlung: Paderborn 
Erstausgabe: Taschenbuch (12/25; 276 S.)
Schlagworte: Horror, Paranoia, Realitätsverlust, Wahnvorstellungen
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5



Grausam, gruselig, Horror

Der Einstieg könnte nicht grausamer sein. Die Autorin kommt gleich zum Mittelpunkt des Geschehens. Kriminalhauptkommissar Holger Ebers bietet sich ein Bild in dem kleinen Einfamilienhaus der Gardners, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Eine Frau und ein Kind liegen blutüberströmt auf dem Boden. Beide wurden aufgeschlitzt und ausgeweidet. Aber wo ist das Herz des kleinen Mädchens? Es ist nicht auffindbar! In der Ecke kauert ein Mann mit einem Messer in der Hand. Es handelt sich um den Ehemann bzw. Vater der beiden Personen.


Schuldig oder nicht schuldig

Henry Gardner hat als Professor einen Lehrstuhl an der Universität in Paderborn. Er soll seine Frau Eva und die sechsjährige Tochter Emilie auf bestialische Weise ermordet haben. Dr. Anne-Marie Faber ist Psychiaterin. Sie begutachtet vermeintliche Straftäter, um herauszufinden, ob ein Täter oder eine Täterin zum Tatzeitpunkt schuldfähig war oder nicht.

Leidet Gardner an einer Psychose? Eine schizoaffektive Störung, die durch Realitätsverlust, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen hervorgerufen wird? Das könnte eine mögliche Erklärung für sein Verhalten sein. Er wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Dort soll ihn die Oberärztin Dr. Anne-Marie Faber befragen und stabilisieren, damit er von der Polizei verhört werden kann. In den Gesprächen beteuert Gardner immer wieder seine Unschuld. 

In langen Gesprächen mit Dr. Faber erleben wir Gardner teilweise als Ich-Erzähler aus der Zeit vor den Taten. Er erzählt viel über sein Elternhaus und wie er aufgewachsen ist. Über Eva erfahren wir eigentlich nicht viel. Beide haben studiert und sind sich nach Abschluss ihres Studiums nähergekommen und haben nach einem Jahr geheiratet. Nachdem Eva bei der ersten Schwangerschaft vor sechs Jahren das Kind verlor, war sie beim zweiten Mal mit Zwillingen schwanger. Eines der beiden Mädchen starb noch im Mutterleib, aber das zweite Mädchen kam gesund zur Welt.


Ein Kind mit Verhaltensstörungen

Als Emilie zwei Jahre alt ist, wirkt sie manchmal wie ein anderer Mensch. Sie reagiert nicht auf ihren Namen und sie schaut sich um, als würde sie die Umgebung zum ersten Mal sehen. Im Alter von fünf Jahren entdecken die Eltern weitere Verhaltensauffälligkeiten bei ihr. Leidet auch Emilie vielleicht an einer Psychose?

Andere Kinder im Kindergarten fangen an, Emilie zu meiden. Die Nachbarin, die die Leichen im Haus der Gardners entdeckt hat, berichtet ebenfalls über ein merkwürdiges Verhalten von Emilie. Ihre Tochter Luisa und Emilie haben manchmal miteinander gespielt. Dabei fiel ihr auf, dass sich Emilie mit den Jahren veränderte. Sie wurde ruhiger, wirkte oft in sich gekehrt und rastete manchmal ohne ersichtlichen Grund aus. Das Jugendamt schaltet sich ein und prüft, ob Emilie von ihren Eltern misshandelt wird.


Was stimmt mit der Psychiaterin nicht?

KHK Ebers drängt Anne-Marie, schnellstens ihren Bericht zu Gardners psychischem Zustand abzugeben, damit er mit der Befragung beginnen kann. Für ihn ist die Beweislage eindeutig. Anne-Marie zögert aber die Befragung immer wieder hinaus. Ebers erinnert sie an einen ähnlich gelagerten Fall aus der Vergangenheit, wo sie schon einmal einen Fehler begangen hat. Holger Ebers und Anne-Marie Faber geraten des Öfteren aneinander, da sie unterschiedlicher Meinung sind, was den Umgang mit Gardner betrifft.

Irgendetwas stimmt mit Anne-Marie Faber nicht. Ist sie selbst schon Opfer ihrer eigenen Psyche geworden? Sie steht oft neben sich, seit ihre Lebensgefährtin Michelle mit ihr Schluss gemacht hat. Fünf Jahre waren die Beiden ein Paar. Nach mehreren Therapiegesprächen empfindet sie Sympathien für ihren Patienten Henry Gardner. Es entwickelt sich eine toxische Verbindung, je weiter sie in die Psyche von Gardner vordringt. Es fällt ihr schwer, das alles zu verarbeiten und sie greift immer häufiger zur Flasche.

Die Charaktere von Henry, seiner Frau Eva und Dr. Faber weisen alle drei starke Defizite in der Selbstwahrnehmung auf, bei Henry kommt eine nicht zurechnungsfähige Mentalität hinzu. Es gibt keinerlei nennenswerte positive Charaktereigenschaften. Man kann für diese drei Figuren keine Sympathie entwickeln, auch die kleine Emilie kommt einem unheimlich vor.


Kein whodunit

Ziel von »Schwesterherz« ist die Spannungserzeugung, die nicht auf einem whodunit beruht. Der Leser fühlt die Angst und die Wahrnehmung des Protagonisten (Henry), die von der empfundenen Bedrohung einer ihm nahestehenden Person ausgeht. Wie bei den meisten Psychothrillern wird hier eine paranoide Konstellation dramatisiert.


Fazit

Die Chronologie der Ereignisse: Zu Beginn wird man mit einer grausamen Tat konfrontiert. Danach erfährt man rückblickend in verschiedenen Stufen die Entstehung bis zum Tag »X«.
Es gibt keine Hänger in der Handlung. Die Spannung bleibt durchgehend auf einem hohen Level, das sich zum Ende hin noch steigert. Das Buch lässt sich flüssig lesen. Manchmal gibt es einen Cliffhanger am Ende eines Kapitels, um die Auflösung der Situation hinauszuzögern. Die Anzahl der Figuren ist überschaubar. Die Figurenzeichnungen weisen eine gewisse Tiefe auf, so dass man sich ein gutes Gesamtbild machen kann.
Oft vermischen sich die Grenzen der unterschiedlichen Genres miteinander. So kann man »Schwesterherz« nicht nur als reinen Psychothriller wahrnehmen, sondern auch als einen Horrorthriller.
Wer dieses Buch liest, sollte sich auf viele hässliche Details gefasst machen, die ekelerregend und grausam wirken können.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: https://www.amazon.de
Buchcover: Bildrechte gehören dem jeweiligen Verlag

Freitag, 7. November 2025

Adler-Olsen, J. / Holm, L. / Bolther, S. – Tote Seelen singen nicht (Sonderdezernat Q #11)

Über die Autoren

JUSSI ADLER-OLSEN, Jahrgang 1950, Autor seit 1997, hat eine der weltweit erfolgreichsten Thriller-Reihen geschrieben. Seine preisgekrönten und mehrfach verfilmten Thriller erscheinen in 45 Sprachen.
LINE HOLM, Jahrgang 1975, arbeitet seit über 20 Jahren als preisgekrönte Investigativjournalistin und Buchautorin. Gemeinsam mit Stine Bolther veröffentlicht sie unter anderem die international erfolgreiche Thriller-Reihe um Kriminalhistorikerin Maria Just.
STINE BOLTHER, Jahrgang 1976, ist Journalistin, Autorin, Podcast- und TV-Moderatorin und arbeitet seit über 25 Jahren als Gerichts- und Kriminalreporterin.

 

Tote Seelen singen nicht

Kategorie: Thriller – Dänemark, Kopenhagen
Erstausgabe: Gebundene Ausgabe (10/25; 560 S.)
Schlagworte: Cold Cases, Knabenchor, Neid, Rachefeldzug
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5



Neues Autorentrio

2024 sollte nach über zehn Jahren eigentlich Schluss sein mit einer der weltweit erfolgreichsten Thrillerserien. Nun geht es also doch weiter mit dem nunmehr 11. Band der Serie. Mit Unterstützung des Bestsellerduos Line Holm und Stine Bolther ermittelt das Sonderdezernat Q in einem neuen Fall.


Änderungen in der Besetzung

Das Autorentrio behält den bisherigen Stil bei, auch was kleine humoreske Einlagen betrifft. Die Besetzung erfährt ein paar Änderungen. Von den drei bisherigen Figuren sind lediglich die Kriminalassistenten Rosa Maria Yrsa Knudsen sowie Hafez el-Assad mit syrischen Wurzeln übriggeblieben. Ihr ehemaliger Vorgesetzter, Vizekriminalkommissar Carl Mørck, mischt sich immer mal wieder in das Geschehen ein. Terje Ploug heißt der neue Chef und hat den Posten von Marcus Jacobsen übernommen.

Helena Henry ist die Neue im Team und soll die Nachfolge von Carl antreten. Sie ist von der Abteilung »Organisiertes Verbrechen« der französischen Polizei in Lyon nach Kopenhagen gewechselt. Bruchstückhaft erfahren wir im weiteren Verlauf, was der Grund dafür ist, dass sich Helena hat versetzen lassen. Aber sie ist enttäuscht darüber, in diesem Dezernat zu landen und möchte auf gar keinen Fall dortbleiben. 

Rose kann Helena von Anfang an nicht leiden und vermutet, dass etwas an deren Versetzungsgeschichte nicht stimmen kann. Sie ist wie gewohnt übellaunig und spart nicht mit bissigen Kommentaren. Aber sie klagt auch über ständige Übelkeit. Assad trauert den alten Zeiten unter Mørck nach, mit dem er sich immer gut verstanden hat. Trockener Humor und Pointen in den Kommentaren vermisst man.

Drei Jahre ist es her, dass der ehemalige Vizekriminalkommissar Carl Mørck unschuldig wegen angeblichem Mord und Drogenhandel festgenommen und inhaftiert wurde. Nach zahllosen Enttäuschungen ohne Rückhalt seiner Vorgesetzten hat er daraufhin den Dienst quittiert und schreibt seine alten Fälle auf, um sie zu veröffentlichen.


Kein klassisches Erzählformat

Das Sonderdezernat Q befasst sich mit ungelösten Kriminalfällen. Die sogenannten Cold Cases haben andere Abteilungen schon längst zu den Akten gelegt. In dem neuesten Band »Tote Seelen singen nicht« wird das klassische Erzählformat umgedreht. Der Täter ist gleich zu Beginn präsent.


Laudate Dominum

Die Erzählung startet mit einem Ereignis aus dem weiteren Verlauf der Geschichte heraus und springt immer mal wieder zurück in die Vergangenheit. Alle Spuren führen zur Laurenti-Schule, einem Internat mit einem Elite-Knabenchor aus den achtziger Jahren. Ein neuer Schüler wird in den Chor aufgenommen und keiner hat eine so glockenhelle Stimme wie dieser Junge. Er soll das »Laudate Dominum«, den berühmtesten Teil eines Chorwerkes von Mozart als Solostimme singen. Das erzürnt einen der Jungen, der eigentlich für dieses Solo vorgesehen war. Rachegedanken kommen bei ihm auf. Es ist grausam und entsetzlich, was dem folgt. Tiefe menschliche Abgründe werden dabei offenbart.


Alte Fälle werden neu aufgerollt

Bei einer Lesung von Mørck übergibt ihm eine Frau einen alten Anrufbeantworter, worauf die Aufzeichnung mit einem Hilferuf eines Seniorenpaares zu hören ist. Da Carl immer noch Kontakt zu den alten Kollegen hat, übergibt er Rose und Assad die Aufnahme. Daraufhin rollt das Sonderdezernat Fälle, die schon über dreißig Jahre zurückliegen, wieder neu auf. Bei den Ermittlungen stoßen sie auf Verbindungen zwischen einem explodierten Trawler vor der Küste Jütlands, dem Tod einer Patientin in einer Schönheitsklinik durch eine mit Fentanyl präparierte Abnehmspritze sowie einer Unfallfahrt eines hochrangigen Politikers mit Todesfolge.

Wenn man sich an jemandem rächen will, bringt man ihn nicht um. Man nimmt das Umfeld ins Visier. Damit zu leben ist viel schlimmer, als selbst zu sterben.


Bewährter Spannungsaufbau

Ein bewährter Spannungstrick von Autoren – kurze Kapitel mit Figuren- und Ortswechseln erhöhen die Cliffhangerdichte. Und davon gibt es genug in diesem Thriller. Der letzte Cliffhanger am Ende lässt den Leser ungläubig zurück. Man erfährt am Rand, dass die Bände 12 und 13 bereits in Arbeit sind. Damit darf man auf eine Auflösung dieses Cliffhangers gespannt sein.


Fazit

Jussi Adler-Olsen hat mit »Tote Seelen singen nicht« das Fortbestehen seiner erfolgreichen Serie um das Sonderdezernat Q mit Hilfe des Autorenduos Line Holm und Stine Bolther vorbereitet. Es liegt die Vermutung nahe, dass Holm und Bolther das literarische Erbe von Jussi Adler-Olsen antreten sollen, nachdem dieser im Februar 2025 seine unheilbare Erkrankung öffentlich gemacht hat. Man weiß nicht, wieviel von Adler-Olsen in diesem 11. Band steckt.
Das Setting ist plausibel. Trotz häufiger Wechsel der Handlungsabläufe kann man den Überblick behalten. Die Kapitel wechseln zwischen den verschiedenen Figuren, mit deren Namen sie jeweils überschrieben sind. Manchmal treten auch die potenziellen Opfer und Nebenfiguren in den Mittelpunkt eines Kapitels.
Eine autarke Einheit der Polizei in Kellerräume abzuschieben, die sich mit Fällen beschäftigt, die andere Polizeieinheiten längst abgeschlossen haben, ist offenbar ein Anreiz zur Nachahmung. So hat der schwedische Autor Anders de la Motte unlängst sein »Dezernat der hoffnungslosen Fälle« um die Ermittlerin Leo Asker unten im Keller des Polizeigebäudes angesiedelt.
 
Quellenangaben
Text über die Autoren: Schutzumschlag © Verlagsgruppe Penguin Random House Verlagsgruppe München, 2025
Buchcover: Bildrechte gehören dem jeweiligen Verlag

Montag, 13. Januar 2025

Fitzek, Sebastian – Das Kalender- mädchen

Über den Autor

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands meistverkaufter Autor. Seit 2006 schreibt er Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Seine Bücher sind in 36 Sprachen übersetzt und wurden über 19 Millionen Mal verkauft. Viele davon sind erfolgreich verfilmt, jüngst wurde »Die Therapie» als sechsteilige Miniserie für Prime Video produziert. 2017 wurde Sebastian Fitzek als erster deutscher Autor mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er ist Stifter des Viktor Crime Award und engagiert sich als Schirmherr für den Bundesverband »Das frühgeborene Kind» e.V. Sebastian Fitzek lebt mit seiner Familie in Berlin.
(Innenseite © Verlagsgruppe Droemer Knaur München, Oktober 2024)


Das Kalendermädchen


Kategorie: Psychothriller – Deutschland, Bayern
Erstausgabe: Gebundenes Buch ohne Schutzumschlag (10/24; 400 S.)
Themen u.a.: Adventskalender, Adoption, Leukämie, Knochenmarkspende
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️


Adventskalender des Grauens

Bei der urbanen Legende vom »Kalendermädchen« geht es um einen Horrormythos. Die Geschichte soll sich vor Jahren in einem kleinen Dorf im bayerischen Frankenwald ereignet haben. In den sozialen Netzwerken wird es als True Crime Geschichte bezeichnet. Was steckt wirklich dahinter?


Nach dieser Legende soll eine junge Frau am Vorabend des vierten Advents einen psychopathischen Serienkiller ins Haus gelassen haben. Er spielte mit ihr das grausame Spiel des »lebendigen Adventskalenders«. Wir erfahren u.a., dass die grausamsten Täter in ihrer Kindheit selbst Opfer von Straftaten wurden. Die Berichterstatter waren sich uneins, ob die Frau es mit ihrem Verstand oder mit dem Leben bezahlte.

Vordergründig geht es in diesem Psychothriller um die elfjährige Alma, die an Leukämie erkrankt ist und dringend eine Knochenmarkspende benötigt. Alma wurde nach ihrer Geburt von Olivia und Julian adoptiert. Als geeignete Spender kämen in erster Linie die leiblichen Eltern infrage. Die Adoptionsvermittlungsstelle will oder darf Olivia die Identität der leiblichen Eltern aber nicht mitteilen.

Olivia Rauch ist studierte Psychologin mit dem Forschungsschwerpunkt Opferpsychologie, benötigt aber selbst immer wieder psychologischen Beistand. Sie leidet zuweilen unter Panikstörungen. Von ihrem Mann Julian lebt sie getrennt. Vor fast vierundzwanzig Jahren hat sie ihren kleinen Bruder durch einen Autounfall verloren und wenige Monate später ist ihre Mutter an Kummer gestorben.

Die Geschichte ist in drei Ebenen aufgeteilt. Zwei zusammenhängende Ebenen haben eine Zeitspanne von zehn Jahren. In der dritten von den anderen beiden unabhängigen Zeitebenen erfahren wir mehr über Olivia, die auf der verzweifelten Suche nach den leiblichen Eltern ihrer Adoptivtochter Alma ist.

In einer Zeit- und Handlungsebene einundzwanzig Jahre zurück befinden wir uns in einem Internat auf Schloss Lobbeshorn und lernen die sechszehnjährige Valentina und ihren Freund Ole kennen. Valentina ist schwanger – eine Todsünde in den Augen der Schulleiterin. Als Strafe müssen sie in den Weihnachtsferien allein im Internat verbleiben und durch vierundzwanzig Türen gehen, wo verschiedene abscheuliche Aufgaben sie erwarten (bspw. »ein Haarbüschel ausreißen
«, »eine Glasscherbe verschlucken«, »ein Kaninchen töten« usw.)

Die einzelnen Kapitel gehen nahtlos ineinander über, solange man in der gleichen Handlungsebene bleibt. Bei einem Ebenenwechsel geschieht dies immer mit einem Cliffhanger. Die verschiedenen Handlungsebenen sind so miteinander verschachtelt, dass man sich nicht sicher sein kann, was als nächstes geschieht. Unzählige Plot-Twists sind überraschend und verwirrend zugleich.

Elias Tudor ist einer von Olivias intelligentesten Studenten. Er will ihr bei der Suche nach Almas leiblichen Eltern helfen. Seine Kenntnisse über die Legende vom »Kalendermädchen« und Haus Waldpfad lassen aufhorchen und machen nachdenklich.

Was steckt hinter dieser legendenbehafteten Geschichte? Gibt es eventuell eine Verbindung zwischen Valentina und Alma oder zwischen Alma und dem »Kalendermädchen
« und wenn ja, welche? Das sind die großen Unbekannten in diesem Psychothriller.

Wenn man glaubt zu wissen, wer oder was dahintersteckt, nimmt die Erzählung eine nicht vermutete Wendung. Geschickt platzierte Plot-Twists treiben dabei die Spannung nach oben. Hinzu kommt eine Auflösung, die überrascht.


Fazit

2024 war dieser Psychothriller das zweitmeistverkaufte Buch (Hardcover) hinter »Altern« von Elke Heidenreich.
Trotz allem gehen bei Fitzeks Psychothrillern die Meinungen ziemlich weit auseinander. Die einen sind begeistert und können es kaum erwarten, bis Fitzek einen weiteren Psychothriller auf den Markt bringt und die anderen können sich mit dem Inhalt nicht anfreunden. Trotzdem gibt es immer wieder einen Hype um seine Bücher.
Die Figuren sind präzise mit Tiefgang beschrieben und man kann sich gut in jede einzelne hineinversetzen.
»Das Kalendermädchen« ist eine gut überlegte Geschichte, die mit ganz viel Mystik und Horror angereichert ist, aber zuweilen sehr stark konstruiert und schwer nachvollziehbar ist. Die Legende und die Geschichte darum hat Fitzek zu einem spannenden Plot zusammengefügt. Meine Bewertung liegt bei drei von fünf Sternen.

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Coben, Harlan – Nichts ruht für immer (M. Bolitar # 12)

Über den Autor

Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nachdem er zunächst Politikwissenschaft studiert hatte, arbeitete er später in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Thriller wurden bisher in 45 Sprachen übersetzt, erobern regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten und wurden zu großen Teilen verfilmt. Harlan Coben, der als erster Autor mit den drei bedeutendsten amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet wurde – dem Edgar Award, dem Shamus Award und dem Anthony Award -, gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Familie in New Jersey.
Klappentext © Wilhelm Goldmann Verlag, München

 

Nichts ruht für immer

Kategorie: Thriller
Erstausgabe: September 2024 (416 Seiten)
Themen u.a.: Basketball, Serienmörder, Privatermittler, FBI
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️


Ein fast perfekter Plan

Es hat einige Jahre gedauert, bis Harlan Coben seine Myron Bolitar-Reihe nun mit dem 12. Band fortgesetzt hat. In der Vergangenheit hat er mehrere Stand Alones veröffentlicht.

Ein Doppelmord in New York an dem 52-jährigen Model Cecilia Callister und deren 30-jährigem Sohn Clay beschäftigt das FBI. Man findet DNA von dem ehemaligen Basketballstar Greg Downing am Tatort. Die Krux an dem Fall: Downing ist seit drei Jahren tot. Doch ist er wirklich tot oder einfach nur untergetaucht? Und wenn Letzteres zutrifft, stellen sich die Fragen, warum er untergetaucht ist und wie Downings DNA an den Tatort gelangt ist?


Zwei FBI-Beamte befragen Myron Bolitar, ob er Angaben zu Greg Downing machen kann. Für sie scheint es festzustehen, dass Greg noch lebt und neben den Morden an Cecilia Callister und deren Sohn noch weitere Opfer auf sein Konto gehen. Für das FBI scheint es außer Frage zu stehen, dass bei allen Opfern eine Verbindung zu Greg besteht.

Myron und sein Partner Win sind als Privatermittler tätig und Greg war ein Klient. Myron und Greg kennen sich von früher. Sie waren einst Basketball-Rivalen; erst in der Highschool, später auf der Uni und schließlich in der NBA.

Myrons Karriere war nach einem schweren Sportunfall mit 21 Jahren beendet, bevor sie angefangen hat. Danach gründete er eine Sportagentur und ist aktuell als Privatermittler tätig. Greg wurde ein gefeierter Basketball-Spieler und nach seiner Karriere ein ebenso erfolgreicher Trainer.

Myron hat einen Sohn zusammen mit Emily Downing aus einer kurzen Affäre. Emily ist mit Greg verheiratet und dieser denkt, dass Jeremy sein leiblicher Sohn ist. Eine weitere Verwicklung in den schwer durchschaubaren Verbindungen.

Es gibt Zeitsprünge innerhalb eines Kapitels, die ein konstruktives Mitdenken und einen gewissen Spürsinn des Lesers erfordern. Vieles ist in den Kapiteln in Dialogform eingebettet, manche Textpassagen erscheinen wie Stichpunkte. Basketball ist immer wieder ein Thema. Knackige Sprüche und knallharte Dialoge bereichern den Schreibstil.

Wir erfahren aus unterschiedlichen Erzählperspektiven mehr über die Handlung, was gewöhnungsbedürftig ist. Der Täter erzählt dabei in einzelnen Kapiteln aus seiner Sicht.

Bis zum Schluss ist Myron davon überzeugt, dass Greg nicht der gesuchte Serienmörder sein kann, falls er doch noch lebt. Er geht davon aus, dass der Mörder seine Spuren verwischt hat und Hinweise auf jemand anderen gestreut hat. Zudem bleibt die Frage zu klären, was den Täter zu den Morden veranlasst hat? Handelt es sich dabei eventuell um einen Psychopathen, der beim Morden einen besonderen Kick verspürt? Ein interessanter Ansatz.

Die Auflösung war jedenfalls so nicht zu erwarten. Der Autor hat gut daran getan, am Ende dem Leser eine erläuternde Zusammenfassung des Handlungsablaufs an die Hand zu geben, damit man alles stimmig zuordnen kann. Die hierzu passenden Worte hat Harlan Coben einem Ich-Erzähler in den Mund gelegt. Wenn man genau liest, so fällt einem auf, um wen es sich dabei handelt – eine Person, die innerhalb der Geschichte steht (also kein auktorialer Erzähler).

 

Fazit

Es ist schon eine Zeitlang her, dass ich einen Stand Alone von Harlan Coben gelesen habe. Das war ein guter Thriller und so habe ich mich auf sein neuestes Werk gefreut, wenn ich auch bisher nichts aus der Myron Bolitar-Reihe gelesen habe und somit ohne Vorkenntnisse war. Aber die Vorfreude ist schnell einer gewissen Ernüchterung gewichen.
Der Thriller ist kompliziert geschrieben und manchmal auch langatmig. Die Vielzahl der Personen, sowie das Auftauchen immer neuer Beteiligter erschweren es, den Überblick zu behalten. Oft ist es kaum nachvollziehbar, ob und wenn ja, welchen Bezug die Figuren zueinander haben.
Das Lesen erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit. Es ist kein Buch, das man einfach so weg lesen kann. Auch wenn es der eine oder die andere anders beurteilt, mich konnte dieser Thriller leider nicht überzeugen. Drei Sterne ist das Maximum von mir.

Sonntag, 18. August 2024

Menger, Ivar Leon – Finster

Über den Autor

Ivar Leon Menger, Jahrgang 1973, ist Schriftsteller, Diplom-Designer und Regisseur. Bekannt wurde er durch seine erfolgreichen Hörspielserien »Ghostbox« und »Monster 1983«, für die er mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. 2022 erschien sein Thrillerdebüt »Als das Böse kam«, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, ein Jahr darauf sein zweiter Thriller »Angst«. Ivar Leon Menger lebt mit seiner Familie in der Nähe von Darmstadt.
(Klappentext © dtv Verlagsgesellschaft München, 2024)


Finster

Ausgabe: Taschenbuch mit Klappentext (08/24; 384 S.)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️


Ende gut, aber nicht alles gut

Die hier erzählten Ereignisse beginnen vor 38 Jahren und entführen uns in das fiktive ländliche Katzenbrunn im Odenwald. Dieser trostlose Ort besteht aus achtzehneinhalb Häusern mit 50 dort lebenden Seelen. Das »berühmteste« Gebäude ist das Haus »Waldfrieden«, eine psychiatrische Klinik.


Damals haben die Uhren noch anders getickt. Das digitale Zeitalter war noch nicht eingeläutet. Um sich dieser Zeit anzupassen, benutzt der Autor Begriffe wie Kolonialwaren. Krankenschwestern beschreibt er ihrem Äußeren nach mit weißen Häubchen auf dem Kopf. Die gute alte D-Mark ist noch Zahlungsmittel. Das ist alles so weit in Ordnung und passt auch zu dieser Zeitrechnung.

Vier Jungen verschwinden nacheinander in unregelmäßigen Abständen spurlos und sind nie wieder aufgetaucht. Kriminalhauptkommissar Hans Jörg Stahl hat damals die Ermittlungen geleitet. Nach einem schlimmen Autounfall wurde er vorzeitig pensioniert. Sein Nachfolger Kleist hat die vermissten Jungen als ungelöste Kriminalfälle zu den Akten gelegt. Als zehn Jahre später der dreizehnjährige Nikolaus Kämmerer verschwindet, kehrt Stahl an diesen Ort zurück. Als Pensionär nimmt er wieder die Ermittlungen auf und möchte neben dem aktuellen Vermisstenfall unbedingt die Cold Cases von damals lösen. Keiner von den aktuellen Ermittlern weiß darüber Bescheid.

Merkwürdige Personen wohnen in dem kleinen Ort. Hier leben psychisch kranke Menschen außerhalb der Klinik, sowie Selbstmörder und Mörder. Der Autor hat sie so beschrieben, dass man sich gut ein Bild von ihnen machen kann. Gleich mehrere Personen kommen als Entführer der Jungs infrage. Jeder misstraut hier jedem. In diesem Punkt hat Menger vieles richtig gemacht, um die Spannung hochzuhalten.

Dass das Kaff eine düstere Stimmung offenbart, kommt gut herüber. Menger gelingt es mit der Beschreibung der einzelnen Dorfbewohner, dass man eine Abneigung gegen die meisten von Ihnen aufbaut. Gekonnt legt er verschiedene Spuren aus, die sich dann aber als Sackgasse erweisen. Die Figur des Hauptkommissars a.D. Stahl ist vielschichtig angelegt. Nicht alles davon hat mir gefallen.

Wir erfahren etwas über die Beweggründe des Täters, warum er die Kinder entführt hat. In den Kapiteln, die bspw. mit »Der Greifer«, »Oskar« oder »Tommi« überschrieben sind, wird das Leben dieser Figuren geschildert. Dabei erzählt »Oskar« in der Ich-Form.

Nach etwas mehr als der Hälfte wird deutlich, wer der Gesuchte, der sogenannte »Greifer« ist. Das nimmt der Handlung die Spannung weg. Es geht ab da nur noch darum, ob und wie man den Täter überführen kann.

Einiges war für mich zu klischeehaft. Die Wirtin des Landgasthofes »Zur Krone« ermittelt plötzlich an der Seite des ehemaligen Kommissars Stahl und beide kommen sich dabei menschlich näher.


Fazit:

Nachdem ich bereits »Angst« von dem Autor gelesen habe, stelle ich nun fest, dass »Finster« einen anderen Ansatz hat. Das finde ich mutig, da viele Autoren und Autorinnen nicht von einem einmal eingeschlagenen Stil abweichen.
Schreibstil und Plot konnte ich allerdings nicht mit dem Begriff Thriller in Einklang bringen. Für mich war es eher ein Kriminalroman, was aber keiner Negation entspricht.
Das Buch liest sich leicht und flüssig. Die kurzen Kapitel habe ich als angenehm empfunden.
Die Handlungsstränge haben auf mich konstruiert gewirkt. Positiv sollte man allerdings erwähnen, dass zum Ende hin alles ineinanderfließt.
Wie jemand schreibt und was er schreibt, ist immer auch eine Frage des Geschmacks. Leider hat das Buch meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Ich würde mir wünschen, dass Menger wieder zu seinem bisherigen Stil zurückkehrt. Ich vergebe drei Sterne.

Samstag, 27. Juli 2024

Robotham, Michael – Der Erstgeborene

Über den Autor

Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren. Er war lange Jahre als Journalist für große Tageszeitungen und Magazine in London und Sydney tätig, bevor er sich ganz seiner eigenen Laufbahn als Schriftsteller widmete. Mit seinen Romanen stürmt er regelmäßig die Bestsellerlisten und wurde bereits mit mehreren Preisen geehrt, unter anderem zweimal mit dem renommierten Gold Dagger (eigene Anm.: Der »Golddolch« ist ein Belletristikpreis für den besten Kriminalroman des Jahres). Michael Robotham lebt mit seiner Familie in Sydney.
(Klappentext © Goldmann Verlag München, 2022)


Der Erstgeborene

Ausgabe: Paperback mit Klappentext (12/22; 496 S.)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️


Mord und Vergebung

Vor zwanzig Jahren hat Elias Haven seine Eltern sowie seine beiden Zwillingsschwestern getötet. Nur durch einen Zufall blieb sein jüngerer Bruder Cyrus verschont. Angeblich hat Elias damals Stimmen in seinem Kopf gehört. Bei ihm wird eine paranoide Schizophrenie, sowie eine antisoziale und narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Er wird in eine psychiatrische Anstalt in Rampton (psychiatrisches Hochsicherheitskrankenhaus in Nottinghamshire) eingeliefert.


In einer Art Trauma und Verzweiflung trank Cyrus Haven, nahm Drogen, hat gestohlen und mutwillig Sachen zerstört. Er hat sich sogar geritzt. Später hat er sich aber wieder gefangen und ein Studium zur forensischen Psychologie erfolgreich abgeschlossen.

Zwanzig Jahre später stellt Elias einen Antrag, um aus der Anstalt in Rampton entlassen zu werden. Er ist davon überzeugt, dass er geheilt ist. Da er gut mit Medikamenten eingestellt ist, unterstützt sein Arzt Dr. Baillie den Antrag. Cyrus will seinem älteren Bruder Elias vergeben. Dazu darf Elias zunächst zur Probe tageweise und als nächsten Schritt mit Übernachtungsbesuchen die Anstalt mit einer elektronischen Fußfessel verlassen.

Da gibt es aber auch noch jemand anderes im Leben von Cyrus. Er hat die Vormundschaft für Evie Cormac anstelle der Eltern übernommen, die aus unterschiedlichen Gründen kein Sorgerecht mehr haben. Evie ist aufmüpfig, aufbrausend und anti-sozial eingestellt. Auf der anderen Seite ist sie eine taffe junge Frau von 21 Jahren, die die Gabe hat zu erkennen, ob Menschen lügen oder die Wahrheit sagen.

Dr. Cyrus Haven unterstützt die Polizei in Nottingham bei der Aufklärung von Straftaten. In einem aktuellen Fall geht es um den Tod des 67-jährigen Rohan Kirk, der brutal erschlagen in seinem Wohnzimmer liegt. Seine Tochter Maya ist verschwunden und Dr. Haven glaubt, dass sie entführt wurde. Später findet ein Bauer die Leiche von Maya in der Nähe von Newstead Abbey.

In den Strudel von Ermittlungen gerät auch Evie, als sie eines Abends meint, den Mörder von Maya erkannt zu haben. Damit bringt sie sich und Cyrus in große Gefahr. Plötzlich ist nicht nur sie, sondern auch Elias verschwunden.

In einer stillgelegten Fabrikhalle spitzt sich dann alles zu und wir erfahren, wer hinter den Taten steckt. Wie geht es mit Elias weiter, da er sich trotz seiner elektronischen Fußfessel von seinem genehmigten Aufenthaltsort in Cyrus‘ Haus entfernt hat? Muss er dauerhaft zurück in die psychiatrische Anstalt?


Fazit:

Aus jeweils in sich abgeschlossenen Kapiteln erfahren wir Details über die beiden Protagonisten Cyrus und Evie. Cyrus ist sehr empathisch und will Menschen helfen, wo er kann. Evie ist eine schwierige Person mit sehr starken Gemütsschwankungen.
Das hat Robotham sehr gut herausgearbeitet. Diese beiden Figuren habe ich trotz ihrer Schwächen als sympathisch empfunden.
Es geht neben Mord um Entführung sowie Vermisstenfällen und Strafverfolgung wegen Falschbehandlung im Krankenhaus mit Todesfolge. Viele Handlungsstränge machen den Plot unübersichtlich, auch wenn sie zum Ende hin gekonnt zusammengefügt werden.
Mich hat das Setting nicht überzeugt. Bei einigen Passagen habe ich die Entwicklung und den Verlauf des Geschehens vermisst. Ich komme daher nur auf drei Sterne.

Donnerstag, 13. Juni 2024

Carter, Chris – Der Totenarzt

Über den Autor

Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Gegenwärtig lebt Chris Carter in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.
(Innenseite © Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2024)


Der Totenarzt

Ausgabe: Taschenbuch (05/24; 432 S.)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️


Das Böse ist immer und überall

Dies ist bereits der 13. Fall für Hunter und Garcia. Einleitend erfahren wir, dass diese Geschichte durch wahre Begebenheiten inspiriert wurde. Aber dann ist man schon mittendrin. Der Autor hält sich nicht lange mit Füllpassagen oder langatmigen Erläuterungen auf.


Was zunächst wie ein Verkehrsunfall mit Todesfolge aussieht, erweist sich als ein gut getarnter Mord. Das Opfer, der 46 Jahre alte Shaun Daniels, landet durch einen Zufall in der Rechtsmedizin. Dr. Carolyn Hove entdeckt bei der Autopsie Spuren, die eine andere Todesursache vermuten lassen.

Bei einem weiteren Opfer spielt ebenfalls Kommissar Zufall eine Rolle. Der 38 Jahre alte Terry Wilford ist allem Anschein nach von einer Brücke in den Tod gesprungen. Das Opfer landet im Sektionssaal zur Leichenbeschau, die zu Übungszwecken von Studenten durchgeführt wird. Bei diesem Opfer werden Spuren von Misshandlungen und Folter entdeckt, die ebenfalls nicht auf einen Suizid hinweisen.

Bei beiden Opfern gibt es Parallelen. Sie leben allein und haben kaum soziale Kontakte. Bei den weiteren Ermittlungen stellt sich heraus, dass sie nicht immer Einzelgänger waren und eine dunkle Vergangenheit aufweisen. Könnte das ein Schlüssel für die Taten sein?

Das ruft das LAPD auf den Plan. Die Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia gehören der Spezialeinheit UV-Unit (Special Victims Unit) des Raub- und Morddezernats beim LAPD an. Sie befassen sich mit außergewöhnlichen Mordfällen. Sie sind ein eingespieltes und perfektes Team, was auch ihre Vorgesetzte Captain Blake zu schätzen weiß. Genau genommen, besteht dieses Team nur aus Hunter und Garcia.

Hunter besitzt eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe. Garcia stellt bei Zeugenbefragungen und Verhören von Verdächtigen meistens die Fragen und Hunter hört lediglich zu, um aus den Antworten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Auch in brenzligen oder fast aussichtslosen Situationen legt Carter seinen Protagonisten coole Sprüche und humorvolle Dialoge in den Mund. Das mildert die Grausamkeit zumindest etwas ab. Das hat mir gefallen und beide Detectives waren mir von Anfang an sympathisch.

Zunächst jagen sie einem Phantom hinterher und es fällt schwer, die richtigen Ansätze zu finden. Fragen über Fragen tauchen auf. Warum tötet der Mörder auf diese Weise – ist er traumatisiert? Gibt es noch weitere Opfer, die in dieses Schema passen? Handelt es sich um einen psychopathischen Arzt oder hat er zumindest medizinische Kenntnisse? Sucht er seine Opfer wahllos aus oder nach bestimmten Kriterien? Gibt es etwas in seiner Vergangenheit, das ihn verfolgt und antreibt?

Wie abgrundtief böse muss ein Mensch sein, um solche Taten auszuführen. Aber der Täter ist auch gerissen, sonst würde er die Morde nicht als Suizid tarnen, um unerkannt zu bleiben.

Der Grund, warum er die Morde als Suizide darstellt, ist bei genauerer Betrachtung simpel. Leichen mit offensichtlichen Todesursachen wie z.B. Verkehrsunfällen oder Suiziden wandern in der Obduktionsliste ganz nach unten. Sie genießen keine Priorität, denn die Todesursache steht offensichtlich fest. Und landen sie bei Studierenden der forensischen Fakultät, wird bei der Autopsie meistens nur die vordergründige Todesursache erkannt.


Fazit:

Wie eingangs der Rezension bereits erwähnt, ist die Geschichte an wahre Begebenheiten angelehnt, wenn die Erzählung auch fiktiv ist. Erfahrungen aus seinem forensischen Psychologiestudium lässt Carter gekonnt einfließen.
Der Schreibstil ist flüssig, Cliffhanger an den Kapitelenden halten die Spannung auf einem hohen Niveau. Das Setting ist zu keinem Zeitpunkt langatmig. Man fiebert mit, damit diese abscheulichen Taten endlich aufgeklärt werden und ist auf die Auflösung gespannt.
Die grafische Gestaltung des Covers ähnelt in seiner Aufmachung den meisten anderen Bänden aus dieser Reihe, aber ich kann keine Assoziation zum Inhalt herstellen. Das hat aber nicht meine Bewertung beeinflusst, es ist eine reine Feststellung meinerseits.
Dieses Buch kann ich ohne Übertreibung als Pageturner weiterempfehlen. Deshalb gibt es von mir fünf Sterne.

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Menger, Ivar Leon – Angst

Über den Autor

Ivar Leon Menger, 1973 in Darmstadt geboren, studierte nach dem Abitur Grafikdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (HAWK Fakultät Gestaltung) und entdeckte dabei seine Liebe zum Film.
Nach dem Diplom verdiente Menger sein Geld erst einmal fünf Jahre lang in der internationalen US-Agentur Ted Bates als Werbetexter.
Sein zwölfminütiger Thriller »Geteiltes Leid« mit Florian Lukas in der Hauptrolle wurde im Jahr 2002 auf der Berlinale zum »Besten Kurzfilm Deutschlands« ausgezeichnet.
Nach einem Semester Lehrtätigkeit als Dozent an der TU Darmstadt, zog Menger nach Berlin und wechselte das Erzählmedium von Film zu Hörspiel. Seit nun mehr als 14 Jahren schreibt und entwickelt Ivar Leon Menger über 85 Hörspiele/Hörbücher und führt Regie.
Sein Debütroman »Als das Böse kam« erschien 2022 und im Sommer 2023 folgte sein zweiter Thriller »Angst«.
(Stand: 2023)


Angst

Ausgabe: Paperback mit Klappentext (08/23; 466 S.)


5 / 5 ⭐️
 
Von psychischen und Persönlichkeitsstörungen
 

Ivar Leon Menger kannte ich bisher nicht. »Angst« ist erst sein zweites Buch und ich habe es von einem Bekannten zur Ausleihe bekommen. Mit seiner Empfehlung lag er genau richtig und hat meinen Geschmack voll getroffen.

In diesem Psychothriller geht es um Stalking, aber es ist auch von Psychopathie und Ansätzen von Paranoia die Rede. Dies alles hat der Autor m.E. gut in die Handlung eingebunden.

In dem Buch ist von einer 3er-WG in Berlin die Rede. Hier lebt die junge Schauspielerin Mia, die von einer großen Filmkarriere träumt. Eine Mitbewohnerin ist die ebenfalls junge Yvonne, die sich überwiegend online betätigt, ständig Schulden hat und ihren Mietanteil nicht zahlen kann. Komplettiert wird das Trio von Philipp, einem Assistenzarzt an der Berliner Charité. Erzählt wird überwiegend in der Ich-Form von Mia.

Yvonne verhält sich meistens muffelig und ist mit ihrem Leben offensichtlich nicht ganz zufrieden. Philipp ist ständig darum bemüht, dass es Mia gut geht – was steckt dahinter? Zu diesem Zeitpunkt gibt es so gut wie keine Spannungen zwischen den Dreien.

Das ändert sich ab dem Zeitpunkt, wo Mia eher zufällig bei einem Museumsbesuch Viktor Engel kennenlernt, einen gut situierten Geschäftsmann. Gleich am ersten Abend lädt er sie in ein Edelrestaurant zum Essen ein. Aber Mia hat kein Interesse an ihm und das will Viktor nicht akzeptieren.

Die Ereignisse überschlagen sich fast. Mia wird zum Casting für die Hauptrolle in einem Film eingeladen. Dort lernt sie Alice kennen und freundet sich mit ihr an. Abends treffen sie sich in einem verruchten Etablissement namens »Tür Dreizehn«. Alice bringt David mit, an dem Mia Gefallen findet. Sie will ihn wiedersehen, aber er meldet sich nicht. Ihr Rennrad, mit dem sie zum Treffen gefahren ist, hat einen plattgestochenen Reifen und einen Tag später ist es verschwunden. Viktor ist in der Wohnung der WG bei Yvonne im Zimmer und schenkt ihr eine Menge Geld, angeblich damit sie ihre Schulden begleichen kann. Dies ist nur ein Auszug von Ereignissen, den man noch erweitern könnte. Aber ich möchte nichts verraten.

Immer wieder taucht Viktor im Leben von Mia auf, dem sie nicht traut und den sie auch nicht mehr sehen will. Philipp beruhigt sie immer wieder, denn langsam kommt sie sich paranoid vor.

Das Buch beschreibt nicht nur Stalking in all seinen Facetten. Es geht auch um einen Menschen mit psychopathischen Zügen. Was hat es z.B. mit dem Kapitel 9 »Vor dreizehn Jahren« auf sich, wo sich jemand an dem Töten von Tieren ergötzt. Worauf will der Autor hinaus, was will er uns damit sagen?

Die Lage spitzt sich für Mia immer mehr zu, aber auch Yvonne erleidet Schlimmes. Und Philipp kommt nach seinen Nachtschichten immer in OP-Kleidung nach Hause. Die zieht man doch normalerweise aus, bevor man das Krankenhaus verlässt. Das kommt mir merkwürdig vor.


Fazit:

Das Setting hat mich überzeugt. Gezielt gesetzte Twists hauptsächlich in der Endphase, wo es um die Aufklärung der Ereignisse geht, haben den Spannungsbogen noch einmal eine Stufe nach oben gesetzt.
Menger bedient sich einer detaillierten Schreibweise, ohne dass es langweilig oder überzogen wirkt. Die einzelnen Figuren sind gut charakterisiert.
Die Kapitel sind nicht überlang, was dem Lesefluss zugutekommt. Immer mal wieder werden kurze Abschnitte aus der Vergangenheit eingeblendet. Einem rundum gelungenen Psychothriller gebe ich somit fünf Sterne.