Freitag, 20. Februar 2026

Lawhon, Ariel – Codename Hélène

Über die AutorinAriel Lawhon ist eine gefeierte New York Times-Bestsellerautorin historischer Romane. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und waren in der Auswahl von Library Reads, Indie Next, One Book One County, Costco und Book of the Month.
Sie lebt mit ihrem Ehemann, vier Söhnen, einem schwarzen Labrador und einer verrückten Siamkatze in den sanften Hügeln außerhalb von Nashville, Tennessee. Ariel teilt ihre Zeit zwischen Supermärkten und Baseballfeld auf.


Codename Hélène


Autor: Ariel Lawhon
Titel: Codename Hélène
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 480
Erscheinungsdatum: 21. November 2025
Verlag: Adrian Verlag

Preis: 22,00 € (Gebundenes Buch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Authentizität und Fiktion

Nach ihrem großen Erfolg mit dem auf teilweise wahren Begebenheiten basierenden Roman »Der gefrorene Fluss« hat Ariel Lawhon mit der gebürtigen Neuseeländerin Nancy Wake erneut eine authentische Figur zum Leben erweckt. »Codename Hélène« ist ein fiktiver Roman, der auf wahren Kriegsereignissen des zweiten Weltkrieges basiert. Was man aus Nancys Sicht erfährt, erzählt die Protagonistin in der Ich-Form, sowohl aus dem erzählenden als auch aus dem erlebenden »Ich«.

Harter Job, schlechte Bezahlung

Nancy Wake arbeitet als freie Journalistin für die europäische Niederlassung der Hearst Newspaper Group in Frankreich. Ihre Schwerpunkte sind die Politik, gelegentlich der Sport. Für sie ist es eine Genugtuung, als der amerikanische Sprinter Jesse Owens 1936 bei den olympischen Spielen in Berlin Hitlers beste Läufer düpiert und die Goldmedaille gewinnt. Und sie berichtet auch darüber, als das Luftschiff »Hindenburg« aufsteigt und über die Felder fliegt. Ein Wunderwerk, entweiht durch ein schwarzes Hakenkreuz auf jeder Seite des Schiffsrumpfes.

Als Nancy den reichen französischen Industriellen Henri Fiocca in Marseille kennen- und später lieben lernt, fällt es ihr nicht schwer, ihren Beruf aufzugeben. Ein Job, für den sie hart arbeitet und der schlecht bezahlt wird. Anerkennung bekommt sie ebenfalls nicht. Fiocca ist ein Herzensbrecher und Lebemann, auf den die Frauen fliegen. Er ist von Anfang an fasziniert von der jungen Frau. Als Henri und Nancy 1939 heiraten, ist sie Mitte zwanzig und er dreizehn Jahre älter. Es wird für Henri und Fiocca die Liebe ihres Lebens. Ein Schicksalsschlag in den Wirren des Krieges wird dies alles ändern.

Hitlers Angriff auf die Welt

Im September 1939 überfällt Hitler Polen. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges steht unmittelbar bevor. Hauptgegner des nationalsozialistischen Deutschen Reiches sind Frankreich und das Vereinigte Königreich mit den Commonwealth-Staaten. Frankreich wird 1940 von den Nazis besetzt.

La Souris Blanche

Nancy Wake ist die am meisten gefürchtete Spionin und Fluchthelferin von den Braunhemden während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Während dieser Zeit steigt sie zur höchstdekorierten weiblichen Militärangehörigen auf. Nancy ist eine Nazi-hassende loyale Untertanin der Krone. Sie ist furcht- und empathielos, wenn es die Situation erfordert.

Nancy kann kalt, grausam und empathielos sein, wenn es um die Sache geht, wobei sie keine Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit nimmt. Auf der anderen Seite ist sie die liebende, gefühlsbetonte und einfühlsame Ehefrau, die ihren Ehemann Henri über alles liebt. Diese beiden unterschiedlichen Blickwinkel hat Lawhon sehr gut herausgearbeitet.

Sie hat sich in dieser Zeit verschiedene Identitäten zugelegt, die sie je nach Bedarf benutzt. Für Madame Andrée, oder Mademoiselle Lucienne Suzanne Carlier hat sie die entsprechenden Ausweispapiere. Am gefährlichsten wird es für sie, wenn sie unter dem Namen Carlier als Fluchthelferin unterwegs ist. Zum Ende des Kriegs flieht sie nach England und lässt sich vom britischen Nachrichtendienst Special Operations Executive (SOE) für Spezialeinsätze anwerben und ausbilden. Sie ist als ausgebildete britische Agentin mit dem Decknamen Hélène in Frankreich im Einsatz.

Weil sie sich immer wieder einer Verhaftung entziehen kann, nennt die Gestapo sie »La Souris Blanche« (Die weiße Maus). Auf ihre Ergreifung ist ein Kopfgeld von fünf Millionen Francs ausgesetzt.

Figuren mit Wiedererkennungswert

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Figuren von Nancy Wake und Henri Fiocca authentisch sind. Auch den im Roman erwähnten Obersturmführer Wolff gab es. Er war General der Waffen-SS. Ein gefürchteter Schlächter und zudem Verbindungsoffizier der SS zu Hitler. Das Nancy eine erbitterte Kämpferin für die Résistance gegen die Nazis während des zweiten Weltkrieges war, ist ebenfalls überliefert. Sie wurde als furchtlose Anführerin verehrt und respektiert. Auch ihre damaligen Weggefährten bis auf eine Figur hat es tatsächlich gegeben. Die Geschichte darum ist jedoch der rein fiktiven Erzählung von Ariel Lawhon geschuldet.


Fazit

Ein Roman, der so gewaltig geschrieben ist wie sein Inhalt und dessen Geschehnisse sowohl über Nancys Kampf gegen die Nazis, die Widerstände bei den Franzosen, die Überführung von Flüchtlingen nach Spanien oder die Spionagetätigkeiten für die Briten wiedergeben.
Lawhon versteht es meisterhaft, historische Begebenheiten mit fiktiver Erzählkunst so zu verbinden, dass man darüber nachdenken muss, was ist real und was fiktiv.
Ein kleiner Kritikpunkt sei angebracht. Der Plot ist in fünf Abschnitte unterteilt. Sowohl die fünf Teile als auch die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch aufgebaut, sondern springen zeitlich vor und zurück. Allerdings helfen die Überschreibungen mit Datumsangaben, sich zu orientieren. 
Am Ende des Buches gibt es einige hilfreiche Anmerkungen der Autorin. Viele der Beschreibungen und Ereignisse sind Nancys Autobiografie entnommen. Jedoch legt die Autorin Wert darauf, dass ihr Buch ein fiktionales Werk ist und keine Biografie.
 
Quellenangabe
Schutzumschlag © Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH Berlin, 2025

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