Sonntag, 24. Mai 2026

Moore, Liz – Der Gott des Waldes

Über die Autorin

Liz Moore wurde 1983 in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Sie hat zunächst als Musikerin in New York gearbeitet und anschließend mit dem Schreiben von Romanen begonnen. Im Verlag C.H. Beck erschien ihr Roman »Long Bright River« (2020). »Der Gott des Waldes« war ihr nächster New York-Times Bestseller, erhielt zahlreiche hymnische Besprechungen und stand auf Barack Obamas Lektüreliste. Liz Moore ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.


Der Gott des Waldes


Autorin: Liz Moore
Titel: Der Gott des Waldes
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2025
Seitenzahl: 590
Verlag: Verlag C.H. Beck
Preis: 26,00 € (Taschenbuch); 14,99 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 95/100)

Tolle Landschaft, grauenvolle Familie

Die reiche Familie van Laar lebte einen Traum, den sie in den Adirondack Mountains im US-Bundesstaat New York verwirklichte. Sie errichtete hier das Ferien-Camp Emerson und ein Naturreservat. In dem Ferienlager sollte den Kindern der Umweltschutz nähergebracht werden. Und sie sollten lernen, mit der Natur verantwortungsvoll umzugehen. Innerhalb von zehn Jahren wurde Camp Emerson ein begehrtes Reiseziel für die Kinder wohlhabender Eltern. Jeden Sommer lief das Feriencamp acht Wochen lang.

Als Peter IV. auf die Welt kam, nannten ihn alle »Bear«, weil es bei den van Laars schon so Viele namens Peter gibt. Der kleine Kerl war pummelig und der Flaum auf seinem Kopf erinnertre an den Pelz eines Tierbabys. Für alle war er immer der kleine »Bear« geblieben. Seine Mutter Alice liebte ihn über alles und er war ein Anker in einer Ehe, die für sie von Unterwürfigkeit geprägt war. Für seinen Vater war er mehr oder weniger der Stammhalter. Nach außen hin blieb Alice die taffe Ehefrau des »großen« Peter III. van Laar, der sie demütigte, wo er nur konnte. Außerdem hatte er ein Verhältnis mit einer anderen Frau. Er ist ein grauenvoller Machtmensch.

Wo ist der kleine »Bear«?

Im Alter von acht Jahren brach »Bear« mit seinem Großvater Peter II. zu einer Wanderung in den Wald auf. Weil er sein Taschenmesser vergessen hatte, kehrte er noch einmal ins Camp zurück, um es zu holen. Plötzlich war er verschwunden. Fünf Tag und Nächte waren die Suchtrupps unterwegs – ohne Erfolg. Die van Laars hatten dafür noch nicht einmal ein Wort des Dankes. Es ist tragisch, was der Familie widerfahren ist. Manche sagen, sie haben es verdient.

Eine ungeliebte Tochter

Trotz dem seelischen Schmerz und ihrer zeitweisen Depressionen wurde Alice erneut schwanger – wohl auch, weil es ihr Mann so wollte. Ihre Tochter Barbara war vom Charakter her genau das Gegenteil von »Bear«. Ihr Vater beschrieb sie als unzufriedenes, problembehaftetes Mädchen. Geliebt wurde sie von keinem in der Familie, wohl weil sie immer ihr Ding machte und sich nicht an Regeln halten wollte.

Abgesehen von den Rückblenden vergangener Jahre spielt die Handlung hauptsächlich im August 1975. Ein Sommer, der alles verändern wird. Es ist vierzehn Jahre her, dass der kleine »Bear« verschwunden und nie wieder aufgetaucht ist. Und das gleiche Schicksal droht den van Laars erneut. 

Alice benötigt unbedingt Abstand von ihrer Tochter und hat die Idee, dass Barbara ins Sommercamp einziehen soll. Schon allein das Auftreten von Barbara sorgt für Kopfschütteln. Ihr Äußeres kann man am besten mit dem eines Punks vergleichen. Eines Morgens ist die Dreizehnjährige plötzlich aus dem Camp verschwunden.

Geschlechtsabhängige Klassenunterschiede

Im Haus Self-Reliance (Haus des Vertrauens!?) ist jeder darauf bedacht, dass kein Außenstehender dieses Haus betreten darf. Es wird klar zum Ausdruck gebracht, welch charakter- und empathielose Familie die van Laars sind – mit Ausnahme von Alice. Selbst nach dem Verschwinden von Barbara gewährt man den Ermittlern nur widerwillig Zutritt. Die van Laars und deren Gäste weigern sich sogar nach einer ausgedehnten Partynacht, der Ermittlerin Judy Luptack Fragen zu beantworten, weil sie eine Frau ist. 

Stellvertretend für die Frauen in der amerikanischen Gesellschaft aus dieser Zeit wird die Diskriminierung der Polizistin Judyta (Judy) Luptack sichtbar. Ihr wird in diesem Roman eine tragende Rolle zuteil. Sie lässt sich aber nicht beirren und hat den polizeilichen Spürsinn, um sich in einer von Männern dominierten Umgebung zu behaupten.

Es ist verstörend, wie sich die reiche, gehobene Gesellschaft gegenüber den Personen verhält, die nicht zu dieser Zielgruppe gehören. Einzige Ausnahme ist Alice van Laar, für die man Mitleid und Sympathie empfinden kann. Sehr deutlich treten die sozialen Unterschiede zum Vorschein. Feminismus, Rassismus und Klassenunterschiede sind starke Themen, über die Liz Moore schreibt.

Eine Zeitreise über vierzehn Jahre

Ein Zeitstrahl zu Beginn eines jeden Kapitels weist daraufhin, in welchem Jahr bzw. Monat sich die Handlung gerade bewegt. Die Zeitangaben wechseln häufig zwischen der Vergangenheit von 1961 und der Gegenwart im Jahr 1975. Das erleichtert die Orientierung bei vielen Zeitsprüngen und Perspektivwechseln, was nicht zuletzt die Zuordnung der vielen Haupt- und Nebenfiguren betrifft.

Langsam führt uns die Autorin zu einer lückenlosen Aufklärung hin, die man so nicht unbedingt erwarten konnte. Es gibt verschiedene Theorien und Verdächtige im Laufe der Handlung, die mit dem Verschwinden der Geschwister »Bear« und Barbara in Verbindung gebracht werden.


Fazit

Dieses Buch kann man nicht eindeutig einem bestimmten Genre zuordnen. Die Erzählung einzig an einer Kriminalgeschichte festzumachen, würde dem Roman nicht gerecht werden. Es ist ebenso ein sozialkritischer Roman. 
Die Figurenzeichnung mit Tiefgang kann man als gelungen bezeichnen. Jede einzelne Figur wird in Bezug auf ihren Charakter entweder in ihrer Verletzlichkeit oder in ihrer Arroganz und Unnahbarkeit für den Leser greifbar. Die Anhäufung von Figuren wirkt zuweilen verwirrend.
Die Schreibweise ist präzise und sehr ausführlich, weswegen das Buch letztendlich einen Umfang von 590 Seiten erreicht. Die Handlung ist komplex, wenn auch meiner Meinung nach eine gestrafftere Erzählung für weniger Längen im Text gesorgt hätte.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: Innenseite Schutzumschlag und auszugsweise Wikipedia.de
Rezensionstext: © V. Kaiser

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