Samstag, 18. April 2026

Welsh-Huggins, Andrew – The Mailman

Über den Autor

Andrew Welsh-Huggins ist ein US-amerikanischer Journalist, Herausgeber und Autor, der sich vorrangig mit Verbrechen auseinandersetzt, ob im Journalismus, im Sachbuch oder in seinen Thrillern und Krimis. Sein 2023 erschienener Krimi »The End of the Road« war für das Library Journal der beste Thriller des Jahres und wurde in amerikanischen Genrekreisen gefeiert. Er lebt in Columbos, Ohio.


The Mailman


Autor: Andrew Welsh-Huggins
Titel: The Mailman - Er liefert. Immer.
Genre: Actionthriller
Erscheinungsdatum: 04. März 2026
Seitenzahl: 400
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 18,00 € (Paperback); 15,00 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 81/100)


 

Ein Überfall mit Geiselnahme

Der Plot startet rasant. Während eines häuslichen Streits zwischen den Eheleuten Rachel Stanford und ihrem Mann Glenn Vaugn geht es um Glenns sechszehnjährige Tochter Abby. Plötzlich dringen vier maskierte Männer durch die Hintertür ins Haus ein und nehmen die Bewohner als Geiseln. Der Wortführer Finn und die anderen drei Gangster ziehen die Sturmhauben ab, was nichts Gutes verheißen lässt. Sie drohen mit Gewaltanwendung und wie es scheint, wird es nicht nur bei einer Drohung bleiben.

Die junge Anwältin Rachel Stanford soll ihnen eine Kopie einer eidesstattlichen Aussage ihrer Mandantin Stella Wolford übergeben. Des Weiteren soll sie den Kidnappern den Aufenthaltsort von Stella mitteilen und ihnen beantworten, was es mit den Zahlen 22-7 auf sich hat. Weder Rachel noch Glenn können diese Forderungen erfüllen.

Plötzlich läutet es an der Haustür. Der Kurierfahrer Mercury Carter möchte eine Lieferung an Rachel zustellen und nimmt dabei seinen Job sehr ernst. Er hat bestimmte Vorstellungen von Regeln, von denen er keinen Millimeter abweicht. Das sind schlechte Voraussetzungen. Keinesfalls für Mercury, sondern für die Gangster, was diese am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Kein gewöhnlicher Kurierfahrer

Aus einer anderen Perspektive lernen wir die Hauptfigur Mercury (Merc) Carter näher kennen. Merc war einst ein begabter Baseball-Spieler, bis eine schlimme Verletzung seine Karriere beendete. Ein weiterer Tiefschlag war der Mord an seinem Vater, mit dem er eng verbunden war. Das hat ihn für sein weiteres Leben geprägt. Von seinem äußeren Erscheinungsbild her ist Merc eher klein, hager und schmal gebaut. Er trägt eine Drahtgestellbrille, hat braune Augen und als Kopfbedeckung immer eine Baseballkappe der Rochester Red Wings.

Er macht eine Ausbildung zum Bundesagenten beim United States Postal Inspection Service (USPIS). Da diese Behörde mit Polizeibefugnissen versehen ist, erlernt er während der Ausbildung außergewöhnliche Fähigkeiten, die ihn von einem normalen Kurierfahrer unterscheiden. Einen Mordanschlag überlebt er schwer verletzt und bekommt nach seiner Genesung keine Zulassung mehr, um bei der USPIS weiterzuarbeiten.

Er arbeitet fortan als freiberuflicher Kurierfahrer. Carters Onkel ist die Schaltzentrale. Er nimmt die Aufträge für Merc entgegen und recherchiert für ihn, wenn nötig. Vom Charakter her eher ein Antiheld, nimmt es Merc mit jedem auf, der ihm in die Quere kommt. Er hat ganz eigene Vorstellungen von der Ausführung seiner Aufträge. Er arbeitet entschlossen und zielstrebig nach seinem Mantra »Regeln sind Regeln«, wofür er notfalls auch tötet.

Temporeich und voller Action zu Beginn

Nach einem temporeichen und actiongeladenen Beginn hofft man, dass es so weitergeht. In dieser ersten Phase erinnert man sich gerne an die amerikanischen Schriftsteller Charlie Huston bzw. Don Winslow. Leider hält der Plot nicht, was sein rasanter Einstieg verspricht.

Nachdem die Gangster Rachel entführt haben, beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch halb Amerika. Carter möchte Rachel aus den Fängen der Entführer befreien und er hat immer noch eine Aufgabe zu erfüllen: er soll Rachel eine Lieferung zustellen. Und bei Carter blieb noch nie ein Auftrag unerfüllt. Während der Verfolgungsjagd tauchen immer wieder neue Geheimnisse auf. Das macht den Plot unübersichtlich und langatmig.

Kein herkömmlicher Erzählansatz

Der Thriller hat keine klassische Erzählperspektive, was durchweg positiv zu bewerten ist. Hier jagen keine Detectives oder FBI-Agenten Gangster und bringen sie zur Strecke. Hier sorgt ein einfacher Kurierfahrer als »Einzelkämpfer« dafür, dass keine Straftat unaufgeklärt und ungesühnt bleibt.


Fazit

Das Buch kann man Lesern empfehlen, die nicht so viel Wert auf eine glaubwürdige und realistische Story legen und die sich nicht an der Häufung ständig neu auftauchender Figuren stören. Der Unterhaltungswert wird aber durch markante Sprüche mit Ironie und Wortwitz aufgewertet.
»The Mailman« ist meines Wissens der erste Roman, der in deutscher Sprache von Andrew Welsh-Huggins erschienen ist. 
Im März dieses Jahres ist in den USA der zweite Band mit dem ungewöhnlichen Kurierfahrer Mercury Carter erschienen. Der Band wurde unter dem Titel »The Delivery« veröffentlicht und man kann gespannt sein, ob und wann eine deutsche Ausgabe erscheint.
 
Quellenangaben
Text über den Autor: Klappentext © Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 2026
Rezensionstext: © V. Kaiser; KI-generiertes Foto

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