Über die Autorin
Kristin Hannah wurde am 25. September 1960 in Garden Grove, Südkalifornien geboren. Von 1986 bis 1983 arbeitete sie als Rechtsanwältin in Seattle. Erste literarische Versuche fielen in ihre Studienzeit. 1991 erschien ihr Debütroman »A Handful of Heaven«. Mittlerweile ist sie eine preisgekrönte Bestsellerautorin von über 20 Romanen, darunter der internationale Bestseller »Die Nachtigall«, der 2015 von Goodreads (amerikanische Website für Social Cataloging) zum besten historischen Roman gekürt und im selben Jahr mit dem begehrten Publikumspreis für den besten Roman ausgezeichnet wurde. Das Buch wurde ein Welterfolg.
Sie lebt mit ihrem Sohn und ihrem Mann, einem Filmrechtehändler, auf einer kleinen Insel im Pazifik.
Die Nachtigall
Autorin: Kristin Hannah
Titel: Die Nachtigall
Genre: Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2017
Seitenzahl: 611
Verlag: Aufbau Verlag
Preis: 15,95 € (Geb. Buch über Amazon); 14,00 € (Taschenbuch); 10,99 € (E-Book)
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 97/100)
Zwei unterschiedliche Schwestern
Der Einstieg in die Geschichte ist geschickt gewählt. Im weiteren Verlauf springt die Handlung mehrmals wieder in die Gegenwart im Jahr 1995. Man erfährt dabei weitere Details aus dem bisherigen Leben dieser Person und entwickelt eine gewisse Vorahnung, um wen es sich dabei handelt. Dieses Setting zieht einem sofort in seinen Bann.
Zurück in die Vergangenheit
Nach dem Einstieg folgt ein Zeitsprung zurück in den August 1939 – kein Jahr mehr bis zum Einmarsch der deutschen Truppen in Paris und zur Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht. Vianne ist Lehrerin und lebt mit ihrem Mann Antoine und der achtjährigen gemeinsamen Tochter Sophie glücklich in einem eigenen Haus im Loiretal. Sophie ist ihr Ein und Alles, nachdem Vianne zwei Fehlgeburten hatte und ein kleiner Junge nach einer Woche gestorben ist. Schon früh hat sie ihr Elternhaus verlassen, nachdem die Mutter gestorben war und der alkoholsüchtige Vater sie weggeschickt hat.Antoine bekommt die Einberufung und muss in den Krieg ziehen. Überraschend schnell nehmen die deutschen Soldaten nach einer erfolgreichen Offensive Frankreich ein. Es kommt zur Kapitulation und zu einem Waffenstillstand. Vianne hofft auf eine schnelle Rückkehr von Antoine.
Viannes jüngere Schwester Isabelle ist genau das Gegenteil. Seit mehr als einem Jahrzehnt war sie in verschiedenen Internaten, Mädchenpensionaten und Klosterschulen untergebracht, die sie aber wegen ungebührlichen Verhaltens immer vorzeitig verlassen musste. Sie ist renitent und rebellisch. Der Vater will sie nicht im Haus haben und schickt sie zu Vianne.
Hass auf die Nazis
Nach der deutschen Besatzung ist das Leben für die einheimische Bevölkerung sehr schwer. Es sind überwiegend Frauen, Kinder und Alte, die Männer sind längst in den Krieg gezogen. Die Zurückgebliebenen haben kaum etwas zu essen, da die Deutschen alles einkassieren. Ab dem frühen Abend herrscht eine Ausgangssperre und die Offiziere quartieren sich in die fremden Häuser und Wohnungen ein. Ein deutscher Hauptmann beansprucht eine Unterkunft im Haus von Vianne und Antoine. Isabelle kocht vor Wut und bringt sich und ihre Schwester durch ihre Äußerungen in Gefahr. Sie hasst die Boches (Anm.: Diffamierende französische Bezeichnung für Deutsche).Jede leistet auf ihre Weise WiderstandIsabelle lehnt sich gegen die Belagerung der Deutschen auf und schließt sich einer Widerstandsgruppe an. Sie führt abgeschossene Bomber-Piloten der Alliierten über einen beschwerlichen Gebirgspfad der Pyrenäen von Frankreich nach Spanien, wo sie in Sicherheit sind. Isabelle fährt anschließend mit dem Zug zurück. Diese »Führungen« finden mehrmals in der Woche statt. Isabelle ist jetzt Juliette Gervaise mit dem Decknamen »Nachtigall«. Schon bald sind die Nazis auf der Spur der »Nachtigall«.
Aber auch ihre ältere Schwester Vianne ist willensstark und will ihre Familie beschützen, doch der Preis ist hoch, den sie dafür zahlen muss. Sie will Sophie eine gute Mutter sein. Sophie und der kleine Daniel sollen sich trotz aller Entbehrungen wohl fühlen. Ari (Daniel) hat sie in ihre Obhut genommen, nachdem die Gestapo dessen Mutter und Viannes beste Freundin Rachel verhaftet hat. In der Klosterschule versteckt und betreut sie jüdische Kinder. Sie erträgt ein gehöriges Maß an Leid und muss dabei tatenlos zusehen, wie gute Freunde und Bekannte nach und nach aus ihrem Blickfeld verschwinden.
Es werden die tragischen Erlebnisse der beiden ungleichen Schwestern Vianne und der jüngeren Isabelle detailliert beschrieben. Beide Schwestern sind in ihrem Wesen so unterschiedlich, aber in ihrem Willen sehr stark. Beide kämpfen auf ihre Weise für die Freiheit. Das unermessliche Leid der Franzosen während der Deutschen Besatzung kommt bildgewaltig zum Ausdruck. Die Autorin glänzt neben ihren erzählerischen Fähigkeiten mit einer starken Figurenzeichnung, auch bei den weniger prominenten Figuren. Zudem wird der zweite Weltkrieg aus der Sicht des besetzten Frankreichs perspektivisch aufgearbeitet.
Eine unendlich traurige Geschichte
Zum Ende hin schließt sich der Kreis und man ist wieder in der Gegenwart im Jahr 1995 angekommen. Die alte Frau – von der wir nun wissen, um wen es sich handelt – fliegt gemeinsam mit ihrem Sohn Julien nach Paris. Sie hat eine Einladung zu einem Treffen bekommen. Hier spricht sie über den Krieg und wir erfahren, was aus ihrer Familie und ihren Freunden geworden ist.Fazit
Die Erzählung ist geprägt von Liebe, großem Leid, Hoffnung und Zuversicht, aber auch von Schuld, Vergebung, Verlust und großer Traurigkeit. In einigen Passagen erinnert der Roman etwas an Ariel Lawhon’s »Codename Hélène«, wo ebenfalls das besetzte Frankreich im zweiten Weltkrieg eine tragende Rolle gespielt hat. Es ist ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann, wenn man einmal angefangen hat, es zu lesen.









