Samstag, 18. April 2026

Welsh-Huggins, Andrew – The Mailman

Über den Autor

Andrew Welsh-Huggins ist ein US-amerikanischer Journalist, Herausgeber und Autor, der sich vorrangig mit Verbrechen auseinandersetzt, ob im Journalismus, im Sachbuch oder in seinen Thrillern und Krimis. Sein 2023 erschienener Krimi »The End of the Road« war für das Library Journal der beste Thriller des Jahres und wurde in amerikanischen Genrekreisen gefeiert. Er lebt in Columbos, Ohio.


The Mailman


Autor: Andrew Welsh-Huggins
Titel: The Mailman - Er liefert. Immer.
Genre: Actionthriller
Erscheinungsdatum: 04. März 2026
Seitenzahl: 400
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 18,00 € (Paperback); 15,00 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 81/100)


 

Ein Überfall mit Geiselnahme

Der Plot startet rasant. Während eines häuslichen Streits zwischen den Eheleuten Rachel Stanford und ihrem Mann Glenn Vaugn geht es um Glenns sechszehnjährige Tochter Abby. Plötzlich dringen vier maskierte Männer durch die Hintertür ins Haus ein und nehmen die Bewohner als Geiseln. Der Wortführer Finn und die anderen drei Gangster ziehen die Sturmhauben ab, was nichts Gutes verheißen lässt. Sie drohen mit Gewaltanwendung und wie es scheint, wird es nicht nur bei einer Drohung bleiben.

Die junge Anwältin Rachel Stanford soll ihnen eine Kopie einer eidesstattlichen Aussage ihrer Mandantin Stella Wolford übergeben. Des Weiteren soll sie den Kidnappern den Aufenthaltsort von Stella mitteilen und ihnen beantworten, was es mit den Zahlen 22-7 auf sich hat. Weder Rachel noch Glenn können diese Forderungen erfüllen.

Plötzlich läutet es an der Haustür. Der Kurierfahrer Mercury Carter möchte eine Lieferung an Rachel zustellen und nimmt dabei seinen Job sehr ernst. Er hat bestimmte Vorstellungen von Regeln, von denen er keinen Millimeter abweicht. Das sind schlechte Voraussetzungen. Keinesfalls für Mercury, sondern für die Gangster, was diese am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Kein gewöhnlicher Kurierfahrer

Aus einer anderen Perspektive lernen wir die Hauptfigur Mercury (Merc) Carter näher kennen. Merc war einst ein begabter Baseball-Spieler, bis eine schlimme Verletzung seine Karriere beendete. Ein weiterer Tiefschlag war der Mord an seinem Vater, mit dem er eng verbunden war. Das hat ihn für sein weiteres Leben geprägt. Von seinem äußeren Erscheinungsbild her ist Merc eher klein, hager und schmal gebaut. Er trägt eine Drahtgestellbrille, hat braune Augen und als Kopfbedeckung immer eine Baseballkappe der Rochester Red Wings.

Er macht eine Ausbildung zum Bundesagenten beim United States Postal Inspection Service (USPIS). Da diese Behörde mit Polizeibefugnissen versehen ist, erlernt er während der Ausbildung außergewöhnliche Fähigkeiten, die ihn von einem normalen Kurierfahrer unterscheiden. Einen Mordanschlag überlebt er schwer verletzt und bekommt nach seiner Genesung keine Zulassung mehr, um bei der USPIS weiterzuarbeiten.

Er arbeitet fortan als freiberuflicher Kurierfahrer. Carters Onkel ist die Schaltzentrale. Er nimmt die Aufträge für Merc entgegen und recherchiert für ihn, wenn nötig. Vom Charakter her eher ein Antiheld, nimmt es Merc mit jedem auf, der ihm in die Quere kommt. Er hat ganz eigene Vorstellungen von der Ausführung seiner Aufträge. Er arbeitet entschlossen und zielstrebig nach seinem Mantra »Regeln sind Regeln«, wofür er notfalls auch tötet.

Temporeich und voller Action zu Beginn

Nach einem temporeichen und actiongeladenen Beginn hofft man, dass es so weitergeht. In dieser ersten Phase erinnert man sich gerne an die amerikanischen Schriftsteller Charlie Huston bzw. Don Winslow. Leider hält der Plot nicht, was sein rasanter Einstieg verspricht.

Nachdem die Gangster Rachel entführt haben, beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch halb Amerika. Carter möchte Rachel aus den Fängen der Entführer befreien und er hat immer noch eine Aufgabe zu erfüllen: er soll Rachel eine Lieferung zustellen. Und bei Carter blieb noch nie ein Auftrag unerfüllt. Während der Verfolgungsjagd tauchen immer wieder neue Geheimnisse auf. Das macht den Plot unübersichtlich und langatmig.

Kein herkömmlicher Erzählansatz

Der Thriller hat keine klassische Erzählperspektive, was durchweg positiv zu bewerten ist. Hier jagen keine Detectives oder FBI-Agenten Gangster und bringen sie zur Strecke. Hier sorgt ein einfacher Kurierfahrer als »Einzelkämpfer« dafür, dass keine Straftat unaufgeklärt und ungesühnt bleibt.


Fazit

Das Buch kann man Lesern empfehlen, die nicht so viel Wert auf eine glaubwürdige und realistische Story legen und die sich nicht an der Häufung ständig neu auftauchender Figuren stören. Der Unterhaltungswert wird aber durch markante Sprüche mit Ironie und Wortwitz aufgewertet.
»The Mailman« ist meines Wissens der erste Roman, der in deutscher Sprache von Andrew Welsh-Huggins erschienen ist. 
Im März dieses Jahres ist in den USA der zweite Band mit dem ungewöhnlichen Kurierfahrer Mercury Carter erschienen. Der Band wurde unter dem Titel »The Delivery« veröffentlicht und man kann gespannt sein, ob und wann eine deutsche Ausgabe erscheint.
 
Quellenangaben
Text über den Autor: Klappentext © Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 2026
Rezensionstext: © V. Kaiser; KI-generiertes Foto

Sonntag, 12. April 2026

Fölck, Romy – Fünf Fremde

Über die Autorin

Romy Fölck wurde 1974 in Meißen geboren und lebt heute in der Elbmarsch bei Hamburg. Bevor sie als Schriftstellerin bekannt wurde, studierte sie Jura und arbeitete zehn Jahre unter anderem im Verlagswesen und in der Medienbranche. Diese Erfahrung hat ihr Gespür für Dramaturgie und Erzählstruktur geprägt. Besonders populär ist ihre Elbmarsch-Krimireihe, die in Norddeutschland spielt.
Neben klassischen Krimis schreibt sie auch gefühlvolle Gegenwartsromane, in denen es um Familie, Heimat und Vergangenheit geht.


Fünf Fremde


Autorin: Romy Fölck
Titel: Fünf Fremde: Nur einer kennt das tödliche Geheimnis, das sie alle verbindet
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 02. März 2026
Seitenzahl: 385
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 22,00 € (Gebundenes Buch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️ (Score 70/100)


Thrillerdebüt der Autorin

Die Autorin Romy Fölck hat mit »Fünf Fremde« ihr Thrillerdebüt veröffentlicht. Es spielt auf der Insel Neuwerk im südöstlichen Teil der Helgoländer Bucht bzw. am Südwestrand der Außenelbe. Neuwerk gehört als Stadtteil zu Hamburg. Bekannt wurde Fölck mit der sechsteiligen Krimireihe aus der Elbmarsch mit dem ungleichen Ermittlerduo Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn.

Was geschah damals auf der Insel?

Der Thriller wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Die Autorin arbeitet mit Kapitelüberschriften, die sowohl das Jahr (1995 bzw. 2025) kennzeichnen, als auch die einzelnen Figuren namentlich nennen. Die Protagonisten erzählen aus verschiedenen Perspektiven. Gegenwärtig erfährt man, wie ihr Leben bisher verlaufen ist. Was machen sie beruflich und wie stellt sich ihre private Situation aktuell dar. Bezogen auf die Handlung erzählen sie die Erlebnisse von damals aus ihrer Sicht.

Wir springen zurück ins Jahr 1995, genauer gesagt in den August, auf die Insel Neuwerk. Charlotte Hahnel ist Lehrerin im Landschulheim. Während eines einwöchigen Aufenthaltes von Jugendlichen verschwinden eines Nachts zwei dreizehnjährige Teenager. Drei Tage bleiben Isa und Janosch, die sich in der Obhut von Charlotte befanden, vermisst. Dann taucht Isa plötzlich wieder auf. Sie verrät aber nicht, was mit ihr und Janosch in der Zwischenzeit geschehen ist.

Als alle bereits abgereist sind, bleibt Charlotte als Einzige zurück. Sie hofft darauf, dass auch Janosch wieder auftaucht, was aber nicht geschieht. Sie gibt den Lehrerberuf auf und tritt in ein Kloster ein. Als Nonne findet sie durch Gebete wieder zu sich selbst.

Ein Sprung in die Gegenwart

Der Thriller erfährt seine Fortsetzung 30 Jahre später im Jahr 2025. Im Oktober des gleichen Jahres ist die MS Flipper trotz stürmischer See auf dem Weg zur Insel Neuwerk. Es befinden sich u.a. vier Passagiere an Bord, die etwas gemeinsam haben. Sie alle befanden sich damals auf der Insel, als die beiden Jugendlichen verschwanden. Schnell wird klar, dass sie nicht grundlos den Weg in die Vergangenheit antreten. Je weiter man in der Erzählung vordringt, desto klarer wird ersichtlich, dass die heute Mitte Vierzigjährigen etwas zu verbergen haben.

Es gibt Hinweise darauf, die vermuten lassen, dass die Geschehnisse von damals nicht ans Licht kommen sollen. Es gibt jemanden, der Antworten auf diese Fragen liefern kann. Ein bisher unentdecktes Skelett auf dem Friedhof der Namenlosen und das Verschwinden einer Vogelwartin sorgen für weitere Ungereimtheiten. Es offenbart sich ein Racheplan, der bis ins kleinste Detail vorbereitet ist. Aber warum das alles erst nach dreißig Jahren? Das ist nicht schlüssig.

Aus der Perspektive von Isabell (Isa) Büchner, die damals verschwunden war und später wieder aufgetaucht ist, erfährt man nach und nach, was vor dreißig Jahren wirklich geschah. Es kommt immer wieder zu inhaltlichen bzw. textlichen Dopplungen, über die man aber großzügig hinwegsehen kann.

Hohes Tempo, mäßige Spannung

Passend zum Wetter stellt sich eine düstere Atmosphäre dar. Die Handlung ist temporeich, die Spannung mäßig. Ausschlaggebend ist hierfür, dass sich sämtliche Gefahrensituationen schnell wieder auflösen und der des Öfteren angekündigte Orkan sich lediglich als starker Sturm ohne nennenswerte Schäden entpuppt und einige Personen halten sich während des Sturms trotzdem im Freien auf. Das Geschehen fokussiert sich auf die Zeit von vor dreißig Jahren und deren Aufarbeitung in der Gegenwart.

Es gibt Dinge, die nicht zusammenpassen. Es ist nicht von Anfang klar, um welche fünf Personen es sich in Anlehnung an den Titel »Fünf Fremde« handeln soll. Es bleibt auch rätselhaft, warum das Buch diesen Titel trägt, denn mindestens drei Personen kennen sich aus der Vergangenheit. Eine Person ist u.a. auf der Fähre, die vor dreißig Jahren keinen unmittelbaren Bezug zu der Gruppe hatte und nicht auf Neuwerk war. Im Plot geht es auch um eine Person, die angeblich schwer krank war und nicht mehr lebt. Plötzlich taucht diese totgeglaubte Person wieder lebend auf.


Fazit

Fölck kann mit einem flüssigen und geradlinigen Schreibstil punkten. Ein solide geschriebener Thriller mit einem Ende, der nicht zum vorherigen Setting passt. 
Die Atmosphäre auf einem abgegrenzten Raum wurde gut eingefangen, ebenso die besonderen Lebensumstände auf einer Insel.
Die Auflösung ist eine Aneinanderreihung von spannungsgeladenen und konstruierten Ereignissen, die in dieser Menge betrachtet unglaubwürdig erscheinen. Obwohl der Thriller rein fiktiv ist, erwartet man als Leser eine Handlung, die man nachvollziehen kann. Das ist hier m.E. aber nicht der Fall.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: Klappentext © Bastei Lübbe Köln, 2026
Rezensionstext: © V. Kaiser

Samstag, 28. März 2026

Hannah, Kristin – Fly Girl

Über die Autorin

Kristin Hannah, geboren 1960 in Südkalifornien, arbeitete als Anwältin, bevor sie zu schreiben begann. Sie ist eine preisgekrönte Bestsellerautorin von über 20 Romanen, darunter der internationale Bestseller »Die Nachtigall«, der 2015 von Goodreads zum besten historischen Roman gekürt und im selben Jahr mit dem begehrten Publikumspreis für den besten Roman ausgezeichnet wurde. Das Buch wurde ein Welterfolg. Heute ist sie eine der erfolgreichsten Autorinnen der USA und lebt mit ihrem Mann im Pazifischen Nordwesten der USA.


Fly Girl


Autorin: Kristin Hannah
Titel: Fly Girl: Die Liebe eines Lebens
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 11. Februar 2026
Seitenzahl: 544
Verlag: atb Aufbau Verlage
Preis: 14,00 € (Taschenbuch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Erinnerungen an den Golfkrieg

Der Roman »Fly Girl« ist in Anlehnung an den Golfkrieg im Irak (20.03.2003 – 01.05.2003) geschrieben. Die »Operation Iraqi Freedom« war eine Militäroperation der USA und dem Vereinigten Königreich sowie einigen verbündeten Ländern. Bei dem Roman handelt es sich um eine Neuauflage von dem Buch »Zwischen uns das Meer« aus dem Jahr 2013.

Der Beginn einer großen Liebe

In dieser Geschichte geht es in erster Linie um Jolene Larsen. Wir lernen sie 1982 kennen, da ist sie siebzehn Jahre alt. Sie ist in einer Familie mit alkoholkranken Eltern aufgewachsen. Nachdem diese bei einem Autounfall ums Leben kommen, sucht Jolene Hilfe in einer Rechtsberatungsstelle, da sie in der kurzen Zeit bis zur Volljährigkeit nicht in ein Heim oder zu Pflegeeltern möchte. Sie begegnet zum ersten Mal Michael Zarkades. Der hilft ihr, damit sie bis zur Volljährigkeit in ihrem Elternhaus weiter wohnen kann.

Jolene geht zur Army. Dort findet sie ihre Berufung und zu sich selbst. Sie lässt sich zur Hubschrauberpilotin ausbilden. Beim Fliegen entdeckt sie ihre Leidenschaft. Während ihrer Ausbildung lernt sie Tami Flynn kennen und freundet sich mit ihr an. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Frauen.

Sechs Jahre später treffen sich Michael und Jolene wieder. Sie verlieben sich ineinander und es sollte die Liebe ihres Lebens werden. Sie bekommen zwei wunderbare Mädchen. Betsy ist inzwischen zwölf Jahre alt und in einer frühpubertären Phase, was den Umgang nicht immer einfach macht. Die vierjährige Lulu ist nicht minder anstrengend. Sie ist ein kleiner Wirbelwind.

Eine Ehe am Scheideweg

Michael und Jolene leben sich mit der Zeit auseinander. Er zieht sich immer mehr zurück in seine Arbeit und vernachlässigt dabei seine Frau und die beiden Töchter. Michael stellt das Pflichtbewusstsein in seinem Job als Strafverteidiger über das Wohl seiner Familie. Außerdem fühlt er sich eingeengt von Jolenes Regeln und Vorschriften. Ihre »Stärke« bewirkt in ihm ein ungutes Gefühl. Alles bestimmt sie in der Familie – zumindest sieht es Michael so. Als er Jolenes einundvierzigsten Geburtstag vergisst und kurz darauf trotz Versprechen einer Leichtathletikveranstaltung seiner Tochter Betsy fernbleibt, gerät das Fass zum Überlaufen. In einem heftigen Streit fallen die Worte »Ich liebe dich nicht mehr«. Fünf Worte, die Michael später noch zutiefst bereuen wird.

Die Einberufung

Jolene und Tami bekommen eine Einberufung in den Irak. Es wird deutlich, wie unterschiedlich es in den beiden Familien aufgenommen wird. Die beiden Frauen sind bereit, ihrem Land zu dienen. Michael ist ungehalten darüber, dass seine Frau in den Krieg zieht und die Mädchen sind erschrocken. Tamis Mann Carl weint, versteht aber den Entschluss von Tami. Deren gemeinsamer Sohn Seth wirkt eher in sich gekehrt.

Schon in der ersten Woche nach Jolenes Abflug wird klar, dass Michael den Anforderungen nicht gewachsen ist. Er hat Angst, seinen Alltag nicht bewältigen zu können. Wie soll er eine Kanzlei mit sechszehn Angestellten leiten, seine Klienten verteidigen und sein Zuhause mit zwei minderjährigen Mädchen managen (Fahrdienst zur Schule, Ausflüge, Mahlzeiten, Wäsche, Hausaufgaben etc.). Lediglich die Unterstützung von Michaels Mutter Mila kann das Schlimmste verhindern.

In einem Strafprozess übernimmt Michael die Verteidigung eines Klienten, der als Soldat im Irakkrieg zum Einsatz kam und schwer traumatisiert zurückkehrt. Der Mann leidet seitdem an PTBS und hat infolge seiner Belastungsstörung seine Frau erschossen. Hier hat Kirstin Hannah eine wunderbare Parallele beschrieben von den Folgen aus dem Irakkrieg für Michaels Klient und der Gefahr, in die sich Jolene durch ihren Einsatz begibt. Michaels Sorge um seine Frau wächst.

Die Rückkehr

Von dem Tag an, als Jolene damals Michaels Büro betrat, hatte er in ihr eine starke Frau mit eisernem Willen gesehen. Als sie aus dem Irak zurückkehrt, sieht er ihre Verletzlichkeit. Und erst jetzt wird ihm bewusst, dass er kurz davor ist, die Liebe seines Lebens zu verlieren, und er will ihr beistehen. Doch Jolene will ihn nie mehr sehen – zu tief sitzt der Schmerz.

Man kann diese tragische Geschichte in drei große Abschnitte einteilen. Im ersten Abschnitt erleben wir die Familie Zarkades in ihrem privaten Umfeld. Daran schließen sich die Kriegsereignisse aus Sicht der Hubschrauberpilotinnen Jolene, Tami und ihrer Crew an. Diese beiden Abschnitte gehen nahtlos ineinander über. Der letzte Abschnitt handelt von der Rückkehr nach Jolenes Kriegseinsatz und der Aufarbeitung der Ereignisse. Wird Jolene wieder in ihr altes Leben zurückkehren können? Werden Jolene und Michael wieder zueinander finden? Kann Jolene wieder die Mutter für ihre Mädchen sein wie vor ihrem Kriegseinsatz? Um diese zentralen Fragen geht es in dem dritten Abschnitt. Der Umbruch kam mir zu plötzlich und deshalb hat mich das Ende etwas nachdenklich zurückgelassen.


Fazit

Die Autorin überzeugt mit einem eindrucksvollen Erzählstil. Sehr detailliert und präzise wird das Leben einer Familie erzählt, bei der sich durch den Krieg alles verändert. Die Figuren von Jolene und Michael sind durch eine emotionale Tiefe gekennzeichnet. Auch die beiden Töchter Betsy und Lulu leiden unter dem Verhalten ihrer Eltern, was sehr deutlich zum Ausdruck kommt.
Kirstin Hannah konzentriert sich nicht auf Details im Kriegsgeschehen. Kriegshandlungen werden lediglich am Rand gestreift. Eins ist jedoch klar: Niemand soll denken, dass Soldatinnen und Soldaten unbeschadet aus solch einem Krieg nach Hause zurückkehren. Das physische und noch mehr das psychische Leid ist immens.
»Fly Girl« ist ein aufwendig recherchierter Roman, bei dem es sich lohnt, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Begriffe wie Liebe, Verantwortung, Angst, Trauer, Pflicht sowie Versagen stehen in krassem Widerspruch zueinander und sind doch so eng miteinander verbunden.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: https://kristinhannah.com; www.amazon.de
Rezensionstext: © V. Kaiser

Freitag, 20. März 2026

Poznanski, Ursula – Das Signal

Über die Autorin

Ursula Poznanski wurde im Oktober 1968 in Wien geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Die ehemalige Medizinjournalistin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen deutscher Sprache. Für ihren Thriller »Erebos« erhielt sie 2011 den deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. Mit ihren Jugendbüchern und Thrillern für Erwachsene ist sie Jahr für Jahr ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Ihre begeisterte Leserschaft hat ihr zu einer deutschen Gesamtauflageauflage von bereits über fünf Millionen Exemplaren verholfen.


Das Signal


Autorin: Ursula Poznanski
Titel: Das Signal
Genre: Psychothriller
Erscheinungsdatum: 02. Februar 2026
Seitenzahl: 400
Verlag: Droemer Knaur
Preis: 24,00 € (Gebundenes Buch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5


 

Ein Unfall und die Folgen

Viola und Adam Decker sind seit sechs Jahren verheiratet. Die Ehe ist kinderlos. Sie ziehen in ein renovierungsbedürftiges Haus in einer abgelegenen Gegend. Man weiß nicht, ob die Ehe glücklich ist, man kann es zu diesem Zeitpunkt nur vermuten. Ein einschneidendes Ereignis bringt eine dramatische Wendung. Viola steigt in einen zweihundert Jahre alten Weinkeller hinunter, und plötzlich stürzt ein Teil der Decke über ihr ein. Mit Glück überlebt sie den Unfall, verliert dabei aber zwei Drittel des linken Beins. Was sie in dem Keller wollte, bleibt im Ungewissen. 

Wenn man zwischen den Zeilen genau liest, erfährt man, dass Viola irgendein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herumträgt. Trotzdem kommt es lange nicht klar zum Ausdruck, was hinter der Geschichte steckt. Menschliche Abgründe treten dabei zum Vorschein.

In diesem Buch geht es in erster Linie um Viola, die die Geschehnisse aus ihrer Sicht erzählt. Diesen Psychothriller kann man dem Subgenre Domestic Noir zuordnen. Ort der Handlung ist überwiegend das Haus 
der Deckers.

Merkwürdiges Verhalten

Nach ihrem Krankenhausaufenthalt ignoriert Adam alle Wünsche von Viola, die unbedingt ihre Mobilität wieder gewinnen will. Er stellt eine Pflegerin ein, ohne das mit ihr abzusprechen. Otilia lässt Viola praktisch nicht aus den Augen, damit sie nichts eigenständig unternehmen kann. Der Rollstuhl ist Violas Gefängnis. Ihre Krücken sind plötzlich verschwunden. Adam möchte auch nicht, dass Viola Kontakt mit Physiotherapeutinnen und Orthopädietechnikerinnen für eine Prothese aufnimmt.

Er hat keine Eile, die Renovierungsarbeiten im Haus voranzutreiben. U.a. fehlt ein Treppengeländer, so dass es Viola unmöglich ist, in den ersten Stock zu gelangen. Man wird das Gefühl nicht los, dass Adams Besorgnis um das Wohlergehen seiner Frau aufgesetzt ist und dass er es nicht ehrlich meint.

Eine Behinderung und ihre Folgen

Wie kann sich ein Unfall in Verbindung mit dem Verlust eines Körperteils auf die Psyche eines Menschen auswirken? Die Mobilität ist eingeschränkt, und plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher war. Das wird bei Viola sehr deutlich. Sie will unbedingt zurück in ihre Selbstständigkeit. Sie misstraut allen Personen in ihrer unmittelbaren Nähe. In erster Linie ihrem Ehemann und ihrer Pflegerin Otilia. Sie liebt Adam nach wie vor und wünscht sich, dass alles wieder so wird wie vor ihrem Unfall. Mit fortschreitender Dauer verliert sie aber immer mehr die Hoffnung.

Ein Thriller am Puls der Zeit

Der Thriller beschäftigt sich mit aktuellen Themen wie Online-Technik und Kryptowährung. Viola bestellt Mini-Tracker im Internet. Diese Tracker spielen ebenso eine zentrale Rolle wie das digitale Tauschmittel.

Es verschwinden immer wieder Dinge aus Violas Reichweite. Aber sie möchte nicht nur diese Dinge tracken, sie will auch ihren Mann und die Pflegerin kontrollieren. Ihrem Mann Adam traut sie schon lange nicht mehr und findet anhand des Trackings heraus, dass er sie belügt. Die heimliche Ortung von Ehepartnern per Tracker ist in der Regel nicht erlaubt und kann zu rechtlichen Konsequenzen führen. Ob sich Viola dessen bewusst ist? Sie begegnet Romy und Marit, einst ihre besten Freundinnen, nicht mehr ohne Vorbehalte. Sie trackt Marit ebenfalls, da sie das Gefühl hat, dass diese ein Verhältnis mit Adam hat.

Ein Setting, das nicht immer überzeugt

Das Setting konnte mich nicht ganz überzeugen. Wir springen nach über zwei Dritteln aus der Gegenwart zurück ins Jahr 2016, um etwas Entscheidendes über Violas Vergangenheit zu erfahren. Man hätte den Aufbau besser strukturieren und in zwei Zeitebenen aufteilen können. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, die Geschehnisse aus dem Jahr 2016 als Prolog an den Anfang der Geschichte zu setzen.


Fazit

Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge geschrieben und gehen ohne Cliffhanger ineinander über. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass man fast immer in der gleichen Zeitebene bleibt, wobei Hinweise aus der Vergangenheit bis auf eine Ausnahme in die Gegenwart eingeflochten werden.
Abgesehen von dem Ende ist es eher ein ruhiger, aber durchaus lesenswerter Psychothriller. Vor der Aufklärung zieht die Spannungskurve an und man wird das Gefühl nicht los, dass Poznanski die Lösung schnell und kompakt herüberbringen will. Das Ende konnte man so nicht unbedingt erwarten. Man stellt sich die Frage, wer ist hier Opfer und wer der Täter? Einiges wirkt in dem Plog auf mich konstruiert.
Die Einschränkungen einer Person mit Behinderung verbunden mit der schrittweisen Rückkehr in ein halbwegs normales Leben werden hier ausführlich und nachvollziehbar beschrieben. Für Leser, die Domestic Noir lieben, ist dieses Buch zu empfehlen.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: Klappentext Paperback © 2026 Goldmann Verlag; de.wikipedia.org
Rezensionstext: © V. Kaiser

Donnerstag, 12. März 2026

Cavanagh, Steve – Kill for Me

Über den Autor

Der ehemalige Anwalt ist in Belfast, Nordirland, geboren und aufgewachsen, wo er auch heute noch lebt. Er arbeitete als Tellerwäscher, Türsteher, für einen Sicherheitsdienst und als Call-Center-Agent, bevor er einen Job bei einer großen Anwaltskanzlei in Belfast ergatterte. In seiner irischen Heimat machte sich Steve Cavanagh als erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt einen Namen und war in zahlreiche prominente Fälle involviert.
Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf seine Arbeit als Autor. Cavanagh ist der millionenfach verkaufte Bestsellerautor der Eddie-Flynn-Romane und seiner Thriller. 2018 wurde sein Roman »The Liar« mit dem Gold Dagger der Crime Writers Association als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. 2019 gewann »Thirteen« den Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award. Alle seine Romane wurden international für Preise nominiert oder ausgezeichnet.


Kill for Me


Autor: Steve Cavanagh
Titel: Kill for Me
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 18. Februar 2026
Seitenzahl: 512
Verlag: Goldmann Verlag
Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Steve Cavanagh ohne Eddie Flynn

Insgesamt sieben Mal hat Steve Cavanagh seinen Strafverteidiger Eddie Flynn Prozesse am Gericht führen lassen. In dieser Zeit ist eine Symbiose zwischen Autor und Romanfigur entstanden. Umso mehr erstaunt es, dass er sich von seiner Romanfigur verabschiedet hat. Für immer? – das weiß man zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Mit »Kill for Me« hat Cavanagh jetzt den ersten Stand Alone geschrieben und der entpuppt sich schnell als wahrhaftig harter Thriller.

Ein innerer Konflikt

In der Geschichte geht es in erster Linie um Amanda White. Cavanagh nimmt sich anfangs viel Zeit, um diese Person in die Handlung einzuführen. Amanda hat vor sechs Monaten ihre sechsjährige Tochter Jess verloren, eine Woche später hat ihr Mann Luis Suizid begangen. Der mutmaßliche Mörder Wallace Crone der kleinen Jess wurde festgenommen, aber die Justiz ist nicht in der Lage, ihn zu verurteilen. Der Vater von Crone ist ein einflussreicher Machtmensch in New York.

Amanda ist eine ambivalente Persönlichkeit. Sie will sich an dem Mann rächen, der ihre Familie zerstört hat und besorgt sich eine Schusswaffe. Ein geplanter Anschlag geht schief. Sie wird verhaftet und zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Sie muss sich unter Auflagen des Gerichts einer Selbsthilfegruppe für Traumaopfer anschließen.

Ein perfider Gedanke

In der Therapiegruppe lernt sie Wendy kennen. Deren fünfzehnjährige Tochter Rebecca wurde von ihrem Musiklehrer vergewaltigt und erdrosselt. Nach den Gruppensitzungen treffen sich die beiden des Öfteren privat und schließen einen mörderischen Pakt. Amanda soll Rebeccas Mörder töten und im Gegenzug wird Wendy den Mann beseitigen, der Amandas kleine Jess auf dem Gewissen hat. 

Die Idee eines sogenannten Mördertauschs ist nachvollziehbar. Es gibt kein Mordmotiv, keine Verbindung zwischen Täterin und Opfer und somit auch keinen Verdacht. Der Thriller wird dominiert von Trauer, Wut und Ohnmacht. Der Wunsch nach Vergeltung ist nachvollziehbar, wenn man ihn auch nicht gutheißen kann.

Keine Verbindung erkennbar

In einem zweiten Handlungsstrang lernen wie Ruth Gelman und ihren Mann Scott kennen. Ruth wurde zu Hause überfallen und von einem Täter mit einem Messer übel zugerichtet. Den Angriff überlebt sie schwerverletzt, was einen längeren Klinikaufenthalt erforderlich macht. Es ist kein Motiv erkennbar und man wird erfahren, dass der Herzstillstand eines Mannes in der unmittelbaren Nachbarschaft ihr sehr wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Durch die Sirenen des Krankenwagens hat sich der Täter wohl gestört gefühlt. Ruth leidet fortan an paranoiden Halluzinationen. Deshalb wird sie vorübergehend in eine psychiatrische Klinik zur stationären Behandlung eingewiesen. Auch Scott wird im weiteren Verlauf noch eine wichtige Rolle spielen, denn Ruth will ihren Mann in ihrem Wahn zu einem Mord anstiften. 

Die Jagd nach einem Serienmörder

Eine weitere Perspektive, die die Ermittlungsarbeit der Detectives Farrow und seiner Kollegin Hernandez vom NYPD näher beleuchten, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Dynamik. Die Beiden sind auf der Suche nach einem Serienmörder. Auch Amanda gerät dabei in den Fokus der Ermittler.

Die Figuren und deren Beziehungen zueinander beschreibt der Autor aus verschiedenen Blickwinkeln. Es ist beklemmend zu erfahren, dass jemand seine liebsten Menschen verloren hat. Man kann die Wut der Betroffenen darüber verstehen, dass die Justiz versagt hat und das Gefühl allein gelassen zu werden, zurückbleibt.


Fazit

Parallelen zu dem Roman »Zwei Fremde im Zug« von Patricia Highsmith und der Verfilmung von Alfred Hitchcock sind unverkennbar. Zwei Fremde schließen während einer Zugfahrt ein mörderisches Komplott. Der eine wird zum Komplizen des anderen.
Der Plot ist unheimlich clever aufgebaut und voller unvorhersehbarer Wendungen. Was Cavanagh sich hier ausgedacht hat, ist unglaublich und in einem hohen Maß verwirrend und verstörend zugleich. Ganz langsam laufen die losen Fäden zusammen und die Handlung nimmt dabei ständig an Spannung zu. Das Ende ist gleichermaßen überraschend wie unvorhersehbar.
Es gibt nicht viele Bücher, die beim Lesen eine regelrechte Sogwirkung erzeugen. »Kill for Me« gehört definitiv dazu. Ein wahrer Pageturner und daher eine klare Leseempfehlung für alle Thrillerfans.
 
Quellenangaben
Text über den Autor:
Klappentext Paperback © 2026 Goldmann Verlag;
stevecavanaghauthor.com

 

Montag, 2. März 2026

McFadden, Freida – Der Freund

Über die Autorin

Freida McFadden wurde am 01. Mai 1980 in New York City geboren und wuchs auch dort auf. Der Name ist ein Pseudonym. Sie ist vor allem für ihre Psychothriller bekannt, darunter der internationale Bestseller »Wenn sie wüsste«. Sie absolvierte ihr Grundstudium an der Harvard University und studierte dann Medizin. Sie praktiziert als Ärztin mit Spezialisierung auf Hirnverletzungen.
Ihre schriftstellerische Laufbahn begann McFadden 2013. Viele ihrer Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt und erreichten Spitzenplätze auf internationalen Bestsellerlisten. 
McFadden lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Boston.


Der Freund


Autorin: Freida McFadden (Pseudonym)
Titel: Der Freund
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2025
Verlag: Heyne Verlag

Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Hohe Naivität

Sydney, Bonnie und Gretchen sind drei Freundinnen, die in ihrem Bestreben auf der Jagd nach dem richtigen Mann unermüdlich sind. Sydney und Bonnie sind ständig darauf aus, einen Mann kennenzulernen und lassen dabei jede Vorsicht außer Acht. Gretchen hat offensichtlich den richtigen Mann bereits gefunden. Alle drei erwecken nicht gerade den intelligentesten Eindruck. Red Flags werden ignoriert oder gar nicht als solche erkannt. Plötzlich ist eine von den drei Freundinnen nicht mehr am Leben.

Partnersuche per Dating-Portal

Sydney sehnt sich schon lange nach einer festen Beziehung. Eine Dating-App soll sie schneller an ihr Ziel bringen. Bonnie wohnt im selben Haus, benutzt die gleiche Dating-App und bezeichnet diese als Lotterie. Mindestens sieben Dates pro Woche nimmt sie wahr. Sie hatte kürzlich eine Verabredung mit einem Arzt und ist hin und weg. Diese Bekanntschaft wird nicht ohne Folgen bleiben.

Sydney lernt einen Mann über die Dating-App kennen und schon bald kommt es zur ersten Kontaktaufnahme mit einem Kevin. Da er laut Foto und Beschreibung genau ihren Vorstellungen entspricht, vereinbaren die beiden ein Treffen in einem Restaurant. Sofort macht sich bei Sydney Enttäuschung breit. Das Foto hat überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Typ, der vor ihr steht. Der versucht alles schön zu reden, benimmt sich merkwürdig, besudelt sich beim Essen und lässt Sydney am Ende die Rechnung bezahlen.

Beim Gehen wird er anzüglich und will Sydney begrapschen. Sie gibt ihm klar zu verstehen, dass sie nicht an weiteren Treffen interessiert ist. Aus dem Dunkeln erscheint ein Mann, der ihr seine Hilfe anbietet. Aber Kevin lässt nicht locker. Er entpuppt sich als Stalker und erscheint immer wieder auf der Bildfläche. Der Unbekannte hingegen erscheint ihr so sympathisch, dass sie ihn gern näher kennenlernen möchte. Sie trifft sich mit ihm, aber irgendetwas scheint mit diesem Tom nicht zu stimmen, und Sydney fühlt sich in seiner Nähe unwohl.

Der Plot wechselt zwischen Gegenwart (Sydney) und Vergangenheit (Tom) mit zwei Zeitebenen. Die Erzählung nimmt Fahrt auf, falsche Fährten werden gelegt. Man hat eine Ahnung davon, dass die beiden Stränge irgendwann zusammenlaufen werden, aber man weiß nicht wie.

Ist Tom ein Soziopath?

In Rückblenden lernen wir Tom in einem separaten Handlungsstrang kennen. Man erfährt, dass er einen gewalttätigen Vater hat, der ständig betrunken ist und seine Frau schlägt. Toms Mutter nimmt dies widerstandslos hin, aber Tom überlegt, wie er dem ein Ende setzen kann.

Tom erzählt aus seiner Sicht, wie Treffen mit Daisy verlaufen. Die beiden kennen sich schon seit der gemeinsamen Schulzeit. Er wirkt schüchtern und weiß zunächst nicht, wie er sich Daisy nähern soll, obwohl die es mit ihrem Verhalten ihm leicht macht. In seiner Fantasie denkt er darüber nach, was er mit Daisy gerne machen möchte, und das sind nicht ausschließlich gute Gedanken.

Freunde seit der Schulzeit

Tom und Slug kennen sich schon seit der gemeinsamen Highschool Zeit. Beide muss man als Außenseiter der Gesellschaft bezeichnen, deren Vorlieben zu extremem Verhalten führen. Der Eine (Tom) sieht gut aus, ist klug und kann sehr charmant sein. Er möchte in der Gesellschaft dazugehören und am Leben teilhaben. Er unternimmt alles Mögliche, um sein Ziel zu erreichen. Er versteht es, das Interesse des weiblichen Geschlechts auf sich zu ziehen.

Der Andere (Slug) steht zu dem, was er ist. Er unternimmt keinerlei Anstrengungen, um sich anzupassen. Ab und zu verspeist er Insekten. Er hätte gerne eine Freundin, hat aber bei Mädchen keine Chance. Mit Slug möchte außer Tom niemand etwas zu tun haben. Als Leser tappt man länger darüber im Dunkeln, was die beiden verbindet.

Die Handlungen und Charaktere der Hauptfiguren sind gut beschrieben. Die Nebenfiguren sind dem Plot dienlich, sind aber nicht in der Tiefe ausgearbeitet. Die Autorin streut bewusst verschiedene Spuren auf mögliche Täter, die dann aber ins Leere laufen. Der Plot ist voller Wendungen, die für Verwirrung sorgen. Spannung ist damit gegeben.

Der Inhalt liest sich leicht und flüssig. Die Kapitel sind angenehm kurz und enden oft mit einem Cliffhanger. Die Handlung ist gespickt mit unvorhersehbaren Plot Twists. Man kann Vermutungen darüber anstellen, wer hier schuldig und wer unschuldig ist. Das Ende hält auf jeden Fall einige Überraschungen parat.


Fazit

Freida McFadden hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen als Thrillerautorin mit leicht verständlichem Inhalt ohne psychologischen Tiefgang gemacht. Ihre Bücher haben einen hohen Unterhaltungs- und Wiedererkennungswert. Da kann man über einen inhaltlichen Fehler auch einmal wissentlich hinwegsehen, der m.E. ohnehin zu Lasten eines Lektorats gehen müsste.  
Die meisten Bücher der Autorin sind Stand Alones. Die Cover sind farbig gestaltet, ebenso der Seitenschnitt. Die Titel sind kurz und einprägsam.
Fans von ihr können sich freuen, da bereits drei weitere Ausgaben für 2026 geplant sind.
 
Quellenangabe
Text über die Autorin: Wikipedia