Über den Autor
Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Nach seinem Schulabschluss ging er in die USA und studierte forensische Psychologie im amerikanischen Bundesstaat Michigan. Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums arbeitete er sechs Jahre als Kriminalpsychologe bei der Staatsanwaltschaft. Nach seinem Umzug nach Los Angeles machte er als Gitarrist Karriere und war unter anderem mit Ricky Martin, Shania Twain, Björk und Tom Jones auf Tour. Aktuell wohnt Carter in London, wo er als Vollzeitautor arbeitet.
Du kriegst mich nicht
Autor: Chris Carter
Titel: Du kriegst mich nicht
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2026
Seitenzahl: 464
Verlag: Ullstein Verlag
Preis: 18,00 € (Paperback); 13,99 € (E-Book)
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 96/100)
So kennt man Carter noch nicht
Der Anfang vom Ende
Die Erzählung beginnt rasant mit hohem Tempo. Es geht um einen Fall von häuslicher Gewalt. Der Millionär Nelson Stewart ist angeklagt vor Gericht, seine Frau Samantha misshandelt zu haben. Als die Zeugin Candice Logan vor Gericht aussagt, dass sie ein Verhältnis mit Stewart hatte und der sie mehrmals verprügelt hat, ist die Sachlage klar. Stewart wird zu insgesamt 13 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Nach dem Urteilsspruch rastet er im Gerichtssaal völlig aus und schwört seiner Frau Rache. Er droht damit, dass er sie eines Tages findet, egal wo sie sich aufhält.Nach der Gerichtsverhandlung geht es zunächst in einem langsameren Erzähltempo weiter. Staatsanwalt Oakfield rät Mary zur Scheidung und zu einem Identitätswechsel in Verbindung mit häufigen Aufenthaltsorten. Sie folgt seinem Rat und heißt jetzt Mary Smith. In den nächsten sieben Wochen hält sie sich nacheinander in sechzehn Städten verteilt auf sechs verschiedenen Bundesstaaten auf. Tauchen irgendwelche Probleme auf, meldet sich ihre innere Stimme und hilft ihr, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Ein Trauma aus der Vergangenheit
Man muss die Hintergründe aus der Vergangenheit kennen, um die Geschichte richtig einordnen zu können. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die nach fürchterlichen Verhältnissen und Flucht aus ihrem Elternhaus versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Sie ist traumatisiert durch die sexuellen Übergriffe ihres Stiefvaters. Mit abgrundtiefem Hass auf Männer, obdachlos und hungrig begegnet sie nach ihrer Scheidung einer Gleichaltrigen, die ähnliche Erfahrungen in ihrem Elternhaus gemacht hat. Die beiden irren durch die Straßen von Liverpool und fassen einen gemeinsamen Plan, um an Geld zu gelangen und Rache zu nehmen an Männern. Es ist ein Plan mit Wiederholungseffekt. Dabei ändern sie ständig ihre Identitäten. Zu Beginn heißen sie Mary und Denise.Aber irgendwann geht der Plan nicht mehr auf. Mary lernt den schwerreichen Milliardär Quaddra Buckner kennen. Er ist ganz anders als alle Männer, die ihr zuvor begegnet sind. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen und verliebt sich, was offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruht. Sie möchte ihren aktuellen Wohnort wegen diesem Mann nicht verlassen.
Unerwartete Wendungen
Nach ungefähr der Hälfte des Buches bekommt die Handlung plötzlich eine Wendung, mit der man nicht rechnen konnte. Das lässt das Gerichtsverfahren zu Anfang in einem völlig neuen Licht erscheinen. Das Tempo zieht mit spürbarer Spannung wieder merklich an. Mit genialen Plot-Twists schafft der Autor Übergänge, die man so nicht vorhersehen konnte. Die Entwicklung spitzt sich zu und Carter verzichtet auf ausschweifende Erklärungen.Das Böse lauert überall
Diesen Thriller würde ich in drei Abschnitte unterteilen. Im ersten Abschnitt erfahren wir aus einer Gerichtsverhandlung, in der es um häusliche Gewalt geht. Der folgende Abschnitt beschreibt den Identitätswechsel des Opfers und die damit verbundenen Aktivitäten, die sich zu einem psychologischen Katz-und-Maus-Spiel entwickeln. Im weiteren Verlauf wird man feststellen, dass sich nicht nur Mary eine falsche Identität zugelegt hat. Der letzte Abschnitt ist wohl der interessanteste Teil. Unzählige Wendungen und Spuren bzw. Hinweise, von denen man nicht weiß, ob sie den Tatsachen entsprechen, lassen das Tempo wieder deutlich anziehen. Dabei bleibt es lange Zeit unklar, wer hier Opfer und wer Täter oder Täterin ist.Was wird aus Mary und Quaddra? Mit einer weiteren so nicht vorhersehbaren Wendung erfahren wir mehr darüber. Und wäre das nicht schon meisterhaft genug, was sich Carter hier ausgedacht hat, gelingt ihm mit einem Abstand von zwanzig Jahren nach dem vorausgegangenen Konflikt eine wahrlich grandiose Auflösung zum Ende hin, wenn auch ein Interpretationsspielraum bleibt.
Fazit
Der Autor kann mit einem flüssigen Schreibstil und einem klaren Setting punkten. Carter hält sich nicht mit langatmigen Textpassagen auf, er kommt schnell zum Wesentlichen. Kurze Kapitel sind ein beliebtes Stilelement, um das Interesse am Weiterlesen zu fördern.Meiner Meinung nach kann man den Wechsel von der Hunter-und-Garcia-Reihe zu Carters erstem Stand Alone als äußerst gelungen bezeichnen. Für mich gehört er zu den Autoren, dessen Bücher man »blind« erwerben kann. Von mir gibt es deshalb eine klare Leseempfehlung.
Quellenangaben
Text über den Autor: Wikipedia auszugsweise
Rezensionstext: © V. Kaiser; das KI-generierte Bild zeigt einen Mann und eine Frau in einer Gemäldeausstellung









