Freitag, 20. März 2026

Poznanski, Ursula – Das Signal

Über die Autorin

Ursula Poznanski wurde im Oktober 1968 in Wien geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Die ehemalige Medizinjournalistin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen deutscher Sprache. Für ihren Thriller »Erebos« erhielt sie 2011 den deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury. Mit ihren Jugendbüchern und Thrillern für Erwachsene ist sie Jahr für Jahr ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Ihre begeisterte Leserschaft hat ihr zu einer deutschen Gesamtauflageauflage von bereits über fünf Millionen Exemplaren verholfen.


Das Signal


Autorin: Ursula Poznanski
Titel: Das Signal
Genre: Psychothriller
Erscheinungsdatum: 02. Februar 2026
Seitenzahl: 400
Verlag: Droemer Knaur
Preis: 24,00 € (Gebundenes Buch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5


 

Ein Unfall und die Folgen

Viola und Adam Decker sind seit sechs Jahren verheiratet. Die Ehe ist kinderlos. Sie ziehen in ein renovierungsbedürftiges Haus in einer abgelegenen Gegend. Man weiß nicht, ob die Ehe glücklich ist, man kann es zu diesem Zeitpunkt nur vermuten. Ein einschneidendes Ereignis bringt eine dramatische Wendung. Viola steigt in einen zweihundert Jahre alten Weinkeller hinunter, und plötzlich stürzt ein Teil der Decke über ihr ein. Mit Glück überlebt sie den Unfall, verliert dabei aber zwei Drittel des linken Beins. Was sie in dem Keller wollte, bleibt im Ungewissen. 

Wenn man zwischen den Zeilen genau liest, erfährt man, dass Viola irgendein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herumträgt. Trotzdem kommt es lange nicht klar zum Ausdruck, was hinter der Geschichte steckt. Menschliche Abgründe treten dabei zum Vorschein.

In diesem Buch geht es in erster Linie um Viola, die die Geschehnisse aus ihrer Sicht erzählt. Diesen Psychothriller kann man dem Subgenre Domestic Noir zuordnen. Ort der Handlung ist überwiegend das Haus 
der Deckers.

Merkwürdiges Verhalten

Nach ihrem Krankenhausaufenthalt ignoriert Adam alle Wünsche von Viola, die unbedingt ihre Mobilität wieder gewinnen will. Er stellt eine Pflegerin ein, ohne das mit ihr abzusprechen. Otilia lässt Viola praktisch nicht aus den Augen, damit sie nichts eigenständig unternehmen kann. Der Rollstuhl ist Violas Gefängnis. Ihre Krücken sind plötzlich verschwunden. Adam möchte auch nicht, dass Viola Kontakt mit Physiotherapeutinnen und Orthopädietechnikerinnen für eine Prothese aufnimmt.

Er hat keine Eile, die Renovierungsarbeiten im Haus voranzutreiben. U.a. fehlt ein Treppengeländer, so dass es Viola unmöglich ist, in den ersten Stock zu gelangen. Man wird das Gefühl nicht los, dass Adams Besorgnis um das Wohlergehen seiner Frau aufgesetzt ist und dass er es nicht ehrlich meint.

Eine Behinderung und ihre Folgen

Wie kann sich ein Unfall in Verbindung mit dem Verlust eines Körperteils auf die Psyche eines Menschen auswirken? Die Mobilität ist eingeschränkt, und plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher war. Das wird bei Viola sehr deutlich. Sie will unbedingt zurück in ihre Selbstständigkeit. Sie misstraut allen Personen in ihrer unmittelbaren Nähe. In erster Linie ihrem Ehemann und ihrer Pflegerin Otilia. Sie liebt Adam nach wie vor und wünscht sich, dass alles wieder so wird wie vor ihrem Unfall. Mit fortschreitender Dauer verliert sie aber immer mehr die Hoffnung.

Ein Thriller am Puls der Zeit

Der Thriller beschäftigt sich mit aktuellen Themen wie Online-Technik und Kryptowährung. Viola bestellt Mini-Tracker im Internet. Diese Tracker spielen ebenso eine zentrale Rolle wie das digitale Tauschmittel.

Es verschwinden immer wieder Dinge aus Violas Reichweite. Aber sie möchte nicht nur diese Dinge tracken, sie will auch ihren Mann und die Pflegerin kontrollieren. Ihrem Mann Adam traut sie schon lange nicht mehr und findet anhand des Trackings heraus, dass er sie belügt. Die heimliche Ortung von Ehepartnern per Tracker ist in der Regel nicht erlaubt und kann zu rechtlichen Konsequenzen führen. Ob sich Viola dessen bewusst ist? Sie begegnet Romy und Marit, einst ihre besten Freundinnen, nicht mehr ohne Vorbehalte. Sie trackt Marit ebenfalls, da sie das Gefühl hat, dass diese ein Verhältnis mit Adam hat.

Ein Setting, das nicht immer überzeugt

Das Setting konnte mich nicht ganz überzeugen. Wir springen nach über zwei Dritteln aus der Gegenwart zurück ins Jahr 2016, um etwas Entscheidendes über Violas Vergangenheit zu erfahren. Man hätte den Aufbau besser strukturieren und in zwei Zeitebenen aufteilen können. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, die Geschehnisse aus dem Jahr 2016 als Prolog an den Anfang der Geschichte zu setzen.


Fazit

Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge geschrieben und gehen ohne Cliffhanger ineinander über. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass man fast immer in der gleichen Zeitebene bleibt, wobei Hinweise aus der Vergangenheit bis auf eine Ausnahme in die Gegenwart eingeflochten werden.
Abgesehen von dem Ende ist es eher ein ruhiger, aber durchaus lesenswerter Psychothriller. Vor der Aufklärung zieht die Spannungskurve an und man wird das Gefühl nicht los, dass Poznanski die Lösung schnell und kompakt herüberbringen will. Das Ende konnte man so nicht unbedingt erwarten. Man stellt sich die Frage, wer ist hier Opfer und wer der Täter? Einiges wirkt in dem Plog auf mich konstruiert.
Die Einschränkungen einer Person mit Behinderung verbunden mit der schrittweisen Rückkehr in ein halbwegs normales Leben werden hier ausführlich und nachvollziehbar beschrieben. Für Leser, die Domestic Noir lieben, ist dieses Buch zu empfehlen.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: Klappentext Paperback © 2026 Goldmann Verlag; de.wikipedia.org
Rezensionstext: © V. Kaiser

Donnerstag, 12. März 2026

Cavanagh, Steve – Kill for Me

Über den Autor

Der ehemalige Anwalt ist in Belfast, Nordirland, geboren und aufgewachsen, wo er auch heute noch lebt. Er arbeitete als Tellerwäscher, Türsteher, für einen Sicherheitsdienst und als Call-Center-Agent, bevor er einen Job bei einer großen Anwaltskanzlei in Belfast ergatterte. In seiner irischen Heimat machte sich Steve Cavanagh als erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt einen Namen und war in zahlreiche prominente Fälle involviert.
Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf seine Arbeit als Autor. Cavanagh ist der millionenfach verkaufte Bestsellerautor der Eddie-Flynn-Romane und seiner Thriller. 2018 wurde sein Roman »The Liar« mit dem Gold Dagger der Crime Writers Association als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. 2019 gewann »Thirteen« den Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award. Alle seine Romane wurden international für Preise nominiert oder ausgezeichnet.


Kill for Me


Autor: Steve Cavanagh
Titel: Kill for Me
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 18. Februar 2026
Seitenzahl: 512
Verlag: Goldmann Verlag
Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Steve Cavanagh ohne Eddie Flynn

Insgesamt sieben Mal hat Steve Cavanagh seinen Strafverteidiger Eddie Flynn Prozesse am Gericht führen lassen. In dieser Zeit ist eine Symbiose zwischen Autor und Romanfigur entstanden. Umso mehr erstaunt es, dass er sich von seiner Romanfigur verabschiedet hat. Für immer? – das weiß man zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Mit »Kill for Me« hat Cavanagh jetzt den ersten Stand Alone geschrieben und der entpuppt sich schnell als wahrhaftig harter Thriller.

Ein innerer Konflikt

In der Geschichte geht es in erster Linie um Amanda White. Cavanagh nimmt sich anfangs viel Zeit, um diese Person in die Handlung einzuführen. Amanda hat vor sechs Monaten ihre sechsjährige Tochter Jess verloren, eine Woche später hat ihr Mann Luis Suizid begangen. Der mutmaßliche Mörder Wallace Crone der kleinen Jess wurde festgenommen, aber die Justiz ist nicht in der Lage, ihn zu verurteilen. Der Vater von Crone ist ein einflussreicher Machtmensch in New York.

Amanda ist eine ambivalente Persönlichkeit. Sie will sich an dem Mann rächen, der ihre Familie zerstört hat und besorgt sich eine Schusswaffe. Ein geplanter Anschlag geht schief. Sie wird verhaftet und zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Sie muss sich unter Auflagen des Gerichts einer Selbsthilfegruppe für Traumaopfer anschließen.

Ein perfider Gedanke

In der Therapiegruppe lernt sie Wendy kennen. Deren fünfzehnjährige Tochter Rebecca wurde von ihrem Musiklehrer vergewaltigt und erdrosselt. Nach den Gruppensitzungen treffen sich die beiden des Öfteren privat und schließen einen mörderischen Pakt. Amanda soll Rebeccas Mörder töten und im Gegenzug wird Wendy den Mann beseitigen, der Amandas kleine Jess auf dem Gewissen hat. 

Die Idee eines sogenannten Mördertauschs ist nachvollziehbar. Es gibt kein Mordmotiv, keine Verbindung zwischen Täterin und Opfer und somit auch keinen Verdacht. Der Thriller wird dominiert von Trauer, Wut und Ohnmacht. Der Wunsch nach Vergeltung ist nachvollziehbar, wenn man ihn auch nicht gutheißen kann.

Keine Verbindung erkennbar

In einem zweiten Handlungsstrang lernen wie Ruth Gelman und ihren Mann Scott kennen. Ruth wurde zu Hause überfallen und von einem Täter mit einem Messer übel zugerichtet. Den Angriff überlebt sie schwerverletzt, was einen längeren Klinikaufenthalt erforderlich macht. Es ist kein Motiv erkennbar und man wird erfahren, dass der Herzstillstand eines Mannes in der unmittelbaren Nachbarschaft ihr sehr wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Durch die Sirenen des Krankenwagens hat sich der Täter wohl gestört gefühlt. Ruth leidet fortan an paranoiden Halluzinationen. Deshalb wird sie vorübergehend in eine psychiatrische Klinik zur stationären Behandlung eingewiesen. Auch Scott wird im weiteren Verlauf noch eine wichtige Rolle spielen, denn Ruth will ihren Mann in ihrem Wahn zu einem Mord anstiften. 

Die Jagd nach einem Serienmörder

Eine weitere Perspektive, die die Ermittlungsarbeit der Detectives Farrow und seiner Kollegin Hernandez vom NYPD näher beleuchten, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Dynamik. Die Beiden sind auf der Suche nach einem Serienmörder. Auch Amanda gerät dabei in den Fokus der Ermittler.

Die Figuren und deren Beziehungen zueinander beschreibt der Autor aus verschiedenen Blickwinkeln. Es ist beklemmend zu erfahren, dass jemand seine liebsten Menschen verloren hat. Man kann die Wut der Betroffenen darüber verstehen, dass die Justiz versagt hat und das Gefühl allein gelassen zu werden, zurückbleibt.


Fazit

Parallelen zu dem Roman »Zwei Fremde im Zug« von Patricia Highsmith und der Verfilmung von Alfred Hitchcock sind unverkennbar. Zwei Fremde schließen während einer Zugfahrt ein mörderisches Komplott. Der eine wird zum Komplizen des anderen.
Der Plot ist unheimlich clever aufgebaut und voller unvorhersehbarer Wendungen. Was Cavanagh sich hier ausgedacht hat, ist unglaublich und in einem hohen Maß verwirrend und verstörend zugleich. Ganz langsam laufen die losen Fäden zusammen und die Handlung nimmt dabei ständig an Spannung zu. Das Ende ist gleichermaßen überraschend wie unvorhersehbar.
Es gibt nicht viele Bücher, die beim Lesen eine regelrechte Sogwirkung erzeugen. »Kill for Me« gehört definitiv dazu. Ein wahrer Pageturner und daher eine klare Leseempfehlung für alle Thrillerfans.
 
Quellenangaben
Text über den Autor:
Klappentext Paperback © 2026 Goldmann Verlag;
stevecavanaghauthor.com

 

Montag, 2. März 2026

McFadden, Freida – Der Freund

Über die Autorin

Freida McFadden wurde am 01. Mai 1980 in New York City geboren und wuchs auch dort auf. Der Name ist ein Pseudonym. Sie ist vor allem für ihre Psychothriller bekannt, darunter der internationale Bestseller »Wenn sie wüsste«. Sie absolvierte ihr Grundstudium an der Harvard University und studierte dann Medizin. Sie praktiziert als Ärztin mit Spezialisierung auf Hirnverletzungen.
Ihre schriftstellerische Laufbahn begann McFadden 2013. Viele ihrer Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt und erreichten Spitzenplätze auf internationalen Bestsellerlisten. 
McFadden lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Boston.


Der Freund


Autorin: Freida McFadden (Pseudonym)
Titel: Der Freund
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2025
Verlag: Heyne Verlag

Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Hohe Naivität

Sydney, Bonnie und Gretchen sind drei Freundinnen, die in ihrem Bestreben auf der Jagd nach dem richtigen Mann unermüdlich sind. Sydney und Bonnie sind ständig darauf aus, einen Mann kennenzulernen und lassen dabei jede Vorsicht außer Acht. Gretchen hat offensichtlich den richtigen Mann bereits gefunden. Alle drei erwecken nicht gerade den intelligentesten Eindruck. Red Flags werden ignoriert oder gar nicht als solche erkannt. Plötzlich ist eine von den drei Freundinnen nicht mehr am Leben.

Partnersuche per Dating-Portal

Sydney sehnt sich schon lange nach einer festen Beziehung. Eine Dating-App soll sie schneller an ihr Ziel bringen. Bonnie wohnt im selben Haus, benutzt die gleiche Dating-App und bezeichnet diese als Lotterie. Mindestens sieben Dates pro Woche nimmt sie wahr. Sie hatte kürzlich eine Verabredung mit einem Arzt und ist hin und weg. Diese Bekanntschaft wird nicht ohne Folgen bleiben.

Sydney lernt einen Mann über die Dating-App kennen und schon bald kommt es zur ersten Kontaktaufnahme mit einem Kevin. Da er laut Foto und Beschreibung genau ihren Vorstellungen entspricht, vereinbaren die beiden ein Treffen in einem Restaurant. Sofort macht sich bei Sydney Enttäuschung breit. Das Foto hat überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Typ, der vor ihr steht. Der versucht alles schön zu reden, benimmt sich merkwürdig, besudelt sich beim Essen und lässt Sydney am Ende die Rechnung bezahlen.

Beim Gehen wird er anzüglich und will Sydney begrapschen. Sie gibt ihm klar zu verstehen, dass sie nicht an weiteren Treffen interessiert ist. Aus dem Dunkeln erscheint ein Mann, der ihr seine Hilfe anbietet. Aber Kevin lässt nicht locker. Er entpuppt sich als Stalker und erscheint immer wieder auf der Bildfläche. Der Unbekannte hingegen erscheint ihr so sympathisch, dass sie ihn gern näher kennenlernen möchte. Sie trifft sich mit ihm, aber irgendetwas scheint mit diesem Tom nicht zu stimmen, und Sydney fühlt sich in seiner Nähe unwohl.

Der Plot wechselt zwischen Gegenwart (Sydney) und Vergangenheit (Tom) mit zwei Zeitebenen. Die Erzählung nimmt Fahrt auf, falsche Fährten werden gelegt. Man hat eine Ahnung davon, dass die beiden Stränge irgendwann zusammenlaufen werden, aber man weiß nicht wie.

Ist Tom ein Soziopath?

In Rückblenden lernen wir Tom in einem separaten Handlungsstrang kennen. Man erfährt, dass er einen gewalttätigen Vater hat, der ständig betrunken ist und seine Frau schlägt. Toms Mutter nimmt dies widerstandslos hin, aber Tom überlegt, wie er dem ein Ende setzen kann.

Tom erzählt aus seiner Sicht, wie Treffen mit Daisy verlaufen. Die beiden kennen sich schon seit der gemeinsamen Schulzeit. Er wirkt schüchtern und weiß zunächst nicht, wie er sich Daisy nähern soll, obwohl die es mit ihrem Verhalten ihm leicht macht. In seiner Fantasie denkt er darüber nach, was er mit Daisy gerne machen möchte, und das sind nicht ausschließlich gute Gedanken.

Freunde seit der Schulzeit

Tom und Slug kennen sich schon seit der gemeinsamen Highschool Zeit. Beide muss man als Außenseiter der Gesellschaft bezeichnen, deren Vorlieben zu extremem Verhalten führen. Der Eine (Tom) sieht gut aus, ist klug und kann sehr charmant sein. Er möchte in der Gesellschaft dazugehören und am Leben teilhaben. Er unternimmt alles Mögliche, um sein Ziel zu erreichen. Er versteht es, das Interesse des weiblichen Geschlechts auf sich zu ziehen.

Der Andere (Slug) steht zu dem, was er ist. Er unternimmt keinerlei Anstrengungen, um sich anzupassen. Ab und zu verspeist er Insekten. Er hätte gerne eine Freundin, hat aber bei Mädchen keine Chance. Mit Slug möchte außer Tom niemand etwas zu tun haben. Als Leser tappt man länger darüber im Dunkeln, was die beiden verbindet.

Die Handlungen und Charaktere der Hauptfiguren sind gut beschrieben. Die Nebenfiguren sind dem Plot dienlich, sind aber nicht in der Tiefe ausgearbeitet. Die Autorin streut bewusst verschiedene Spuren auf mögliche Täter, die dann aber ins Leere laufen. Der Plot ist voller Wendungen, die für Verwirrung sorgen. Spannung ist damit gegeben.

Der Inhalt liest sich leicht und flüssig. Die Kapitel sind angenehm kurz und enden oft mit einem Cliffhanger. Die Handlung ist gespickt mit unvorhersehbaren Plot Twists. Man kann Vermutungen darüber anstellen, wer hier schuldig und wer unschuldig ist. Das Ende hält auf jeden Fall einige Überraschungen parat.


Fazit

Freida McFadden hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen als Thrillerautorin mit leicht verständlichem Inhalt ohne psychologischen Tiefgang gemacht. Ihre Bücher haben einen hohen Unterhaltungs- und Wiedererkennungswert. Da kann man über einen inhaltlichen Fehler auch einmal wissentlich hinwegsehen, der m.E. ohnehin zu Lasten eines Lektorats gehen müsste.  
Die meisten Bücher der Autorin sind Stand Alones. Die Cover sind farbig gestaltet, ebenso der Seitenschnitt. Die Titel sind kurz und einprägsam.
Fans von ihr können sich freuen, da bereits drei weitere Ausgaben für 2026 geplant sind.
 
Quellenangabe
Text über die Autorin: Wikipedia

Freitag, 20. Februar 2026

Lawhon, Ariel – Codename Hélène

Über die Autorin
Ariel Lawhon ist eine gefeierte New York Times-Bestsellerautorin historischer Romane. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und waren in der Auswahl von Library Reads, Indie Next, One Book One County, Costco und Book of the Month.
Sie lebt mit ihrem Ehemann, vier Söhnen, einem schwarzen Labrador und einer verrückten Siamkatze in den sanften Hügeln außerhalb von Nashville, Tennessee. Ariel teilt ihre Zeit zwischen Supermärkten und Baseballfeld auf.


Codename Hélène


Autorin: Ariel Lawhon
Titel: Codename Hélène
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 480
Erscheinungsdatum: 21. November 2025
Verlag: Adrian Verlag

Preis: 22,00 € (Gebundenes Buch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Authentizität und Fiktion

Nach ihrem großen Erfolg mit dem auf teilweise wahren Begebenheiten basierenden Roman »Der gefrorene Fluss« hat Ariel Lawhon mit der gebürtigen Neuseeländerin Nancy Wake erneut eine authentische Figur zum Leben erweckt. »Codename Hélène« ist ein fiktiver Roman, der auf wahren Kriegsereignissen des zweiten Weltkrieges basiert. Was man aus Nancys Sicht erfährt, erzählt die Protagonistin in der Ich-Form, sowohl aus dem erzählenden als auch aus dem erlebenden »Ich«.

Harter Job, schlechte Bezahlung

Nancy Wake arbeitet als freie Journalistin für die europäische Niederlassung der Hearst Newspaper Group in Frankreich. Ihre Schwerpunkte sind die Politik, gelegentlich der Sport. Für sie ist es eine Genugtuung, als der amerikanische Sprinter Jesse Owens 1936 bei den olympischen Spielen in Berlin Hitlers beste Läufer düpiert und die Goldmedaille gewinnt. Und sie berichtet auch darüber, als das Luftschiff »Hindenburg« aufsteigt und über die Felder fliegt. Ein Wunderwerk, entweiht durch ein schwarzes Hakenkreuz auf jeder Seite des Schiffsrumpfes.

Als Nancy den reichen französischen Industriellen Henri Fiocca in Marseille kennen- und später lieben lernt, fällt es ihr nicht schwer, ihren Beruf aufzugeben. Ein Job, für den sie hart arbeitet und der schlecht bezahlt wird. Anerkennung bekommt sie ebenfalls nicht. Fiocca ist ein Herzensbrecher und Lebemann, auf den die Frauen fliegen. Er ist von Anfang an fasziniert von der jungen Frau. Als Henri und Nancy 1939 heiraten, ist sie Mitte zwanzig und er dreizehn Jahre älter. Es wird für Henri und Fiocca die Liebe ihres Lebens. Ein Schicksalsschlag in den Wirren des Krieges wird dies alles ändern.

Hitlers Angriff auf die Welt

Im September 1939 überfällt Hitler Polen. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges steht unmittelbar bevor. Hauptgegner des nationalsozialistischen Deutschen Reiches sind Frankreich und das Vereinigte Königreich mit den Commonwealth-Staaten. Frankreich wird 1940 von den Nazis besetzt.

La Souris Blanche

Nancy Wake ist die am meisten gefürchtete Spionin und Fluchthelferin von den Braunhemden während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Während dieser Zeit steigt sie zur höchstdekorierten weiblichen Militärangehörigen auf. Nancy ist eine Nazi-hassende loyale Untertanin der Krone. Sie ist furcht- und empathielos, wenn es die Situation erfordert.

Nancy kann kalt, grausam und empathielos sein, wenn es um die Sache geht, wobei sie keine Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit nimmt. Auf der anderen Seite ist sie die liebende, gefühlsbetonte und einfühlsame Ehefrau, die ihren Ehemann Henri über alles liebt. Diese beiden unterschiedlichen Blickwinkel hat Lawhon sehr gut herausgearbeitet.

Sie hat sich in dieser Zeit verschiedene Identitäten zugelegt, die sie je nach Bedarf benutzt. Für Madame Andrée, oder Mademoiselle Lucienne Suzanne Carlier hat sie die entsprechenden Ausweispapiere. Am gefährlichsten wird es für sie, wenn sie unter dem Namen Carlier als Fluchthelferin unterwegs ist. Zum Ende des Kriegs flieht sie nach England und lässt sich vom britischen Nachrichtendienst Special Operations Executive (SOE) für Spezialeinsätze anwerben und ausbilden. Sie ist als ausgebildete britische Agentin mit dem Decknamen Hélène in Frankreich im Einsatz.

Weil sie sich immer wieder einer Verhaftung entziehen kann, nennt die Gestapo sie »La Souris Blanche« (Die weiße Maus). Auf ihre Ergreifung ist ein Kopfgeld von fünf Millionen Francs ausgesetzt.

Figuren mit Wiedererkennungswert

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Figuren von Nancy Wake und Henri Fiocca authentisch sind. Auch den im Roman erwähnten Obersturmführer Wolff gab es. Er war General der Waffen-SS. Ein gefürchteter Schlächter und zudem Verbindungsoffizier der SS zu Hitler. Das Nancy eine erbitterte Kämpferin für die Résistance gegen die Nazis während des zweiten Weltkrieges war, ist ebenfalls überliefert. Sie wurde als furchtlose Anführerin verehrt und respektiert. Auch ihre damaligen Weggefährten bis auf eine Figur hat es tatsächlich gegeben. Die Geschichte darum ist jedoch der rein fiktiven Erzählung von Ariel Lawhon geschuldet.


Fazit

Ein Roman, der so gewaltig geschrieben ist wie sein Inhalt und dessen Geschehnisse sowohl über Nancys Kampf gegen die Nazis, die Widerstände bei den Franzosen, die Überführung von Flüchtlingen nach Spanien oder die Spionagetätigkeiten für die Briten wiedergeben.
Lawhon versteht es meisterhaft, historische Begebenheiten mit fiktiver Erzählkunst so zu verbinden, dass man darüber nachdenken muss, was ist real und was fiktiv.
Ein kleiner Kritikpunkt sei angebracht. Der Plot ist in fünf Abschnitte unterteilt. Sowohl die fünf Teile als auch die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch aufgebaut, sondern springen zeitlich vor und zurück. Allerdings helfen die Überschreibungen mit Datumsangaben, sich zu orientieren. 
Am Ende des Buches gibt es einige hilfreiche Anmerkungen der Autorin. Viele der Beschreibungen und Ereignisse sind Nancys Autobiografie entnommen. Jedoch legt die Autorin Wert darauf, dass ihr Buch ein fiktionales Werk ist und keine Biografie.
 
Quellenangabe
Text über die Autorin: Schutzumschlag © Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH Berlin, 2025

Samstag, 14. Februar 2026

Gruber, Andreas – Herzfluch

Über den Autor
Andreas Gruber wurde 1968 in Wien geboren. Er ist ein österreichischer Schriftsteller, der vorranging in den Genres Phantastik, Horror und Thriller schreibt. Er beschäftigt sich seit 1996 konkret mit dem Schreiben.
Viele seiner Werke und Geschichten sind mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet oder für diese nominiert. 2019 hat Constantin Film im Auftrag von SAT.1 damit begonnen, seine Maarten-S.-Sneijder-Reihe zu verfilmen.
In seiner Freizeit gibt Andreas Gruber Schreibworkshops, ist begeisterter Kinogeher, reist viel mit seiner Frau, spielt leidenschaftlich gern Schlagzeug und wartet bis heute vergebens auf einen Anruf der Rolling Stones.


Herzfluch


Autor: Andreas Gruber
Titel: Herzfluch (Herz-Reihe, Band 2)
Genre: Thriller
Seitenzahl: 608
Erscheinungsdatum: 19. November 2025
Verlag: Goldmann Verlag

Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️/5

 

Alte Bekannte

Bereits 2013 konnte man in der »Herz-Reihe« den Band 1 »Herzgrab« lesen. Das Buch wurde mittlerweile neu aufgelegt und mit einem neuen Cover gestaltet. Damals wie heute sind die Wiener Privatdetektivin Elena Gerink sowie die Wiener BKA-Beamten Peter Gerink (Elenas Mann) und dessen Kollege Dino Scatozza im Einsatz. Einen gewissen Zündstoff beinhaltet die Tatsache, dass die Dezernatsleiterin Lisa Eisert beim BKA in Wien nicht nur die Vorgesetzte von Gerink und Scatozza ist, sondern auch die Schwester von Elena.

Zwei scheinbar zusammenhanglose Fälle

Die Privatdetektivin Elena Gerink soll im Auftrag von Balthasar Grabowski einen Mörder finden, der seine sechzehnjährige Enkelin Nina vor fünfzehn Jahren umgebracht hat. So ist zumindest die Version des Klienten. Seiner Meinung nach ist der damalige Angeklagte Thomas Dannenberg zu Unrecht freigesprochen worden. Nach ersten Recherchen von Elena hält sich der Gesuchte in Athen auf. Mit Einwilligung ihres Auftraggebers reist sie nach Griechenland. Geld spielt für den todkranken Grabowski dabei keine Rolle.

Gleichzeitig sind auch Peter Gerink und Dino Scatozza in einer Vermisstensache in Griechenland unterwegs. Sie sollen in der griechischen Inselwelt eine vermisste Rucksacktouristin aufspüren. Seit vier Tagen wird die zwanzigjährige Anna Klein aus Wien vermisst. Die Spurensuche in der Athener High Society gestaltet sich dabei äußerst schwierig und bleibt zunächst erfolglos.

Ein zäher Einstieg

Über eine lange Distanz erfahren wir abwechselnd, wie Elena in der Suche nach Thomas Dannenberg Informationen sammelt und was Peter und Dino über die vermisste Anna Klein herausfinden. Lange laufen diese beiden Handlungsstränge parallel nebeneinander. Sehr viel später werden sie zu einer Ebene auf einer kleinen fiktiven Privatinsel zusammengeführt. Elena, Peter und Dino tauchen dabei in die Welt der griechischen Mythologie ein. Man erfährt mehr über das Umfeld eines geheimnisvollen Künstlers, der für seine ausdrucksstarken Werke bekannt ist. Die Stärke der drei Ermittler ist ihre professionelle Einstellung, gegenseitiges Verständnis und ihr Zusammenhalt, wenn es darauf ankommt. 

Der Autor nimmt sich viel Zeit und Raum, um den Rahmen des Geschehens vorzubereiten. In beiden Fällen gestalten sich die Ermittlungen langatmig und zäh.
Es fällt teilweise schwer, sich durch die einzelnen Seiten zu lesen, da über eine zu lange Zeit kaum oder sehr wenig Spannung aufkommt. Ab und zu legt Gruber falsche Fährten, was die Spannung kurzfristig anhebt.

Je mehr Informationen und Hinweise die Ermittler bekommen, desto undurchsichtiger und mysteriöser werden die beiden Fälle. Rücksprünge in die Vergangenheit machen die Geschehnisse dabei transparenter. Ein probates Mittel, um Handlungsabläufe besser einordnen zu können.

Packendes Szenario

Man muss Geduld haben beim Lesen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen und die darin vorkommenden Personen richtig zuordnen zu können. Was Gruber an Handlung nach über einer Hälfte in den Plot packt, sprengt das normale Denkvermögen. Man muss sich einlassen können in die griechische Mythologie, um dem einigermaßen folgen zu können. Es geschehen Dinge, die unvorstellbar, grausam und ekelerregend sind. Letztendlich führt der Autor die Leser zu einem gruseligen Ende. Was es mit dem Titel »Herzfluch« auf sich hat, wird man ebenfalls erfahren.

Ein klischeelastiger Plot

Der Plot ist mir zu klischeelastig. Elenas Dobermannhündin muss eingeschläfert werden. Die Hündin bleibt Thema ihrer Selbstgespräche. Zurück an ihrem Wohnort gibt es ein Hundegrab mit Urne. Später auf der Insel ist es der kleine Streuner Rhodos, der Zugang in die Handlung findet. Einen kleinen Jungen hält sie in den Armen wie ein eigenes Kind und lässt es nicht mehr los. Die Ermittler Gerink und Scatozza glänzen mit Sprüchen und Sticheleien untereinander, die auch schon mal zotig sein können. Selbst die Honeymoon Suite, die man schon aus dem Buch »Herzgrab« kennt, findet wieder Erwähnung.


Fazit

Wer erinnert sich nicht gern an die spannungsgeladenen Fälle des niederländischen forensischen Psychologen Maarten S. Sneijder und seiner ehemaligen Studentin Sabine Nemetz sowie des humpelnden Wiener Privatdetektivs Peter Hogart. Wer hier ähnliches erwartet, wird über zwei Drittel des Buches vielleicht enttäuscht sein. 
Warum Gruber nach über zehn Jahren die Wiener Privatdetektivin Elena Gerink sowie deren Mann Peter und dessen Partner Dino Scatozza vom Wiener BKA wieder zum Leben erweckt hat, erläutert er in einer Danksagung am Ende des Buches.
Beide Bücher der Herz-Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden, auch wenn die schon bekannten Hauptfiguren wieder ermitteln.
 
Quellenangabe
Über den Autor: Wikipedia und www.agruber.com

Donnerstag, 5. Februar 2026

Craven, M.W. – Der Kurator

Über den Autor

Der mehrfach preisgekrönte Sunday Times-Bestsellerautor M. W. Craven wurde in Carlisle in der Grafschaft Cumbria geboren, wuchs jedoch in Newcastle in Northumberland auf. Als Jugendlicher trat er in die britische Armee ein und begann nach zehn Jahren Militärdienst ein Studium der Sozialpädagogik. Fast zwei Jahrzehnte lang arbeitete M. W. Craven als Bewährungshelfer, bevor er sich höchst erfolgreich und in Vollzeit dem Schreiben von Krimis und Thrillern widmete. Seine Kriminalromane wurden mit renommierten Krimipreisen ausgezeichnet, u.a. dem CWA Gold Dagger Award (2019) sowie dem Ian Fleming Steel Dagger Award (2022). Mit seiner SPIEGEL-Bestsellerserie um Washington Poe und Tilly Bradshow hat M.W. Craven auch sein deutsches Publikum begeistert.


Der Kurator


Autor: Michael W. Craven
Titel: Der Kurator
Genre: Kriminalroman
Seitenzahl: 466
Erscheinungsdatum: 03. November 2025
Verlag: Droemer Knaur KG

Preis: 16,99 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5


Vorweihnachtszeit in Cumbria

Es beginnt harmlos kurz vor Weihnachten. Wie jedes Jahr soll bei einer Firmenweihnachtsfeier gewichtelt werden. Und obwohl Craig Hodgkiss das Wichteln hasst, kommt es ihm dieses Jahr sehr gelegen. Er möchte seiner befreundeten Arbeitskollegin Barbara Willoughby einen Heiratsantrag machen. Doch statt seines Verlobungsrings befinden sich in seinem Wichtelbecher zwei abgetrennte Finger und eine rätselhafte Botschaft mit der Aufschrift »#BSC6«.

Wenig später liegen im Taufbecken einer Kirche wieder zwei abgetrennte Finger. Letzen Endes taucht bei einer Fleischverlosung in Fiksin’s Hall in Whitehaven schließlich ein drittes Fingerpaar auf, das zwischen die Ware drapiert wurde. Die kryptische Botschaft »#BSC6« ist immer beigelegt. Wer verteilt in Cumbria solche ekelerregenden »Weihnachtsgeschenke«?

Pathologisch betrachtet, stammt jeweils ein Fingerpaar von ein und derselben Person. Während ein Finger ante mortem abgetrennt wurde, erfolgte die andere Amputation post mortem. Hat man es hier mit einem sadistischen Mörder zu tun? Es gibt keinerlei Verbindungen zwischen den drei Opfern der Fingerpaare – zwei Frauen und ein Mann. Sie kannten sich nicht und hatten auch sonst keine Gemeinsamkeiten. Sie waren lediglich vor drei Jahren für zwei Wochen am gleichen Ort.

Ein Team mit Wiedererkennungsfaktor

Das ist ein Fall für die Serious Crime Analysis Section (SCAS). Das ist eine Sondereinheit der nationalen Kriminalpolizei des Vereinigten Königreichs. Nicht nur diese Einheit stellt etwas Besonderes dar, auch das Ermittlerteam, das sich dahinter verbirgt.

Stephanie Flynn kommt als Chefin authentisch rüber. Sie ist momentan schwanger und hat mit ihren Hormonen zu kämpfen. DS Washington Poe ist ein Zyniker und gegenüber seinen Vorgesetzten oft disziplinlos. Früher war er der Vorgesetzte von Stephanie Flynn, jetzt ist sie seine Chefin nach einer vorübergehenden Suspendierung von Poe. Privat ist er ein Eigenbrötler, der zurückgezogen in einer abgelegenen Hütte mit seinem Hund Edgar lebt. Gemeinsam arbeitet er mit der hervorragenden Analytikerin Mathilde (Tilly) Bradshow zusammen, die sozial völlig inkompetent ist. Auf dem Gebiet von IT und Wissenschaft ist sie ein regelrechter Nerd. Außerdem ist sie auf das Wohlergehen von Poe bedacht.

Komplettiert wird das Team von der unkonventionellen aber höchst effizienten Pathologin Estelle Doyle. Sogar in der Leichenhalle ist sie manches Mal angezogen wie in einem S&M-Klub – schwarzes Haar und gleichfarbige Schminke, Netzstrümpfe und Stilettos.

Die Ermittler der SCAS sind ein ungewöhnliches Team. Jeder hat seine Eigenarten, was sich aber im Ganzen betrachtet zu einem gemeinsamen Nenner verbindet. Dieses Team muss man einfach mögen, denn sie beleben diesen Kriminalroman auf unnachahmliche Weise. Es ist köstlich, den Dialogen von Poe und Tilly zu folgen, und die sind nicht ausschließlich beruflicher Natur.

Was steckt hinter den Morden

Alles sieht zu Beginn bestenfalls nach einer ungewöhnlichen Mordserie aus. Daraus entwickelt sich ein Setting mit einer Challenge, die man so nicht für möglich hält. Lange bleibt man als Leser im Ungewissen, um was es hier eigentlich geht. Und das treibt die Spannung hoch, auch durch immer wieder neue Twists, die die Handlung aber keineswegs überladen.

Ein Drachen in einem Baum führt Poe auf die Spur eines Verdächtigen. Ist der zweiundzwanzigjährige Robert Cowell der gesuchte Mörder? Bei der Vernehmung durch Poe ist er das reinste Nervenbündel, zappelig und total verschwitzt. Schließlich gibt er zu, dass er gezwungen worden ist, an einer auf einem Online-Spiel basierenden Challenge teilzunehmen, die auf vulnerable Personen abzielt. Dabei müssen verschiedene Aufgaben erfüllt werden. Aber er leugnet alles, was bereits erwiesen ist.

Washington Poe und Tilly Bradshow stehen vor einem Rätsel. Eine vom FBI suspendierte Agentin meldet sich und erzählt von einer Person, der sich der »Kurator« nennt. Sie behauptet, dass der Täter kein Serienmörder ist, sondern dass etwas ganz anderes dahintersteckt. Ist sie glaubwürdig? Warum wurde sie vom Dienst suspendiert und meldet sich plötzlich bei der SCAS? Fast zu spät erkennt Poe, dass er auf das abartige Spiel des »Kurators« hereingefallen ist.

Wie man in den Anmerkungen des Autors am Ende des Buches erfährt, beruht nicht alles auf seinem Erfindungsreichtum. Challenges, die auf einem Online-Spiel basieren, gibt es wirklich.


Fazit

Mike W. Craven gelingt es wie keinem anderen englischen Autor bzw. keiner anderen Autorin, die Texte mit trockenem, britischem Humor zu würzen, wenn es dem einen oder der anderen auch albern vorkommen mag. Schwarzer Humor, unverblümte Direktheit, Absurdität und Understatement sind dafür die Zutaten. Bücher von ihm sorgen für beste Unterhaltung.
Die Handlung ist gut konstruiert, die Erzählweise dynamisch und ohne Leerlauf in den einzelnen Kapiteln. Dabei hat Craven für seine Leser immer wieder Überraschungen und Twists parat. Die beschriebenen Fälle sind ungewöhnlich und mögen für manchen merkwürdig klingen, aber sie werden zum Ende hin gekonnt und logisch aufgelöst.
Im Prinzip kann man diesen Band ohne Vorkenntnisse der anderen Bücher lesen. Der Fall ist in sich abgeschlossen. Da der Autor aber in Deutschland lange unbeachtet geblieben ist, wurden die Bücher nicht in der richtigen Reihenfolge übersetzt. Aus diesem Grund muss man darauf hinweisen, dass die Entwicklung der Figuren – in erster Linie die von Poe und Bradshow – verloren geht, wenn die Bücher nicht der Reihe nach gelesen werden.
 
Quellenangabe
Über den Autor: Klappentext © Droemer Knaur Gmbh & Co.KG München, 2025