Über die Autorin
Anna Bailey wurde 1995 geboren, wuchs in Gloucestershire auf und studierte kreatives Schreiben an der Bath Spa University. Sie zog zunächst nach Texas und dann nach Colorado, wo sie in den Wäldern lebte, bevor sie nach Großbritannien zurückkehrte und als freiberufliche Journalistin arbeitete. 2018 belegte sie einen Schreibkurs bei Curtis Brown Creative und verfasste dort ihren ersten Roman, »Tall Bones«, der von ihren Erfahrungen im amerikanischen Kleinstadtleben inspiriert war. Sie lebt mit ihrem Partner in Frankreich. Ihr Roman, »Our Last Wild Days«, erschien im April 2025 bei Transworld; ihre Kurzgeschichtensammlung »Wasteland Girls« wurde im Juli 2026 veröffentlicht.
Autorin: Anna Bailey
Titel: Unsere letzten wilden Tage
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 13. August 2025
Seitenzahl: 382
Verlag: Rütten & Loening
Preis: 22,00 € (Gebundenes Buch); 16,99 € (E-Book)
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 97/100)
Vergangenheit und GegenwartArbeit gibt es nur in einer nahegelegenen Kunststofffabrik und auf der Alligatorfarm der Labasques. An einer Stelle im Buch erfährt man mehr über die Jagd und das Erlegen von Alligatoren. An anderer Stelle holt sich ein Alligator seine menschliche Beute. Als die Protagonistin Loyal May das letzte Mal hier war, war sie siebzehn. Vom Boot ihrer Freundin aus wurde sie von einem Alligator in die Hand gebissen, was eine Verstümmelung zur Folge hatte. Das alles hat Anna Bailey sehr bildgewaltig beschrieben. Überhaupt sticht die Genauigkeit in der Darstellung von Handlung und Figuren hervor.
Loyal May, die inzwischen Journalistin ist, kehrt nach Jacknife zurück, um sich um ihre demente Mutter zu kümmern. Außerdem möchte sie sich mit ihrer Kindheitsfreundin Marianne Theresa Labasque – genannt Cutter – versöhnen, nachdem Loyal Jacknife vor zehn Jahren überstürzt im Zorn verlassen hat. Doch bevor sie mit Cutter sprechen kann, wird diese in den Sümpfen tot aufgefunden.
Was ist mit Cutter geschehen?
Loyal, die ihre Stelle in Houston gekündigt und gerade ihre Arbeit bei der örtlichen Zeitung begonnen hat, beginnt selbst nachzuforschen und Fragen zu stellen. Denn niemanden außer ihr scheint es zu interessieren, was mit ihrer Freundin passiert ist, die genau wie sie als Außenseiterin galt. Über ihre Recherchen legt sich ein Netz aus Schweigen und Schuld. Sie wird mit Lügen, Geheimnissen sowie korrupten Polizeibeamten konfrontiert und erkennt fast zu spät, dass sie dabei selbst in große Gefahr gerät. Eine latente Bedrohung zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung.Für die Polizei ist es eindeutig Selbstmord und sie stellt daher die Ermittlungen ein. Die Obduktion durch den Gerichtsmediziner ergibt, dass es unmöglich Selbstmord gewesen sein kann. Heftige Gewalteinwirkung durch einen stumpfen Gegenstand hatte eine Hirnblutung zur Folge. Dabei ist es unerheblich, ob sie ins Wasser gestürzt ist oder hineingestoßen wurde.
Die Einwohner von Jacknife wirken wenig überrascht über das, was Cutter zugestoßen ist. Als hätten sie es erwartet. Es stellt sich heraus, dass Cutter schwanger war und das Kind abtreiben wollte. Wer war der Vater und wer wollte hier etwas vertuschen?
Mit einem Abstand von zehn Jahren und einem mittlerweile neutralen Blick auf die hier lebenden Menschen und die Geheimnisse der Sümpfe wird Loyal klar, dass der Ort mit Ungereimtheiten und kriminellen Machenschaften übersät ist.
Zunächst steht die Handlung im Vordergrund, weniger die Spannung. Es ist die Atmosphäre, die eine Sogwirkung entfaltet. Im letzten Drittel zieht das Pacing dann deutlich an. Dieser Roman ist wie eine Naturgewalt.
Fazit
Es ist ein vielschichtiges Buch mit einem sehr intensiven und brutalen Inhalt. Der Schreibstil ist zum Teil derb, was der Handlung geschuldet ist. Das Setting ist atmosphärisch dicht und bildgewaltig. Es übt auf eine besondere Art und Weise eine stimmungsvolle Beklemmung aus.Im Vorwort wird auf eine fiktive Geschichte hingewiesen, die in einer Welt verortet ist, so wie wir sie kennen. Um reale diskriminierende Gegebenheiten aufzuzeigen und die Figuren authentisch zu zeichnen, ist deren Sprache zum Teil durch rassistische und sexistische Äußerungen geprägt. Dies gibt aber nicht die Anschauung von Anna Bailey oder die des Verlags wieder.
Quellenangaben
Text über die Autorin: (aus dem Englischen übersetzt): www.curtisbrown.co.uk (Anna Bailey bitte in die Suchfunktion eingeben)
Rezensionstext: © V. Kaiser; das Bild wurde mit KI generiert











