Über den Autor
Simon Mason wurde 1962 in Sheffield geboren und studierte englische Literaturwissenschaft an der Lady Margaret Hall in Oxford. Er schreibt sowohl kinder- und Jugendbücher als auch Thriller. Seit 1990 wurden Masons Werke in England veröffentlicht. Bekannt sind auch in Deutschland seine Jugendbücher über die Quigley-Familie. Er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Betty Trask Award für das beste Romandebüt.
Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller arbeitete er einige Jahre als Verlagsleiter von David Fickling Books, einer Tochter von Random House UK. Mason lebt mit Frau und zwei Kindern in Oxford.
Ein Mord im November
Autor: Simon Mason
Titel: Ein Mord im November (DI Wilkins-Reihe #1)
Genre: Kriminalroman
Erscheinungsdatum: 18. März 2026
Seitenzahl: 432
Verlag: Goldmann Verlag
Preis: 13,00 € (Taschenbuch); 10,99 € (E-Book)
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 80/100)
Ein College als Schauplatz
Wilkins und Wilkins
Im Mittelpunkt dieses Oxford-Krimis stehen allerdings zwei Ermittler, die unterschiedlicher nicht sein können. Die Klischees von dummen Menschen mit schlechten Manieren aus der Unterschicht und die feinen Herrschaften mit Bildung und tadellosem Benehmen aus der Oberschicht werden hier übertrieben bedient.DI Ryan Wilkins ist 27 Jahre alt mit weißer Hautfarbe, wirkt aber rein äußerlich eher wie ein Teenager. Aufgewachsen ist er in ärmlichen Verhältnissen in einem Trailerpark; der Vater Alkoholiker, eine Mutter, die von ihrem Mann regelmäßig misshandelt wird. Colleges kennt er nur von außen. Er war jedoch Jahrgangsbester auf der Polizeiakademie (wie er es dorthin geschafft hat bei einer solch schlechten Prognose bleibt offen). Seine »Dienstkleidung« besteht aus Jogginghose, T-Shirt und Turnschuhen. Das Verhalten ist proletenhaft, sein Auftreten frech und respektlos selbst gegenüber privilegierten Eliten. Zudem steckt ein hohes Agressionspotential in ihm. Aufgrund dessen wurde er wegen Fehlverhaltens strafversetzt zur Thames Valley Police.
Wenn er mit seinem kleinen Sohn Ryan junior zusammen ist, lernt man eine ganz andere Seite von ihm kennen. Da ist er der fürsorgliche Familienvater. Ryan junior ist bei Ryans Schwester Jade in Betreuung, wenn er für den Kleinen keine Zeit hat. Die Mutter von Ryan junior hat ihre Drogenprobleme nie in den Griff bekommen und ist an einer Überdosis gestorben. Trotz seiner ganzen Eigenarten ist Ryan ein Mensch, für den man Sympathie empfinden kann.
DI Ray Wilkins ist Anfang dreißig. Genau das Gegenteil von Ryan: wohlhabendes Elternhaus, ein »Überflieger« einer neuen Generation schwarzer Kriminalbeamter mit Oxford-Abschluss. Dank eines Masterstudiengangs in Kriminalistik ist er zu der Position eines Detective Inspector aufgestiegen. Immer tadellos gekleidet, umsichtig und wortgewandt, hervorragende Manieren, gutaussehend.
Unterschiedliche BerufsauffassungDie beiden Detectives der Thames Valley Police sollen gemeinsam einen Mordfall an einer jungen Frau aufklären. Der Mord wurde augenscheinlich im Oxbridge-College Barnabas Hall verübt. Die Unbekannte wurde im Arbeitszimmer des Provosts dieser Bildungsakademie, Sir James Osborne, entdeckt. Wie können so zwei unterschiedliche Charaktere gemeinsam einen Mord aufklären? Die Reibereien, die dabei entstehen, sowie die unterschiedlichen Auffassungen von der Art der Vorgehensweise hat Mason sehr prägnant beschrieben.
Der Einstieg in die Ermittlungen läuft alles andere als glücklich. Man ruft vom College aus die Polizei an und der Anruf landet bei Ryan. Der macht sich gleich auf den Weg zum College. Kaum dort angekommen, zerdeppert er mit seinem Verhalten jede Menge »Porzellan«.
Keine Einsicht vorhanden
Mehrmals wird Ryan von seiner Vorgesetzten und auch von Ray aufgefordert, keine Einzelgänge zu unternehmen, was der aber einfach ignoriert. Das erzeugt Wut und Zorn insbesondere bei Ray und man fragt sich bereits gleich am Anfang, ob diese »Zusammenarbeit« dauerhaft funktionieren kann. Aufgrund seiner vielen verbalen Entgleisungen und seinem ungehobelten Benehmen, wobei Ryan mehrfach gegen den polizeilichen Verhaltenskodex verstößt, wird ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet.Im Verlauf der Handlung versucht Mason mehrmals, den Leser/die Leserin auf eine falsche Fährte zu locken. Der wahre Täter wird am Ende überführt und diese finale Auflösung sorgt für Überraschung.
Trotzdem endet das Buch mit einem kleinen Cliffhanger. Fans der Krimireihe dürfen sich auf den zweiten Fall »Das kalte Herz von Oxford« des ungleichen Ermittlerduos freuen. Und da darf man gespannt sein, wie Mason das umsetzt.
Fazit
Der Inhalt dieses Kriminalromans definiert sich über zwei Kriminalisten, die völlig unterschiedliche Auffassungen von Ermittlungsarbeit haben. Eine explosive Kriminalgeschichte darf man hier nicht erwarten, es geht eher gemächlich zu.
Die eigentliche Kriminalhandlung läuft als klassischer Whodunit nebenher. Die Spannungsschiene wird dabei selten bedient. Auch sporadisch gesetzte Cliffhanger an manchen Kapitelenden ändern daran nichts.
Weitere Fälle, die geplant sind, müssen zeigen, ob sich der Ansatz von Mason durchsetzen und sich dafür eine interessierte Leserschaft finden wird. Sehr konträr sind die beiden Figuren, in Bezug sowohl auf ihr Äußeres als auch ihr Verhalten.









