Über die Autorin
Juli Zeh wurde 1974 unter ihrem bürgerlichen Namen Julia Barbara Finck in Bonn geboren. Sie hat in Passau und Leipzig Jura studiert. Promotion in Europa- und Völkerrecht. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Heinrich-Böll-Preis (2019). Im Jahr 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Seit 2019 ist sie ehrenamtliche Verfassungsrichterin in Brandenburg. Obwohl die Amtszeit regulär erst 2029 enden soll, hat sie ihr Amt vorzeitig niedergelegt. Als Grund gibt sie hohe Arbeitsbelastung an.
Autorin: Juli Zeh
Titel: Pony Show
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2026
Seitenzahl: 512
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Preis: 25,00 € (Gebundenes Buch); 23,99 € (E-Book)
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 84/100)
Die Verlegerin und ihr ProtegéBethany (Betty) Hell vom renommierten Hamburger Lysander-Verlag ist eine erfolgreiche Verlegerin über 50, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, prominent und intellektuell. Sie ist verheiratet mit Patrick, einem Lehrer. Sie haben einen volljährigen Sohn namens Yven, mit dem sie zusammen in einer Wohnung im angesagten Stadtteil Hamburg-Eppendorf wohnen. Juli Zeh hat die Figur der Betty als ambivalente Figur gezeichnet.
Betty wird auf einen jungen Mann im Verlag aufmerksam. Fero Lebed ist neu und talentiert. Schon bald macht sie ihn zu ihrem persönlichen Assistenten, nimmt ihn mit auf Veranstaltungen und überträgt ihm sogar eigene Lektorate. Das erzeugt Neid im Verlag. Sie protegiert ihn und es entwickelt sich mit der Zeit trotz eines Altersunterschieds von über zwanzig Jahren eine Amour fou zwischen den Beiden. Irgendwann überwiegt der Schmerz, aber der Absprung gelingt nicht. Plötzlich ist Fero verschwunden und mit jedem Tag sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder auftaucht.
Betty ist viel unterwegs, meist beruflich. An einem Samstag fährt sie von Hamburg nach Wien. Nach einer Übernachtung geht es weiter Richtung Ungarn. Es ist unklar warum? Bei einer Personenkontrolle an der ungarischen Grenze entdecken die Zollbeamten in Bettys Gepäck eine Handfeuerwaffe und über hunderttausend Euro Bargeld. Da sich an der Waffe Feros Blut befindet und es sich bei dem Geld um »Blüten« handelt, wird sie verhaftet.
Sie schweigt darüber, was sie vorhatte. Betty sitzt daraufhin mehrere Wochen in Untersuchungshaft – erst in Wien, dann in Hamburg. Sie wird wegen Mordes angeklagt und der Fall landet vor dem Hamburger Landgericht. Die Anklage lautet auf Mord aus niedrigen Beweggründen.
Der Loverboy-FallDer Strafverteidiger Dr. Mark Steinert ist Ende dreißig. Nach dem Tod seines Vaters hat er die angesehene Kanzlei Steinert, Bossmann & Finning übernommen. Er ist glücklich verheiratet mit Laura und hat zwei kleine Kinder – Jojo und Mimi. Mark führt die Kanzlei zusammen mit seinen ehemaligen Kommilitonen Sara und Anton. Es ist der erste Mordfall für die Societät und der ist von großem medialem Interesse.
Ein Prozess gegen das weibliche GeschlechtDie Geschichte wird überwiegend aus der Sicht von Bettys Verteidiger Mark Steinert erzählt. In Abschnitten, die mit »Bettys Geschichte« übertitelt sind, erfahren wir portionsweise von Betty aus ihrem Leben und was sich ereignet hat. Die übrigen Abschnitte handeln von dem Prozess vor Gericht. Soll Mark alles glauben, was Betty ihm erzählt? Sie verhält sich vor Gericht nicht so, wie Mark es ihr rät. Und sie hält Informationen zurück, die ihm die Verteidigung erschweren. Das macht ihn wütend, denn er ist eigentlich von der Unschuld seiner Mandantin überzeugt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich dieser Indizienprozess immer mehr zu einem Justizdrama.
Die Wahrheitsfindung gestaltet sich schwierigJe weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr ändert sich das Verhalten von Mark zu seiner Mandantin. Die berufliche Beziehung weicht immer mehr einer emotionalen Nähe. Versagensängste brechen sich bei Mark plötzlich Bahn. Was ist, wenn er den Prozess verliert und Betty verurteilt wird und für immer im Gefängnis verschwindet? Der bloße Gedanke daran bringt ihn fast um den Verstand. Das Verhalten von Betty gegenüber Mark ist nichts weiter als eine Scharade.
Man wird als Leser mehrmals in die Irre geführt. Wo liegt die Wahrheit oder was wird nur als solche empfunden? Wer manipuliert hier wen? Der Roman bezieht seine Spannung in erster Linie aus der Frage, was mit dem Praktikanten Fero Lebed geschehen ist? Es ist unerheblich, was Betty getan hat oder nicht. Es geht darum, dass Frauen immer noch keine volle Selbstbestimmung genießen, schon gar nicht in sexueller Hinsicht.
Fazit
Es ist ein Roman, dessen Inhalt viel Anlass zu Diskussionen geben dürfte – vielleicht auch teilweise spaltet. In einer fiktionalen Form geht es um die Wahrheitsfindung.Respekt und Ignoranz in Bezug auf das Geschlecht spricht die Autorin in der Handlung gezielt an. Des Weiteren doziert Zeh in ihrem Buch darüber, dass mächtige Frauen gerne als Karrierefrau, Zicke, Mannweib, Emanze o.ä. bezeichnet werden – während Männer in gehobenen Positionen einfach Männer sind. Wie sehr ist dabei Frauenhass in unserer Gesellschaft verankert?
Die Umkehr der Verhältnisse der Geschlechter zueinander spielt eine nicht unerhebliche Rolle. In der Regel sind ältere Chefs und jüngere Mitarbeiterinnen oft emotional oder sexuell miteinander verbunden. Zeh beschreibt jedoch die umgekehrte Variante.
Quellenangaben
Text über die Autorin: © Wikipedia (Stand: 10/26)










