Mittwoch, 21. Januar 2026

Bestgen, Sarah – Safe Space

Über die Autorin

Sarah Bestgen, Jahrgang 1990, lebt mit ihrer Familie im Rheinland. Sie studierte Psychologie in Köln und Bonn und arbeitete rechtspsychologisch und klinisch, bevor sie für eine renommierte Personalberatung in der Führungskräfteauswahl und – entwicklung tätig wurde. Neben ihrer Faszination für Menschen, ihre Geschichten und ihre psychischen Abgründe ist Schreiben ihre große Leidenschaft. Nach ihrem Thrillerdebüt HAPPY END, das von Lesern und Rezensenten begeistert aufgenommen wurde, hat sie mit SAFE SPACE ihren zweiten Thriller vorgelegt.


Safe Space


Autorin: Sarah Bestgen
Titel: Safe Space
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 28. November 2025
Verlag: Bastei Lübbe AG

Preis: 17,00 € (Paperback); 12,99 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️/5


Was ist mit »Little Butterfly« geschehen

Anna Salomon jagt ihrem eigenen Trauma hinterher, seit sie vor sechs Jahren einen geliebten Menschen aus den Augen verloren hat. Ein Streit hat sie auseinandergebracht und danach gab es kein Lebenszeichen mehr. Einige Hinweise deuten darauf hin, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Die Polizei hat die Suche längst eingestellt und es ist das Schlimmste zu befürchten.

Dieses Trauma ist der Auslöser für Annas Berufswahl. Sie studiert Psychologie und schließt das Studium mit Mitte zwanzig als Jahrgangsbeste ab. Sie bewirbt sich auf eine Stelle als Anstaltspsychologin der sozialtherapeutischen Abteilung in einem Hochsicherheitsgefängnis in der JVA Weyer. Aufgrund ihrer Qualifikation bekommt sie die Stelle.

Der Einstieg in Annas Berufsleben und der Gefängnisalltag wird spannend beschrieben. Man nähert sich allmählich dem wahren Grund für Annas Intention, den niemand erfahren darf. Der hat weniger mit ihren beruflichen Wünschen zu tun. Sie sucht nach Antworten auf ihre Fragen und hofft, in der JVA ihrem Ziel näher zu kommen. Schnell muss sie erkennen, dass innerhalb der Gefängnismauern eine bedrückende Atmosphäre herrscht.

Keine leichte Aufgabe

Anna hat fünf Häftlinge zugeteilt bekommen, die sie in Therapiegesprächen betreuen soll. Die Häftlinge sind allesamt Intensivtäter und teilweise hochmanipulative Persönlichkeiten, die die Psychologen gegeneinander ausspielen wollen. Es dauert, bis man die Zusammenhänge versteht. Um nicht zu viel zu verraten, sei hier nur kurz angerissen, dass Anna in der JVA eine bestimmte Person sucht. Wie kommt sie dabei auf die JVA Weyer und warum soll das gerade einer der fünf ihr zugeteilten Häftlinge sein? Das kann nicht ganz überzeugen. Auch zu einem späteren Zeitpunkt bleiben diese Fragen offen.

Die Gefängnisepisoden kann man als gelungen bezeichnen. Gruppengespräche wechseln sich mit Einzelgesprächen ab. Die Unterschiede und Charaktere sind dabei klar definiert. Allerdings verliert Anna zusehends die Kontrolle über sich selbst. Es wird immer mehr klar, dass sie der Umgang mit den Häftlingen überfordert. Sie erhält Drohbriefe, die sie auffordern, ihre Recherchen einzustellen. Ihr Privatleben bleibt dabei größtenteils auf der Strecke.

Es kommen Zweifel auf

Die Kollegen bescheinigen der jungen Psychologin Eigenschaften wie Präzision, Gewissenhaftigkeit, Kommunikationsstärke, Selbstbewusstsein und Resolutheit. Der Gefängnisdirektor jedoch ist ein Narzisst und nicht davon überzeugt, dass sie die richtige Person für diesen Job ist. Dieser Eindruck erhärtet sich, als einer der ihr zugeteilten Schwerverbrecher als Bezugsperson einen Suizidversuch unternimmt.

Ein verwirrendes Setting

Verschiedene Erzählebenen und -perspektiven sind verwirrend für den Leser, weil man sie zunächst nicht zuordnen kann. Anna als Ich-Erzählerin ist in diesem Thriller die Hauptfigur. Aus eingefügten Tagebucheinträgen erfahren wir mehr über die innere Zerrissenheit einer weiteren Person, deren Gemütszustand sich immer weiter verschlechtert. Und es gibt einen weiteren Handlungsstrang aus der Sicht eines jungen Mannes. Der ist so aufgebaut, dass man über diese Figur sowohl etwas aus dessen von Gewalt geprägter Kindheit als auch aus der Gegenwart als Erwachsener erfährt.

Das Ende kann nicht ganz überzeugen

Am Ende erwartet den Leser ein regelrechtes »Finale furioso«. Die Ereignisse überschlagen sich, ein Plot Twist jagt den nächsten. Nicht jede der tragenden Figuren ist das, was sie vorgibt zu sein. Die Auflösung überrascht und konnte so nicht unbedingt erwartet werden. Es wirkt abstrus und passt nicht zu dem ansonsten gut durchdachten Plot. Die Glaubwürdigkeit bleibt auf der Strecke.


Fazit

Sarah Bestgen hat nach ihrem vielbeachteten Thrillerdebüt »Happy End« aus dem Jahr 2024 nun ihren zweiten Stand-Alone mit »Safe Space« veröffentlicht. Die Handschrift einer studierten Psychologin ist dabei unverkennbar. Die Beschreibung und Analysierung psychologischer Abgründe treten klar zum Vorschein.
Das Buch startet langatmig. Man muss Geduld haben mit diesem psychologischen Thriller. Ungefähr die ersten einhundert Seiten geschieht nicht viel. In der Folge kommt es zu einem Anstieg der Spannungskurve.
Der Plot ist ungewöhnlich, aber interessant. Je tiefer man vordringt, umso mehr Rätsel und Ungewissheiten werden aufgelöst. Die zuvor zusammenhanglos erscheinenden Erzählebenen fügen sich nach und nach zu einem Ganzen zusammen.
 
Quellenangaben
Text über die Autorin: Coverinnenseite © Bastei Lübbe AG, Köln 2025

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