Sonntag, 12. April 2026

Fölck, Romy – Fünf Fremde

Über die Autorin

Romy Fölck wurde 1974 in Meißen geboren und lebt heute in der Elbmarsch bei Hamburg. Bevor sie als Schriftstellerin bekannt wurde, studierte sie Jura und arbeitete zehn Jahre unter anderem im Verlagswesen und in der Medienbranche. Diese Erfahrung hat ihr Gespür für Dramaturgie und Erzählstruktur geprägt. Besonders populär ist ihre Elbmarsch-Krimireihe, die in Norddeutschland spielt.
Neben klassischen Krimis schreibt sie auch gefühlvolle Gegenwartsromane, in denen es um Familie, Heimat und Vergangenheit geht.


Fünf Fremde


Autorin: Romy Fölck
Titel: Fünf Fremde: Nur einer kennt das tödliche Geheimnis, das sie alle verbindet
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 02. März 2026
Seitenzahl: 385
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 22,00 € (Gebundenes Buch)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️ (Score 70/100)


Thrillerdebüt der Autorin

Die Autorin Romy Fölck hat mit »Fünf Fremde« ihr Thrillerdebüt veröffentlicht. Es spielt auf der Insel Neuwerk im südöstlichen Teil der Helgoländer Bucht bzw. am Südwestrand der Außenelbe. Neuwerk gehört als Stadtteil zu Hamburg. Bekannt wurde Fölck mit der sechsteiligen Krimireihe aus der Elbmarsch mit dem ungleichen Ermittlerduo Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn.

Was geschah damals auf der Insel?

Der Thriller wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt. Die Autorin arbeitet mit Kapitelüberschriften, die sowohl das Jahr (1995 bzw. 2025) kennzeichnen, als auch die einzelnen Figuren namentlich nennen. Die Protagonisten erzählen aus verschiedenen Perspektiven. Gegenwärtig erfährt man, wie ihr Leben bisher verlaufen ist. Was machen sie beruflich und wie stellt sich ihre private Situation aktuell dar. Bezogen auf die Handlung erzählen sie die Erlebnisse von damals aus ihrer Sicht.

Wir springen zurück ins Jahr 1995, genauer gesagt in den August, auf die Insel Neuwerk. Charlotte Hahnel ist Lehrerin im Landschulheim. Während eines einwöchigen Aufenthaltes von Jugendlichen verschwinden eines Nachts zwei dreizehnjährige Teenager. Drei Tage bleiben Isa und Janosch, die sich in der Obhut von Charlotte befanden, vermisst. Dann taucht Isa plötzlich wieder auf. Sie verrät aber nicht, was mit ihr und Janosch in der Zwischenzeit geschehen ist.

Als alle bereits abgereist sind, bleibt Charlotte als Einzige zurück. Sie hofft darauf, dass auch Janosch wieder auftaucht, was aber nicht geschieht. Sie gibt den Lehrerberuf auf und tritt in ein Kloster ein. Als Nonne findet sie durch Gebete wieder zu sich selbst.

Ein Sprung in die Gegenwart

Der Thriller erfährt seine Fortsetzung 30 Jahre später im Jahr 2025. Im Oktober des gleichen Jahres ist die MS Flipper trotz stürmischer See auf dem Weg zur Insel Neuwerk. Es befinden sich u.a. vier Passagiere an Bord, die etwas gemeinsam haben. Sie alle befanden sich damals auf der Insel, als die beiden Jugendlichen verschwanden. Schnell wird klar, dass sie nicht grundlos den Weg in die Vergangenheit antreten. Je weiter man in der Erzählung vordringt, desto klarer wird ersichtlich, dass die heute Mitte Vierzigjährigen etwas zu verbergen haben.

Es gibt Hinweise darauf, die vermuten lassen, dass die Geschehnisse von damals nicht ans Licht kommen sollen. Es gibt jemanden, der Antworten auf diese Fragen liefern kann. Ein bisher unentdecktes Skelett auf dem Friedhof der Namenlosen und das Verschwinden einer Vogelwartin sorgen für weitere Ungereimtheiten. Es offenbart sich ein Racheplan, der bis ins kleinste Detail vorbereitet ist. Aber warum das alles erst nach dreißig Jahren? Das ist nicht schlüssig.

Aus der Perspektive von Isabell (Isa) Büchner, die damals verschwunden war und später wieder aufgetaucht ist, erfährt man nach und nach, was vor dreißig Jahren wirklich geschah. Es kommt immer wieder zu inhaltlichen bzw. textlichen Dopplungen, über die man aber großzügig hinwegsehen kann.

Hohes Tempo, mäßige Spannung

Passend zum Wetter stellt sich eine düstere Atmosphäre dar. Die Handlung ist temporeich, die Spannung mäßig. Ausschlaggebend ist hierfür, dass sich sämtliche Gefahrensituationen schnell wieder auflösen und der des Öfteren angekündigte Orkan sich lediglich als starker Sturm ohne nennenswerte Schäden entpuppt und einige Personen halten sich während des Sturms trotzdem im Freien auf. Das Geschehen fokussiert sich auf die Zeit von vor dreißig Jahren und deren Aufarbeitung in der Gegenwart.

Es gibt Dinge, die nicht zusammenpassen. Es ist nicht von Anfang klar, um welche fünf Personen es sich in Anlehnung an den Titel »Fünf Fremde« handeln soll. Es bleibt auch rätselhaft, warum das Buch diesen Titel trägt, denn mindestens drei Personen kennen sich aus der Vergangenheit. Eine Person ist u.a. auf der Fähre, die vor dreißig Jahren keinen unmittelbaren Bezug zu der Gruppe hatte und nicht auf Neuwerk war. Im Plot geht es auch um eine Person, die angeblich schwer krank war und nicht mehr lebt. Plötzlich taucht diese totgeglaubte Person wieder lebend auf.


Fazit

Fölck kann mit einem flüssigen und geradlinigen Schreibstil punkten. Ein solide geschriebener Thriller mit einem Ende, der nicht zum vorherigen Setting passt. 
Die Atmosphäre auf einem abgegrenzten Raum wurde gut eingefangen, ebenso die besonderen Lebensumstände auf einer Insel.
Die Auflösung ist eine Aneinanderreihung von spannungsgeladenen und konstruierten Ereignissen, die in dieser Menge betrachtet unglaubwürdig erscheinen. Obwohl der Thriller rein fiktiv ist, erwartet man als Leser eine Handlung, die man nachvollziehen kann. Das ist hier m.E. aber nicht der Fall.
 
QuellenangabenText über die Autorin: Klappentext © Bastei Lübbe Köln, 2026
Rezensionstext: © V. Kaiser

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