Donnerstag, 12. März 2026

Cavanagh, Steve – Kill for Me

Über den Autor

Der ehemalige Anwalt ist in Belfast, Nordirland, geboren und aufgewachsen, wo er auch heute noch lebt. Er arbeitete als Tellerwäscher, Türsteher, für einen Sicherheitsdienst und als Call-Center-Agent, bevor er einen Job bei einer großen Anwaltskanzlei in Belfast ergatterte. In seiner irischen Heimat machte sich Steve Cavanagh als erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt einen Namen und war in zahlreiche prominente Fälle involviert.
Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf seine Arbeit als Autor. Cavanagh ist der millionenfach verkaufte Bestsellerautor der Eddie-Flynn-Romane und seiner Thriller. 2018 wurde sein Roman »The Liar« mit dem Gold Dagger der Crime Writers Association als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. 2019 gewann »Thirteen« den Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award. Alle seine Romane wurden international für Preise nominiert oder ausgezeichnet.


Kill for Me


Autor: Steve Cavanagh
Titel: Kill for Me
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 18. Februar 2026
Seitenzahl: 512
Verlag: Goldmann Verlag
Preis: 17,00 € (Paperback)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5

 

Steve Cavanagh ohne Eddie Flynn

Insgesamt sieben Mal hat Steve Cavanagh seinen Strafverteidiger Eddie Flynn Prozesse am Gericht führen lassen. In dieser Zeit ist eine Symbiose zwischen Autor und Romanfigur entstanden. Umso mehr erstaunt es, dass er sich von seiner Romanfigur verabschiedet hat. Für immer? – das weiß man zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Mit »Kill for Me« hat Cavanagh jetzt den ersten Stand Alone geschrieben und der entpuppt sich schnell als wahrhaftig harter Thriller.

Ein innerer Konflikt

In der Geschichte geht es in erster Linie um Amanda White. Cavanagh nimmt sich anfangs viel Zeit, um diese Person in die Handlung einzuführen. Amanda hat vor sechs Monaten ihre sechsjährige Tochter Jess verloren, eine Woche später hat ihr Mann Luis Suizid begangen. Der mutmaßliche Mörder Wallace Crone der kleinen Jess wurde festgenommen, aber die Justiz ist nicht in der Lage, ihn zu verurteilen. Der Vater von Crone ist ein einflussreicher Machtmensch in New York.

Amanda ist eine ambivalente Persönlichkeit. Sie will sich an dem Mann rächen, der ihre Familie zerstört hat und besorgt sich eine Schusswaffe. Ein geplanter Anschlag geht schief. Sie wird verhaftet und zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Sie muss sich unter Auflagen des Gerichts einer Selbsthilfegruppe für Traumaopfer anschließen.

Ein perfider Gedanke

In der Therapiegruppe lernt sie Wendy kennen. Deren fünfzehnjährige Tochter Rebecca wurde von ihrem Musiklehrer vergewaltigt und erdrosselt. Nach den Gruppensitzungen treffen sich die beiden des Öfteren privat und schließen einen mörderischen Pakt. Amanda soll Rebeccas Mörder töten und im Gegenzug wird Wendy den Mann beseitigen, der Amandas kleine Jess auf dem Gewissen hat. 

Die Idee eines sogenannten Mördertauschs ist nachvollziehbar. Es gibt kein Mordmotiv, keine Verbindung zwischen Täterin und Opfer und somit auch keinen Verdacht. Der Thriller wird dominiert von Trauer, Wut und Ohnmacht. Der Wunsch nach Vergeltung ist nachvollziehbar, wenn man ihn auch nicht gutheißen kann.

Keine Verbindung erkennbar

In einem zweiten Handlungsstrang lernen wie Ruth Gelman und ihren Mann Scott kennen. Ruth wurde zu Hause überfallen und von einem Täter mit einem Messer übel zugerichtet. Den Angriff überlebt sie schwerverletzt, was einen längeren Klinikaufenthalt erforderlich macht. Es ist kein Motiv erkennbar und man wird erfahren, dass der Herzstillstand eines Mannes in der unmittelbaren Nachbarschaft ihr sehr wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Durch die Sirenen des Krankenwagens hat sich der Täter wohl gestört gefühlt. Ruth leidet fortan an paranoiden Halluzinationen. Deshalb wird sie vorübergehend in eine psychiatrische Klinik zur stationären Behandlung eingewiesen. Auch Scott wird im weiteren Verlauf noch eine wichtige Rolle spielen, denn Ruth will ihren Mann in ihrem Wahn zu einem Mord anstiften. 

Die Jagd nach einem Serienmörder

Eine weitere Perspektive, die die Ermittlungsarbeit der Detectives Farrow und seiner Kollegin Hernandez vom NYPD näher beleuchten, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Dynamik. Die Beiden sind auf der Suche nach einem Serienmörder. Auch Amanda gerät dabei in den Fokus der Ermittler.

Die Figuren und deren Beziehungen zueinander beschreibt der Autor aus verschiedenen Blickwinkeln. Es ist beklemmend zu erfahren, dass jemand seine liebsten Menschen verloren hat. Man kann die Wut der Betroffenen darüber verstehen, dass die Justiz versagt hat und das Gefühl allein gelassen zu werden, zurückbleibt.


Fazit

Parallelen zu dem Roman »Zwei Fremde im Zug« von Patricia Highsmith und der Verfilmung von Alfred Hitchcock sind unverkennbar. Zwei Fremde schließen während einer Zugfahrt ein mörderisches Komplott. Der eine wird zum Komplizen des anderen.
Der Plot ist unheimlich clever aufgebaut und voller unvorhersehbarer Wendungen. Was Cavanagh sich hier ausgedacht hat, ist unglaublich und in einem hohen Maß verwirrend und verstörend zugleich. Ganz langsam laufen die losen Fäden zusammen und die Handlung nimmt dabei ständig an Spannung zu. Das Ende ist gleichermaßen überraschend wie unvorhersehbar.
Es gibt nicht viele Bücher, die beim Lesen eine regelrechte Sogwirkung erzeugen. »Kill for Me« gehört definitiv dazu. Ein wahrer Pageturner und daher eine klare Leseempfehlung für alle Thrillerfans.
 
Quellenangaben
Text über den Autor:
Klappentext Paperback © 2026 Goldmann Verlag;
stevecavanaghauthor.com

 

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