Montag, 29. Juni 2026

Schwank, Thomas – Nie wieder Opfer: Totgesagt

Über den Autor

Thomas Schwank ist geboren und aufgewachsen in Hamburg und lebt aktuell in Berlin mit seinen fünf Hunden. Er war freier Redakteur, Produktmanager beim Deutschen Sportfernsehen und Prokurist bei einer PR-Agentur, bevor er sich aufs Drehbuchschreiben konzentrierte. Sein Film »Die fremde Frau« von 2003 mit Corinna Harfouch und Ulrich Tukur in den Hauptrollen gilt als einer der packendsten deutschen Thriller der letzten Jahre und ist 2008 in der Thriller-Edition der Süddeutschen Zeitung erschienen. Für den Spielfilm »Die Frau am Ende der Straße« erhielt er den VFF TV Movie Award beim Filmfest München 2006.


Nie wieder Opfer: Totgesagt


Autor: Thomas Schwank
Titel: Nie wieder Opfer: Totgesagt 
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 10. April 2026
Seitenzahl: 317
Verlag: BoD - Books on Demand
Preis: 14,99 € (Taschenbuch); 0,00 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 75/100)

Ein starker Beginn

Gleich zu Beginn fällt auf, dass der Prolog im Vergleich zu anderen Büchern außergewöhnlich lang ist. Das ist evtl. der Handlung geschuldet. Die Frage ist aber, benötigt es dafür unbedingt einen Prolog?

Hauke lässt sich nach einer Betriebsfeier von seiner Frau Neele abholen. Da es bei der Heimfahrt Hauke schlecht wird, fahren sie einen abgelegenen Parkplatz nahe dem Elbwehr Geesthacht an. Leider keine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellt. Ein unheimliches Szenario nimmt seinen Lauf. Für Hauke und Neele sowie dem einjährigen Emil nimmt es kein gutes Ende. Zweieinhalb Jahre sind seitdem vergangen und wir wechseln in die Gegenwart.

Um wen und um was geht es?

Der Autor nimmt sich Zeit, um seine drei Protagonisten Lisa, Ünal und Imany in die Geschichte einzuführen. Sie wollen Verbrechen aufdecken, um die ausgelobten Belohnungen zu kassieren. Man bekommt einen Eindruck, wie diese »ticken« und was sie zu ihrem Tun antreibt, wobei man Lisa und Ünal als naiv bezeichnen kann. 

Wir erfahren von Lisa, dass sie bei einer Tankstelle jobbt. Angeblich war sie einmal Polizistin, bis sie den Dienst quittiert hat. Neben dem Job bei der Tankstelle ist sie jetzt Privatdetektivin.
Ünal ist Türsteher in einem Club. Nebenbei gibt er Unterricht in der Vollkontakt-Kampfsportart Mixed Martial Arts („Gemischte Kampfkünste“; kurz MMA). Auch Lisa ist eine Schülerin von ihm.
Imany ist die Dritte im Bunde. Sie arbeitet im Homeoffice im Kundenservice eines Mobilfunkanbieters. Sie und Lisa haben sich durch Zufall kennengelernt, als Imany schwanger war und es ihr unterwegs schlecht ging. Sie ist genau das Gegenteil von Lisa und Ünal. Sie legt Wert auf Ordnung, Sauberkeit und einen geregelten Tagesablauf.
Alle drei Figuren sind authentisch beschrieben. Sie wirken eigenwillig und können nicht gerade mit Sympathie punkten. Die Handlung fokussiert sich wie bei einer Interaktion auf diese drei Figuren.

Die Gier nach dem schnellen Geld

Bei ihrem ersten »Auftrag« geht es um einen Zusammenschluss von Designern und Modeunternehmen gegen Produktpiraterie. Er führt Lisa und Ünal von Berlin nach Hamburg. Namhafte Modefirmen haben 5000,- € als Belohnung ausgesetzt. Imany unterstützt die Beiden von zu Hause aus mit Informationen, die sie zuvor auf nicht ganz legalem Weg recherchiert hat. 

Schnell wird klar, dass die beiden keine schnelle Belohnung einstreichen können. Der »Auftrag« läuft schnell aus dem Ruder. Sie geraten zwischen die Fronten von zwei Gruppen, die nicht das gleiche Interesse haben. Das ist alles eine Nummer zu groß für das selbst ernannte Ermittlerduo.

Starke Ansätze, ein Setting mit Schwächen

Die Erzählung hat interessante Ansätze: Der Plot-Twist, der irgendwann den Bogen zum Anfang spannt, die Produktpiraterie aus dem Bereich der Modeindustrie sowie drei junge Leute, die sich mit privaten Ermittlungen profilieren möchten, um dabei ausgesetzte Belohnungen einzustreichen.

Langatmige Textpassagen, die zumeist nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, bremsen die Spannung immer wieder aus.

Die Themen sind vielfältig, die der Autor um den Plot herum einbezogen hat. Es geht u.a. um die Aufklärung eines Mordfalles, die Aufdeckung einer falschen Identität, Flash-Sales sowie Billigkopien in der Modebranche, um nur einige zu nennen. Zwei starke Wendungen im späten Verlauf der Handlung – wobei eine unaufgeklärt bleibt (gibt es vielleicht eine Fortsetzung?) – bereichern die dramaturgische Struktur der Erzählung.


Fazit

Ein rasanter Thriller mit hohem Pacing wird hier nicht geboten. Warum hat der Autor seinen Stil vom Prolog nicht beibehalten? Das Setting wirkte auf mich nicht überzeugend. Viele Texte sind bruchstückhaft, wie im Diktierstil, auch Small Talk dazwischen.
Auf der Webseite von Helga Körner (Quelle: Helgas Bücherparadies) erfährt man im Rahmen ihrer Autorenvorstellung, dass es sich für Thomas Schwank wie eine Befreiung angefühlt hat, sein erstes Buch zu schreiben. Hier musste er sich nicht wie bei Drehbüchern um Regieanweisungen kümmern und darum, was im Film realisierbar oder finanzierbar ist.
 
Quellenangaben
Text über den Autor: Verlag der Autoren
Rezensionstext: © V. Kaiser

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