Mittwoch, 3. Dezember 2025

Beckett, Simon – Knochenkälte (Dr. David Hunter, 7)

Über den Autor

Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Seine Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter wird rund um den Globus gelesen und wurde als Serie verfilmt. »Die Chemie des Todes«, »Kalte Asche«, »Leichenblässe«, »Verwesung«, »Totenfang« und »Die ewigen Toten« waren allesamt Bestseller, ebenso sein Psychothriller »Der Hof«. »Die Verlorenen«, der Auftakt einer neuen Thrillerserie um Jonah Colley, stand wochenlang auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.


Knochenkälte


Kategorie: Thriller – England, Cumbria Mountains
Erstausgabe: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag (11/25; 464 S.)
Schlagworte: Forensik, Anthropologie, Familienfehde, Cold Cases
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5


Dr. David Hunter ist zurück

Mehr als sechs Jahre ist es her, dass der sechste Band »Die ewigen Toten« der David Hunter-Reihe veröffentlicht wurde. In der Zwischenzeit war es still um Simon Beckett geworden, wenn man einmal von dem Thriller »Die Verlorenen« aus dem Jahr 2021 absieht. Jetzt hat er seinem Protagonisten Dr. David Hunter wieder neues Leben eingehaucht.


Ein Wintersturm mit Folgen

Hunter ist auf dem Weg von London nach Carlisle in der Grafschaft Cumbria im Norden Englands zu einer Vermisstensuche und gerät unterwegs in einen Wintersturm. Dabei verliert er völlig die Orientierung. Er hat weder Handyempfang noch kann er einer Wegstrecke auf dem Navi folgen. Schließlich landet er in einem Dorf am oberen Ende der Cumbrian Mountains und erfährt dabei, dass er ungefähr dreißig Meilen von seinem ursprünglichen Ziel abgekommen ist. 

In einem heruntergekommenen ehemaligen Hotel namens Hillside House hoch oben über der Ortschaft Edendale findet Hunter eine Übernachtungsmöglichkeit. Zwischen dem dort lebenden Ehepaar Jon und Nisha Reese herrscht eine gewisse Anspannung. Nisha ist freundlich zu David, aber Jon eher abweisend. Die anderen Dorfbewohner lassen Hunter merken, dass er hier unerwünscht ist.

Am darauffolgenden Tag kommt es zur nächsten Überraschung. Die einzige Straße aus Edendale ist infolge von Rissen und einströmendem Wasser eingestürzt und unpassierbar. Strommasten wurden umgerissen, Edendale ist ohne Strom und abgeschnitten von der Außenwelt.


Eine grausame Entdeckung

Als Hunter einen Spaziergang unternimmt, entdeckt er unter einer Fichte, die der Sturm entwurzelt hat, ein Skelett. Nach seiner Vermutung liegen die menschlichen Überreste schon mehr als zwanzig Jahre dort und sind keine Folge eines natürlichen Todes. Es wird nicht die einzige grausame Entdeckung bleiben und eine Lawine ungeahnten Ausmaßes wird losgetreten. Es ist offensichtlich, dass der oder die Täter alles unternehmen, damit die Taten im Verborgenen bleiben. Eine seit Jahrzehnten bestehende Fehde zwischen zwei verfeindeten Familien bekommt neuen Zündstoff.


Anthropologie steht nicht im Mittelpunkt

In den ersten Bänden ließ der Autor seinen forensischen Anthropologen Dr. Hunter noch ausführlich zu seinen Expertisen über den Tod einhergehend mit dem Zerfall und der Auflösung der Leichen berichten. Solche Abschnitte gibt es zwar jetzt in »Knochenkälte« auch wieder, aber sie stehen nicht im Zentrum der Handlung. Das wirkt gut durchdacht von Beckett, denn ausführliche rechtsmedizinische Berichterstattungen haben mittlerweile etliche Autoren in anderen Thrillern übernommen.

Was das Setting betrifft, ist Beckett weniger mutig. Hunter steckt fest in einer von der Außenwelt abgeschnittenen Umgebung. Er ermittelt auf sich allein gestellt und befindet sich im Kreis einer übersichtlichen Anzahl von Tatverdächtigen. Um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, bringt er sich ständig in Gefahr.


Unüberlegt und naiv

Manchmal wirken Hunters Entscheidungen unüberlegt und naiv. Außerdem ist er ein Getriebener seiner privaten Situation. In Flashbacks erinnert er sich an seine Frau Kara und die kleine Tochter Alice, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Ein Brief von Rachel, in die sich David in einem früheren Fall verliebt hat und mit der er sogar über Heirat gesprochen hatte, bringt ihm die Gewissheit, dass sie nicht zueinander finden werden.

Die Aufklärung der Verbrechen hält einige Überraschungen bereit. Das ist gut konstruiert und zeigt einmal mehr die Klasse des Schriftstellers. Im Nachhinein wird man Edendale als einen Ort in Erinnerung behalten, der im Mittelpunkt komplexer Mordermittlungen mit mehreren Opfern und Verdächtigen stand.


Fazit

Ein Thriller voller Emotionen. Die tragenden Figuren sind sehr gut ausgearbeitet. Das trifft insbesondere auf David Hunter zu, aber auch auf Jon und Nisha Reese, bei denen David eine vorübergehende Bleibe findet. Man kann sich gut in diese Figuren hineinversetzen, wie sie sich fühlen und was sie denken.
Beckett versteht es einfach, spannend zu erzählen. Mit ausführlichen Beschreibungen von Ereignissen und Begebenheiten treibt er die Neugierde seiner Leser zum Äußersten, bis er endlich zum Punkt kommt. So entwickelt sich ein wahrer Pageturner.
Die Langatmigkeit vom Anfang gerät schnell in Vergessenheit, wenn man in einen regelrechten Lesesog hineingezogen wird. Es folgt eine atmosphärische, lebendige und detaillierte Erzählweise, wobei wir Dr. Hunter als Ich-Erzähler erleben.
Man befindet sich durchgehend in der gleichen Handlungsebene. Die Kapitel schließen nahtlos ohne Cliffhanger aneinander an. Die Spannungskurve steigt von Kapitel zu Kapitel. Denkt man, dass man endlich die ganzen Zusammenhänge erfasst hat, wird man durch einen Plot-Twist eines Besseren belehrt.
 
Quellenangaben
Text über den Autor: Schutzumschlag © Rowohlt Verlag GmbH Hamburg, 2025
Buchcover: Bildrechte gehören dem jeweiligen Verlag

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