Montag, 14. September 2026

Newman, T. J. – Worst Case

Über die Autorin

Torri Jan Newman (geboren 1983 oder 1984), besser bekannt als T. J. Newman, ist eine US-amerikanische Autorin und ehemalige Flugbegleiterin. Newman wuchs in Mesa, Arizona, auf. Sie studierte Musiktheater an der Illinois Wesleyan University und schloss ihr Studium 2006 ab.
Nach ihrem Studium zog Newman nach New York City, um eine Schauspielkarriere zu verfolgen, blieb dabei jedoch erfolglos. Nach zwei Jahren kehrte sie in das Haus ihrer Eltern in Phoenix zurück und arbeitete bis 2011 bei »Changing Hands«, einer unabhängigen Buchhandlung. Sie war für Virgin America und Alaska Airlines tätig, bis sie zu Beginn der COVID-19-Pandemie freigestellt wurde.
Ihren Debütroman »Flug 416« verfasste sie größtenteils, während ihre Passagiere auf Nachtflügen schliefen. Das Werk wurde zum internationalen Bestseller wie auch »Absturz«, ihr zweiter Roman. Die Autorin lebt in Phoenix, Arizona.

 

Autor: T.J. Newman
Titel: Worst Case 
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2025
Seitenzahl: 416
Verlag: Goldmann Verlag
Preis: 12,00 € (Paperback); 9,99 € (E-Book)

Meine Bewertung:
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️(Score 96/100)

Weitere Bücher der Autorin (mit einem Klick zur Rezension):

    1. Absturz

Flugzeugabsturz mit vorhersehbaren Folgen

Wie schon in ihren ersten beiden Thrillern »Flug 416« (2022) und »Absturz« (2024) geht es auch in diesem Thriller wieder um eine Flugzeugkatastrophe. Die Themenwahl ist bei einer ehemaligen Flugbegleiterin daher naheliegend. Anders als bei den vorherigen Thrillern sind dieses Mal nicht nur das Flugpersonal und die Passagiere betroffen. Der hier geschilderte Flugzeugabsturz ist sekundär. Primär ist das, was danach geschieht.

In einem Coastal-Airways-Flug erleidet der Pilot in elftausend Meter Höhe einen tödlichen Herzinfarkt. Der Co-Pilot ist zu diesem Zeitpunkt auf der Toilette und reagiert nicht auf Ansprachen. Die Maschine stürzt mit 294 Passagieren incl. Crew an Bord zu Boden. Panik und Schreie bahnen sich ihren Weg, als den Menschen bewusst wird, dass sie in den Tod stürzen.

Eine Kernschmelze droht

Als wäre dieser dramatische Unfall mit einer Kettenreaktion von Ereignissen an sich noch nicht schlimm genug, stürzt das Flugzeug ausgerechnet in das AKW Clover-Hill in dem kleinen, ländlichen Ort Waketa im US-Staat Minnesota. Die Kühltürme werden beschädigt, das Kühlwasser läuft aus und eine Kernschmelze droht. Das hätte nicht nur fatale Folgen für den nordamerikanischen Kontinent. Dieses bevorstehende Reaktorunglück wird auf einer internationalen Bewertungsskala für nukleare und radioaktive Ereignisse (INES) als katastrophaler Unfall der Stufe 7 eingeordnet. 

Bislang wurden nur zwei Reaktorunfälle der höchsten INES-Stufe 7 verzeichnet: Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011). Wie nah dran Newman mit ihrem Thriller an der Realität ist, zeigt die Lage in und um das AKW Saporischschja in der Ukraine. Häufige Störfälle waren bereits zu verzeichnen, die zum Glück alle behoben werden konnten - bisher wohlgemerkt.

Eine Kleinstadt am Abgrund

Bei diesem Horrorszenario in Waketa ist auch die Bevölkerung und die Umwelt in einem großen Ausmaß betroffen. Die Bemühungen einer Kleinstadt, eine Kernschmelze zu verhindern, sind allgegenwärtig. Wir begegnen Personen, die völlig selbstlos ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um andere Menschenleben zu retten. Menschen reagieren in einer Krise so, wie sich die meisten in einer solchen Situation verhalten würden. Die Verstrahlungsgefahr für die Helferinnen und Helfer ist enorm. Diese Begleitumstände hat Newman gut einfangen.

Primäre Folgen

Die Erzählung erfolgt aufgeteilt in verschiedene Schauplätze, die unmittelbar bzw. mittelbar mit dem Unglück in dem AKW zusammenhängen. Neben dem Flugzeugabsturz mit seinen Folgen gibt es einen weiteren Schauplatz mit einer Massenkarambolage von siebzehn Fahrzeugen. Herumfliegende Flugzeugtrümmer haben einen Minivan schwer getroffen. In dem Wagen befinden sich das Ehepaar Hays, ein Teenager und der fünfjährige Connor. Allein dieser Junge überlebt die Kollision, steckt aber in dem Fahrzeug fest. Wie kann man ihn befreien, zumal der Van in den Mississippi zu stürzen droht? Dramatische Rettungsversuche schließen sich an, die alle zu scheitern drohen.

Einige Kapitelüberschriften zählen in einem Countdown in Stunden und Minuten die verbleibende Zeit bis zur Kernschmelze herunter. Das erzeugt beim Lesen ein mulmiges Gefühl und ist von Newman gut durchdacht. Wechselnde Perspektiven aus der Sicht verschiedener Protagonisten erhöhen die Spannung.

Newman gelingt es sehr anschaulich, die Auswirkungen der nahenden Katastrophe auf das ganze Land zu beschreiben. Stehender Ausreiseverkehr bis Ohio. Kanada und Mexiko haben ihre Grenzen geschlossen und lassen keine Amerikaner mehr ins Land. In Georgia laufen Prepper mit Gasmasken herum. Der Mietwagenpool ist leer. Toilettenpapier ist überall ausverkauft. Finanzinstitute beschränken die Summe, die die Menschen von ihren Konten abheben können, um einen Ansturm auf die Banken zu verhindern.


Fazit

»Worst Case« ist das erste Buch der Autorin, das nicht an Bord eines Flugzeugs spielt, wenn auch die Handlung dort ihren Anfang nimmt. Es ist geprägt von Emotionen. Die Ereignisse wühlen auf, je weiter man in der Erzählung vordringt. Was Newman schreibt, entspricht einer aktuellen und brisanten Thematik.
Viele Plot-Twists und Cliffhanger treiben dass Spannungslevel nach oben. Man hat nicht das Gefühl, das Newman mit ihrem Schreibstil künstliche Spannung aufbauen will. Vielmehr geht es ihr um möglichst realistische Schilderungen. Wenn man auf der Suche nach einem guten und spannenden Thriller ist, kommt man an Newman nicht vorbei. Dieser Blockbuster ist ein absolutes »Must Read« für Thrillerfans.

Quellenangaben
Text über die Autorin: Wikipedia; Buchinnenseite © Goldmann-Verlag München, 2025 auszugsweise
Rezensionstext: © V. Kaiser; das KI-generierte Bild zeigt einen Flugzeugabsturz auf ein Kernkraftwerk

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