Über die Autorin
Louise Candlish wurde in Hexham, Northumberland, geboren und wuchs in Northampton auf. Sie schloss ihr Studium am University College London (UCL) 1989 mit einem Bachelor of Arts (BA) in Englisch ab. Zu ihren Leidenschaften zählen Bücher, Fernsehen und lange Spaziergänge – sowie ein Glas Wein in der Sonne, genossen mit Familie und Freunden. Zu ihren Lieblingsautoren gehören Tom Wolfe, Patricia Highsmith, Barbara Vine, Agatha Christie und Evelyn Waugh. Ihr absolutes Lieblingsbuch ist »Madame Bovary«. Sie lebt mit Mann, Tochter und einem fuchsroten Labrador namens Bertie im Süden Londons.
Autorin: Louise Candlish
Titel: Our Holiday
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 20. Mai 2026
Seitenzahl: 576
Verlag: btb Verlag
Preis: 17,00 € (Paperback); 12,99 € (E-Book)
Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (Score 84/100)
Summer-Vibes mit Hindernissen
Einen Monat im Jahr bewohnen die reichen Engländer ihre Ferienhäuser, die für den Rest des Jahres leer stehen. Bei den Einheimischen ist dagegen der Wohnraum knapp. Sie fristen ihr Dasein in Wohnwagen mit beengten Verhältnissen. Das erzeugt Unverständnis und Neid. Eine einheimische Aktivistengruppe, die sich »Not Just For August« (NJFA) nennt und deren Anführer der charismatische Robbie ist, will das nicht länger hinnehmen. Mit verschiedenen an Vandalismus grenzenden Aktionen wollen die Aktivisten die reichen »Eindringlinge aus London«, die sie despektierlich als »HALS« (Horden aus London) oder »Grockles« bezeichnen, auf ihre Situation aufmerksam machen und zu einem Umdenken bewegen.
Zwei befreundete Familien
Das Ehepaar Charlotte und Perry Tucker hat hier schon seit fünfzehn Jahren ein großes Ferienhaus mit einem zugehörigen kleinen Gartenhäuschen – genannt »Nook«. Ihre Nachbarn Amy und deren Mann Linus – mit denen die Tuckers befreundet sind – möchten sich ebenfalls so ein Feriendomizil zulegen. Leider reichen die finanziellen Mittel nur zu einem heruntergewirtschafteten, überteuerten Haus in der Nähe. Während sich die Frauen gut verstehen, gibt es Spannungen zwischen Perry und Linus, die sich im weiteren Verlauf steigern, bis hin zur Eskalation.Perry ist außer sich. Aus seiner Sicht sind es doch die Steuern, die für die staatlichen Leistungen der unter Wohnungsnot leidenden Bewohner sorgen. Ganz anders Amy. Man könnte fast denken, dass sie sich bei den Einheimischen anbiedern will. Auf der anderen Seite möchte sie dabei aber die Freundschaft zu den reichen Londonern nicht gefährden.
Der KlippensturzDie Ausgangssituation für das Setting ist schnell gelegt. Während des alljährlichen Old Beach Festivals stürzt ein Haus über eine Klippe. Zunächst bleibt unklar, wem das Haus gehört und ob es Tote und Verletzte gibt. Den weiteren Verlauf rollt die Autorin in Rückblenden auf.
Trotz des rasanten Einstiegs nimmt sich der Thriller Zeit, bis er Fahrt aufnimmt. Konflikte und Gesprächsdynamiken wiederholen sich einige Male. Als bekannt wird, dass bei dem abgestürzten Haus ein Mensch zu Tode gekommen ist, zieht die Spannung merklich an. Zunächst tappt man als Leser/Leserin im Dunkeln, was die Ursache des Absturzes des Hauses ist und um wen es sich bei dem Opfer handelt.
Die Stimmung kippt
In verschiedenen Kapiteln erleben wir Robbie (den Anführer der Aktivistengruppe) als Ich-Erzähler, während wir über Tate (einem weiteren Aktivisten), Charlotte, Perry, Amy, Linus und Beattie (die siebzehnjährige Tochter von Amy und Linus) Einblicke aus einer erzählenden Perspektive erhalten. Perry und Beattie sind zwei Figuren, auf die Candlish dabei ein besonderes Augenmerk geworfen hat. Für Robbie sind die reichen Londoner Zweitwohnsitz-Abschaum. In dieser Aussage steckt eine Menge Aggressionspotential.Jeder versucht auf seine Weise durch Ränkespiele den Vorteil für sich zu verbuchen. Zum Ende hin wird eine Ehe zerbrochen sein. Vor dem Urlaub sind sie als Freunde angereist und am Ende des Urlaubs sind diese Freundschaften Vergangenheit. Und ein Verbrechen wird aufgedeckt, das so nicht gewollt war.
Fazit
»Our Holiday« von Louise Candlish ist vielleicht der Sommer-Thriller 2026 nach »Very Bad Widows« aus dem vergangenen Jahr. Nur sind es dieses Mal nicht die bösen Witwen, sondern eine Auseinandersetzung zwischen reichen Londonern und einheimischen Aktivisten. Das Buch ist unterhaltsam, mit Pointen und Dialogen angereichert. Manches wirkt überdreht, fast schon satirisch.Beide Milieus kommen gewollt oder ungewollt in Berührung. Candlish legt dabei ihr Hauptaugenmerk auf sozialkritische Aspekte wie Beziehungsdramen, Besitzanspruch, existenzielle Wohnungsnot und eine Gruppendynamik mit sich zuspitzenden Konflikten. Die Eskalationsspirale dreht sich dabei unaufhaltsam.
So gelingt es trotz des etwas schleppenden Einstiegs, sich durch über 570 Seiten zu lesen. Man will unbedingt erfahren, was und warum das eine oder andere so und nicht anders geschehen ist. Das kommt erst in Rückblenden nach und nach zur Auflösung, was ein durchaus interessanter Ansatz ist. Ich empfehle das Buch als Sommerlektüre.
Quellenangaben
Text über die Autorin: Wikipedia, Amazon auszugsweise
Rezensionstext: © V. Kaiser; das Bild wurde mit KI generiert


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