Sonntag, 27. September 2026

Slaughter, Karin – Tödliches Verderben

Über die Autorin

Karin Slaughter wurde 1971 in Atlanta, Georgia geboren. In der Gegend, in der sie aufwuchs, kam es während ihrer Kindheit zu einem starken Anstieg der Kriminalitätsrate und speziell zu Kapitelverbrechen. Vor ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin war sie Inhaberin einer Werbeagentur, die sie Anfang der 2000er Jahre verkaufte. Bis dahin hatte sie fünf Romane verfasst, die nicht veröffentlicht wurden. Seit 2001 veröffentlicht die US-amerikanische Schriftstellerin international erfolgreiche Kriminalromane. Kennzeichnend für ihre Kriminalromane war von Beginn an die Beschreibung brutalster Handlungen, wie z.B. Folterungen der Opfer und Kindesmissbrauch.


Autorin: Karin Slaughter
Titel: Tödliches Verderben (North Falls #2) 
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2026
Seitenzahl: 560
Verlag:
Verlagsgruppe Harper Collins
Preis: 24,00 € (Gebundenes Buch); 19,99 € (E-Book)

Meine Bewertung: ⭐️⭐️⭐️(Score 74/100)

Reihenfolge (mit einem Klick zur Rezension):

    1. Dunkle Sühne
    2. Tödliches Verderben


Fast eine Familiensaga

North Falls hat ungefähr tausend Einwohner. Die Hälfte davon trägt den Namen Clifton. Dreiundsechzig Jahre war Gerald Clifton Deputy Chief in der Kleinstadt, bis er bei einem Einsatz ums Leben kam. Seine Ehefrau Myrna Joy Clifton ist nach sieben qualvollen Jahren kurz nach ihrem Mann an Alzheimer gestorben. Eine unheimliche Belastung für den Rest der Familie. Schon vor dem Tod ihres Vaters hatte die gemeinsame Tochter Emmy die Abteilung inoffiziell als Deputy Chief übernommen. Unterstützung bekommt sie von ihrem dreiundzwanzigjährigen Sohn Cole, der ebenfalls bei der Polizei als Deputy arbeitet. Von der Bevölkerung wird Emmy allerdings nicht der Respekt und das Vertrauen entgegengebracht, wie es bei ihrem Vater der Fall war.

Ein weiteres Familienmitglied haben wir schon im ersten Band kennengelernt – Emmys Schwester Jude. Eine ehemalige FBI-Agentin, die erst vor kurzem nach langen Jahren der Abwesenheit zurückgekehrt ist. Wir erfahren von Jude, was sie damals aus North Falls weggetrieben hat. Sie bot den Einwohnern jede Menge Angriffsfläche. Sie hatte häufig wechselnde Beziehungen. Jude hat in einer Rockband gesungen, geraucht und getrunken ohne Maß und Ziel. Optisch hat sie den Eindruck eines Hippies gemacht. Warum ist sie nach so langer Abwesenheit plötzlich wieder aufgetaucht?

Wie geht es weiter mit den Cliftons

Die heile Welt der Cliftons bekommt Risse. Die Beerdigung von Myrna bringt Emmy an ihre psychischen und physischen Grenzen. Sie ist sich nicht sicher, ob sie das Amt im Sinne ihres Vaters weiter ausüben kann. Es kommt zu Spannungen zwischen Jude und Emmy. Jude mischt sich immer wieder in die Ermittlungen ein. Sie analysiert die Geschehnisse und hat die richtigen Ansätze, was Emmy wütend macht. Was ist es, was Jude mit Emmy verbindet? Kann oder will sie es ihr nicht sagen? Und war Gerald der Polizist mit einem reinen Gewissen, wie es nach außen hin den Anschein hat?

Fünfundvierzig Minuten nach der Beerdigung von Myrna

Die ehemalige Polizistin und Freundin von Emmy, Allison Vickery, wird in ihrem Haus mit ihrer eigenen Waffe erschossen und ihre sechszehnjährige Tochter Mandy durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Es ist fraglich, ob sie es überleben wird. Emmy macht sich im Anschluss an die Trauerfeier von ihrer Mutter umgehend an den Tatort, um die Ermittlungen aufzunehmen.

Seitdem Allison aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist, war sie als Privatermittlerin tätig. Nach langen Jahren der Misshandlung durch ihren gewalttätigen Ehemann Bill Garrison hat sie endlich den Mut gefunden, die Scheidung einzureichen. Auch ihre Tochter Mandy wurde misshandelt. Das Mädchen hat überall am Körper blaue Flecken. Die Koffer sind gepackt und Allison will zusammen mit Mandy weg aus ihrem Haus. Könnte das ein Mordmotiv sein und wo stammen die dreihunderttausend Dollar in bar her, die auf dem Dachboden versteckt sind?

Ein Fall voller Geheimnisse

Der Fall erweist sich als äußerst komplex und vielschichtig. Es ist der Tod von Allison, der ein Netz von Lügen und Korruption zum Vorschein bringt. Irgendetwas hat der Täter im Haus von Allison und Bill gesucht. Überall liegen Rechnungen, Quittungen, Ordner und Fotos auf dem Fußboden verteilt. Die Ermittlungen drehen sich im Kreis, wobei Allisons Ehemann Bill der Hauptverdächtige ist. Emmy macht sich schwere Vorwürfe, dass sie ihrer Freundin keine Hilfe angeboten hat.

Emmy und Jude stehen im Mittelpunkt des Plots, aus deren Perspektiven die Geschichte fast ausschließlich erzählt wird. Jude bekommt dieses Mal mehr Raum als im ersten Band. Slaughter gibt uns mit der Beschreibung der Ängste und Gedanken von Emmy und Jude einen guten Einblick in die Gefühlswelt der beiden Frauen. Aber der häufige Schlagabtausch und die dynamische Entwicklung zwischen den beiden Schwestern hemmen eher die Handlung, als dass sie förderlich wären. Andere Figuren bleiben eher flach. Deren große Anzahl erweist sich zudem als Herausforderung, den Überblick zu behalten.

In einer Art Zusammenfassung bekommt man zum Ende hin die Auflösung präsentiert. Bereits bekannte Informationen werden noch einmal gebündelt dem Leser/der Leserin bewusst vor Augen geführt. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt es ungewiss, wer Allison erschossen und Mandy durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt hat. Sowohl die Klärung des Falles als auch eine Neuigkeit bei den familiären Verhältnissen der Cliftons halten eine Überraschung parat, die man so sicher nicht erwartet hat.


Fazit

Der Beginn ist schleppend und auch der Mittelteil ist eher von einem ruhigen Erzähltempo geprägt. Slaughter verliert sich im Storytelling des Öfteren übertrieben ausführlich in Details, wobei sie ein besonderes Augenmerk auf die Polizeiarbeit legt. Überlange Kapitel bremsen die Dynamik aus. Twists und Cliffhanger lässt die Autorin allenfalls sporadisch einfließen.
Die Themenpalette ist komplex. Sie reicht von häuslicher Gewalt über Korruption bei der Polizei bis hin zu Drogenkriminalität. Dieser Sumpf reicht weit bis in die Vergangenheit zurück.
Wenn man die Familiengeschichte der Cliftons außer Acht lässt, ist dieser Band der Reihe ohne Vorkenntnisse gut lesbar. Zumal man zu Beginn auf den neuesten Familienstand gebracht wird. Aus meiner Sicht war der erste Teil der North-Falls-Reihe eindeutig stärker.

Quellenangaben
Text über die Autorin: Wikipedia
Rezensionstext: © V. Kaiser; das Bild wurde mit KI-generiert

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